Holz vom belasteten Boden: Warum die Baumart über die Schwermetalle im Stamm entscheidet
Auf mit Schwermetallen belasteten Flächen wächst selten etwas Verwertbares. Eine aktuelle Untersuchung zeigt: Ob das Holz solcher Bäume nutzbar bleibt, hängt weniger vom Standort ab als von der Wachstumsstrategie der Art.
Alte Industriestandorte, ehemalige Bergbauflächen, Böden entlang stark befahrener Straßen: In Mitteleuropa gibt es viele Flächen, auf denen der Untergrund mit Schwermetallen wie Cadmium, Zink oder Blei angereichert ist. Landwirtschaft verbietet sich dort meist, und für den Naturschutz sind solche Areale oft zu belastet. Die Frage, ob sich auf ihnen wenigstens Holz erzeugen lässt, klingt technisch – berührt aber ein größeres Thema: Wie nutzt man Böden, die für fast alles andere verdorben sind? Eine aktuelle Untersuchung, über die der Informationsdienst Wissenschaft berichtet, liefert dazu eine überraschend differenzierte Antwort.
Fünf Jahre im belasteten Substrat
Für die Studie ließen die Forschenden nach eigenen Angaben sieben mitteleuropäische Baumarten fünf Jahre lang in Böden wachsen, deren Schwermetallgehalt dem kontaminierter Standorte nachempfunden war. Anschließend maßen sie, wie viel Metall sich in Wurzeln, Stamm und Blättern angereichert hatte – und verglichen die Werte mit Bäumen aus unbelastetem Boden. Das Ergebnis widerspricht der naheliegenden Vermutung, dass ein giftiger Boden zwangsläufig giftiges Holz hervorbringt. Entscheidend war nicht allein der Standort, sondern die Art – genauer: ihre Strategie, mit Nährstoffen umzugehen.
Zwei Typen, zwei Ergebnisse
Die Untersuchung unterscheidet grob zwischen zwei Wachstumstypen. „Akquisitive" Arten wachsen schnell und haben einen hohen Nährstoffbedarf; sie ziehen entsprechend viel Material aus dem Boden nach oben – und transportierten der Studie zufolge auch mehr Zink und Cadmium in Stämme und Blätter. „Konservative" Arten dagegen gehen sparsamer mit Ressourcen um. Sie hielten die überschüssigen Metalle von den oberirdischen Teilen fern und lagerten sie stattdessen in spezialisierten Wurzelstrukturen ein. Das Bemerkenswerte: Im Stammholz dieser konservativen Arten fanden sich nicht mehr Schwermetalle als bei Bäumen auf sauberem Boden. Anders gesagt: Alle Arten nahmen die Metalle auf, aber nur ein Teil ließ sie bis ins Holz vordringen.
Warum das für die Praxis zählt
Für die Nutzung belasteter Flächen ist diese Unterscheidung praktisch bedeutsam. Wer dort Holz erzeugen will, das später verarbeitet, verbrannt oder verbaut wird, muss wissen, wohin die Schadstoffe im Baum wandern. Bleiben sie in den Wurzeln, ist der oberirdische Teil vergleichsweise unbedenklich; reichern sie sich im Stamm an, verlagert sich das Problem nur vom Boden ins Produkt. Die Wahl der richtigen Art entscheidet damit darüber, ob eine kontaminierte Fläche wirtschaftlich überhaupt sinnvoll bepflanzt werden kann – oder ob man am Ende belastetes Material aus dem Verkehr ziehen muss.
Sanieren, nicht nur nutzen
Der Ansatz berührt ein Feld, das die Umweltforschung seit Langem beschäftigt: die Phytosanierung, also den Einsatz von Pflanzen zur Behandlung verschmutzter Böden. Bäume gelten dafür wegen ihrer langen Lebensdauer und ihres weitreichenden Wurzelwerks als besonders geeignet. Dabei geht es in der Regel weniger darum, die Metalle vollständig zu entfernen – das gelingt nur langsam und selten restlos –, als sie zu stabilisieren: Die Wurzeln binden die Schadstoffe im Boden und verhindern, dass sie durch Wind und Wasser weitergetragen werden oder ins Grundwasser gelangen. Eine konservative Baumart, die Metalle in den Wurzeln festhält, erfüllt genau diese Aufgabe – und liefert nebenbei nutzbares Holz.
Einordnung
Ein Allheilmittel ist die Methode nicht. Kontaminierte Böden bleiben ein Umweltproblem, und ob eine Fläche sich für die Holzerzeugung eignet, hängt von Art und Konzentration der Belastung, vom Klima und von der Nutzung des Holzes ab. Die Studie verschiebt aber die Perspektive: weg von der Frage, ob auf belasteten Böden überhaupt etwas wachsen darf, hin zu der, welche Art dort was leistet. Dass ausgerechnet die langsamen, „konservativen" Bäume das saubere Holz liefern, ist dabei eine jener stillen Pointen, die die Natur bereithält, wenn man genau genug hinschaut.