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Zecken das ganze Jahr: Warum Borreliose und FSME wieder Aufmerksamkeit bekommen

Meldungen über steigende Borreliose-Diagnosen und ein neues Rekordniveau bei der FSME lenken den Blick auf ein Risiko, das mit dem Klima wächst: Zecken sind in Deutschland inzwischen fast ganzjährig aktiv. Was die Zahlen sagen – und wo Vorsicht mehr hilft als Alarm.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Ein kleiner Stich, oft unbemerkt, mit möglichen Folgen: Zeckenübertragene Krankheiten sind in diesem Sommer wieder ein Thema. Anlass sind Meldungen über deutlich gestiegene Borreliose-Diagnosen und Zahlen, die bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auf einem hohen Niveau verharren. Dahinter steht eine Entwicklung, die Fachleute seit Jahren beobachten – und die weniger mit einem einzelnen schlechten Jahr zu tun hat als mit einem längeren Trend.

Was die Zahlen wirklich sagen

Bei der FSME, der durch Viren ausgelösten und meldepflichtigen Hirnhautentzündung, lässt sich die Lage vergleichsweise genau beziffern. Für 2025 wurden nach vorliegenden Angaben rund 693 gesicherte Fälle registriert, ähnlich viele wie im Vorjahr mit 695 – Werte, die nahe am bisherigen Höchststand von 704 Erkrankungen aus dem Jahr 2020 liegen. Die FSME tritt dabei nicht überall auf, sondern konzentriert sich auf ausgewiesene Risikogebiete, die vor allem im Süden Deutschlands liegen und deren Zahl über die Jahre gewachsen ist.

Anders die Borreliose: Sie wird durch Bakterien ausgelöst, ist nicht bundesweit einheitlich meldepflichtig und lässt sich deshalb schwerer in Statistiken fassen. Schätzungen gehen von jährlich mehreren zehntausend Erkrankten aus. Wenn nun von einem erheblichen Anstieg der Diagnosen die Rede ist, bleibt offen, ob tatsächlich mehr Menschen erkranken oder ob die Krankheit häufiger erkannt und dokumentiert wird – etwa, weil Ärztinnen und Ärzte stärker dafür sensibilisiert sind. Diese Unschärfe sollte man mitdenken, bevor aus einer Zahl eine Panik wird.

Warum die Zecke länger unterwegs ist

Der eigentliche Treiber ist das Wetter. Mildere Winter und früher einsetzende warme Phasen sorgen dafür, dass Zecken kaum noch eine echte Winterpause einlegen. Fachleute gehen inzwischen davon aus, dass die Tiere in weiten Teilen Deutschlands nahezu ganzjährig aktiv sein können, sobald die Temperaturen einige Grad über dem Gefrierpunkt liegen. Gleichzeitig breiten sie sich in Regionen aus, die früher als zu kühl galten – weiter nördlich und in höheren Lagen. Für Menschen bedeutet das vor allem eines: Der Zeitraum, in dem ein Stich möglich ist, hat sich verlängert.

Vorbeugen ist einfacher als behandeln

So unterschiedlich beide Krankheiten sind, so ähnlich ist der Schutz davor. Wer sich in Wald, Wiesen oder hohem Gras aufhält, kann das Risiko mit einfachen Mitteln senken: geschlossene Kleidung, ein Blick auf Haut und Kleidung nach dem Aufenthalt im Grünen und das rasche, vollständige Entfernen einer festgesaugten Zecke. Denn je kürzer die Zecke saugt, desto geringer ist in der Regel die Wahrscheinlichkeit einer Borrelien-Übertragung. Gegen die FSME gibt es zudem eine Impfung, die insbesondere für Menschen in ausgewiesenen Risikogebieten empfohlen wird; gegen Borreliose existiert ein solcher Schutz bislang nicht, sie ist dafür bei rechtzeitiger Erkennung meist gut mit Antibiotika behandelbar.

Warnzeichen, die man ernst nehmen sollte, sind eine sich ausbreitende Rötung um die Einstichstelle sowie grippeähnliche Beschwerden in den Wochen nach einem Stich. Wer solche Symptome bemerkt, sollte ärztlichen Rat suchen – gerade weil eine früh erkannte Borreliose deutlich besser in den Griff zu bekommen ist als eine verschleppte.


Dieser Beitrag ordnet aktuelle Zahlen redaktionell ein und ersetzt keine ärztliche oder gesundheitliche Beratung. Bei konkreten Beschwerden oder Fragen zur Impfung wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.