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Nicht alle Eier in einen Korb: Warum die höchste Rendite selten das beste Anlageziel ist

In der Ratgeberflut zur Geldanlage kehrt ein altes Prinzip zurück in den Vordergrund: die breite Streuung. Warum Fachleute Diversifikation für wichtiger halten als die Jagd nach der Spitzenrendite – und wo die Idee an Grenzen stößt.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Wer sich derzeit durch die Ratgeber zur privaten Geldanlage klickt, stößt immer wieder auf denselben Rat – vorgetragen von Banken, Vermögensverwaltern und Kapitalmarktkommentatoren gleichermaßen: Nicht die höchstmögliche Rendite sei das eigentliche Ziel, sondern die kluge Verteilung des Risikos. Was nach einer Binsenweisheit klingt, widerspricht dem, wonach viele Anlegerinnen und Anleger tatsächlich suchen: dem einen Fonds, der einzelnen Aktie, dem Tipp, der überdurchschnittlich abwirft. Ein Blick darauf, warum Fachleute so beharrlich zur Streuung raten.

Das Prinzip hinter dem Sprichwort

Der Kern lässt sich in einem alten Satz zusammenfassen, den auch die Verbraucherzentrale bemüht: „Leg nicht alle Eier in einen Korb." Wer sein gesamtes Geld in eine einzige Anlageklasse steckt – nur Aktien, nur Immobilien, nur ein Tagesgeldkonto –, macht Chancen und Risiken vollständig von der Entwicklung dieses einen Bereichs abhängig. Verteilt man das Vermögen dagegen über verschiedene Anlageklassen, Regionen und Branchen, gleichen sich Schwankungen tendenziell aus: Verluste an einer Stelle können durch Gewinne an anderer gedämpft werden. Fachleute sprechen von Diversifikation, also Risikostreuung.

Der entscheidende Punkt ist mathematischer Natur: Streuung senkt nicht in erster Linie die erwartete Rendite, sondern die Schwankungsbreite, mit der sie erzielt wird. Ein breit aufgestelltes Portfolio erreicht sein Ziel ruhiger – und verringert vor allem das Risiko eines Totalverlusts, das bei einzelnen Werten immer besteht.

Warum die höchste Rendite trügt

Dass die Spitzenrendite selten das sinnvollste Ziel ist, hat mit der Kehrseite jeder Renditechance zu tun: dem Risiko. Anlagen mit den höchsten Renditeaussichten sind in aller Regel auch die schwankungsanfälligsten. Wer allein auf maximale Erträge setzt, kauft sich damit ein Ausmaß an Unsicherheit ein, das er im Ernstfall – etwa wenn das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt gebraucht wird – nicht tragen kann.

Hinzu kommt ein psychologischer Faktor. Verhaltensökonomen weisen seit Langem darauf hin, dass Anleger dazu neigen, vergangenen Spitzenrenditen hinterherzulaufen und gerade dann einzusteigen, wenn eine Anlage bereits teuer geworden ist. Eine feste Strategie mit breiter Streuung nimmt einen Teil dieser Versuchung aus der Entscheidung – nicht, weil sie klüger prognostiziert, sondern weil sie weniger auf Prognosen angewiesen ist.

Wie Streuung praktisch aussieht

Für Privatanleger mit kleineren Beträgen gelten breit gestreute Fonds und börsengehandelte Indexfonds (ETFs) als gängiger Weg, um mit überschaubarem Aufwand in Hunderte oder Tausende Einzelwerte zugleich zu investieren. Wer dagegen einzelne Aktien kauft, erreicht laut gängiger Faustregel erst ab etwa zehn verschiedenen Werten eine halbwegs sinnvolle Streuung – und selbst dann bleibt das Klumpenrisiko höher als bei einem breiten Index. Neben Aktien kommen je nach Ziel und Zeithorizont weitere Bausteine infrage, von Anleihen über Tagesgeld bis zu Sachwerten.

Wichtig ist dabei, dass Diversifikation kein Selbstläufer ist: Wer zehn Fonds besitzt, die alle dieselben großen Technologiekonzerne enthalten, ist weniger gestreut, als die Zahl der Produkte vermuten lässt. Es kommt also nicht auf die Menge der Positionen an, sondern darauf, dass sie sich möglichst unterschiedlich entwickeln.

Wo das Prinzip an Grenzen stößt

Streuung ist kein Freifahrtschein. In schweren Krisen können viele Anlageklassen zugleich fallen, sodass der schützende Effekt vorübergehend nachlässt. Auch Kosten spielen eine Rolle: Wer zu kleinteilig aufstellt, zahlt womöglich mehr Gebühren, als die zusätzliche Streuung wert ist. Und die beste Verteilung nützt wenig, wenn der Anlagehorizont nicht zur gewählten Strategie passt. Diversifikation verringert Risiken – beseitigen kann sie sie nicht.


Dieser Beitrag ordnet einen aktuellen Trend redaktionell ein und dient der allgemeinen Information. Er stellt keine Anlage-, Steuer- oder Finanzberatung dar und ersetzt keine individuelle Beratung. Geldanlagen sind mit Risiken bis hin zum Verlust des eingesetzten Kapitals verbunden.