Weniger Bäume, mehr Beton: Was der Hitze-Check über deutsche Städte verrät
Der Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe zeichnet ein ernüchterndes Bild: In sieben Jahren sind aus knapp 200 untersuchten Städten fast eine Million Bäume verschwunden, während die Bodenversiegelung überall zunahm. Hinter den Zahlen steht die Frage, wie Kommunen mit immer heißeren Sommern umgehen wollen.
Wenn im Hochsommer die Innenstädte glühen, wird sichtbar, was Stadtplanung über Jahrzehnte angerichtet oder versäumt hat. Die Deutsche Umwelthilfe hat ihren jährlichen Hitze-Check vorgelegt und darin fast 200 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist unbequem: Statt sich an heiße Sommer anzupassen, sind viele Kommunen in den vergangenen Jahren eher schlechter gerüstet. Bemerkenswert ist dabei weniger die Rangliste einzelner Städte als das, was die Auswertung über einen Trend erzählt.
Fast eine Million Bäume weniger
Die auffälligste Zahl betrifft das Stadtgrün. Zwischen 2018 und 2025 verschwanden aus den untersuchten Städten laut der Auswertung mehr als 900.000 Bäume. Bäume sind in der Stadt keine Zierde, sondern Klimatechnik: Sie spenden Schatten, kühlen über die Verdunstung ihrer Blätter und senken die gefühlte wie die gemessene Temperatur in ihrem Umfeld spürbar. Wo sie fehlen, heizt sich der Raum tagsüber stärker auf und gibt die Wärme nachts nur zögerlich wieder ab – ein Effekt, der besonders für ältere und kranke Menschen gefährlich werden kann.
Erstmals hat die Organisation dabei nicht nur die Hitzebelastung der Menschen betrachtet, sondern auch die sogenannte Kronenbedeckung erfasst – also den Anteil der Fläche, der von höherem Grün überschirmt ist. Als wissenschaftlich empfohlene Marke gelten mindestens 30 Prozent. Diesen Wert erreichten nach der Auswertung nur eine Handvoll Städte, darunter Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam und Solingen. Der Rest bleibt teils deutlich darunter.
Kein einziges grünes Zeugnis bei der Versiegelung
Noch eindeutiger fällt der Befund beim Boden aus. Jede der untersuchten Städte hat in den vergangenen sieben Jahren zusätzliche Flächen versiegelt – also mit Asphalt, Beton oder Gebäuden überbaut. Versiegelter Boden kann kein Wasser aufnehmen, keine Verdunstungskälte liefern und speichert stattdessen Wärme. Weil ausnahmslos alle Kommunen hier zugelegt haben, vergab die Deutsche Umwelthilfe für diesen Trend kein einziges positives Zeugnis. Selbst Städte, die insgesamt gut abschneiden, sind heute stärker versiegelt als 2018.
Als Hitze-Hotspots nennt die Auswertung unter anderem Offenburg und Mannheim, als vergleichsweise positive Beispiele Kiel und Wuppertal. Doch auch diese Einordnung ist relativ: Der aus mehreren Faktoren zusammengesetzte Index der Hitzebelastung hat sich gegenüber dem Vorjahr insgesamt verschlechtert. Obwohl mehr Städte geprüft wurden, sank die Zahl der guten Bewertungen.
Warum Anpassung so zäh vorankommt
Dass Kommunen die Lage kennen, heißt nicht, dass sie schnell gegensteuern können. Straßenbäume brauchen Jahrzehnte, bis ihre Kronen wirken; Entsiegelung kostet Geld und kollidiert mit dem Druck, Wohnraum und Gewerbeflächen zu schaffen. Zwischen dem Wunsch nach mehr Grün und dem realen Flächenverbrauch verläuft ein Zielkonflikt, den keine Checkliste auflöst. Hinzu kommt, dass viele wirksame Maßnahmen – schattige Höfe, helle Beläge, begrünte Dächer, mehr unversiegelte Flächen – erst über Jahre spürbar werden und in der öffentlichen Aufmerksamkeit gegen sichtbarere Projekte konkurrieren.
Zwischen Checkliste und Realität
Auswertungen wie der Hitze-Check haben vor allem eine Funktion: Sie machen einen schleichenden Prozess messbar und vergleichbar. Ob eine Stadt kühl bleibt oder sich aufheizt, entscheidet sich nicht in einem heißen Sommer, sondern über viele Planungsjahre hinweg – bei jeder Baugenehmigung, jedem gefällten oder gepflanzten Baum, jeder neuen Parkplatzfläche. Die eigentliche Nachricht des Berichts ist deshalb weniger die Momentaufnahme als die Richtung: Solange versiegelt schneller wird, als nachgepflanzt wird, verschiebt sich die Bilanz weiter ins Warme. Für Kommunen wird Hitzevorsorge damit weniger zur Kür als zur Pflichtaufgabe der kommenden Jahre.
Dieser Beitrag ordnet die Ergebnisse einer aktuellen Auswertung redaktionell ein. Die genannten Zahlen und Bewertungen stammen aus dem Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe.