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Grüne Mode zwischen Anspruch und Kassenlage: Warum sich die Fair-Fashion-Branche trotz Krise behauptet

Eine Fachmesse für nachhaltige Textilien schließt mit verhaltenem Optimismus, während der Handelsverband vor schwierigen Zeiten warnt. Der Kontrast zeigt, wo die grüne Mode heute wirklich steht – zwischen wachsendem Anspruch der Kundschaft und hartem Preiswettbewerb.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Zuversicht mit gedämpftem Ton

Als Ende Juli in der Nähe von Frankfurt eine der wichtigsten deutschsprachigen Fachmessen für nachhaltige Textilien ihre Tore schloss, fiel die Bilanz der Aussteller nach eigenen Angaben verhalten optimistisch aus. Die Green-Fashion-Community gebe sich pragmatisch, hieß es – trotz einer Krisenwarnung des Handelsverbands, die über der gesamten Modebranche liegt. Dieser Doppelklang ist bezeichnend: Nachhaltige Mode ist längst kein Nischenthema mehr, kämpft aber mit denselben wirtschaftlichen Zwängen wie der Rest des Handels.

Der deutsche Modemarkt inklusive Sportbekleidung erreichte Branchenschätzungen zufolge 2025 ein Volumen von rund 58,5 Milliarden Euro. Gewachsen ist er, aber ohne die kräftigen Sprünge früherer Jahre. In einem solchen Umfeld ist es keine Selbstverständlichkeit, dass ein Segment, dessen Produkte tendenziell teurer sind, seinen Platz behauptet.

Vom Nischenlabel zum Anspruch der Mehrheit

Getragen wird die Entwicklung von einem veränderten Konsumverhalten. Studien zufolge achtet inzwischen ein deutlich größerer Teil der Käuferinnen und Käufer beim Kleidungskauf auf Nachhaltigkeit – je nach Erhebung werden Werte von rund drei Vierteln genannt. Solche Zahlen sind mit Vorsicht zu lesen, weil erklärte Absicht und tatsächliches Kaufverhalten auseinanderfallen können. Der Trend selbst ist aber unstrittig: Was einst ein Merkmal weniger Öko-Labels war, ist zum Erwartungswert vieler Kundinnen und Kunden geworden.

Für die Anbieter ist das Chance und Falle zugleich. Denn je mehr Marken mit grünen Versprechen werben, desto schwerer lässt sich echte Nachhaltigkeit von Marketing unterscheiden. Der Vorwurf des Greenwashings – also des Werbens mit Umweltvorzügen, die einer Prüfung nicht standhalten – begleitet die Branche seit Jahren.

Regeln, die Ernst machen sollen

Hier setzt die europäische Regulierung an. Die EU hat strengere Vorgaben gegen irreführende Umweltaussagen auf den Weg gebracht, die vage Etiketten wie „klimaneutral" ohne belastbaren Nachweis erschweren sollen. Parallel rückt der digitale Produktpass näher, der Informationen zu Herkunft, Materialien und Reparierbarkeit eines Kleidungsstücks nachvollziehbar machen soll. Beides zielt darauf, Nachhaltigkeit von einer Werbebehauptung zu einer überprüfbaren Eigenschaft zu machen – mit Aufwand, der gerade kleinere Hersteller fordert.

Zugleich verschiebt sich der Fokus von der reinen Materialfrage zur Kreislaufwirtschaft. Reparieren, Wiederverwenden, Recyceln: Konzepte, die lange als idealistisch galten, werden zu Geschäftsmodellen. Second-H-Plattformen, Reparaturdienste und Miet- oder Rücknahmesysteme sind Teil desselben Umbaus, der auch die etablierten Häuser erfasst.

Was die Branche vor sich hat

Die eigentliche Bewährungsprobe liegt weniger im Anspruch als im Alltag. Solange nachhaltig produzierte Kleidung im Regal spürbar mehr kostet, bleibt die Kaufentscheidung für viele Haushalte eine Frage des Budgets – zumal in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Die Branche antwortet mit dem Versuch, Langlebigkeit und Reparierbarkeit als eigentlichen Wert zu verkaufen: Ein Kleidungsstück, das länger hält, sei am Ende günstiger als billige Ware, die schnell ersetzt werden muss. Ob dieses Argument im Massenmarkt trägt, ist offen. Die verhaltene Zuversicht der Messe deutet immerhin darauf hin, dass die grüne Mode sich auf ein längeres, mühsameres Erwachsenwerden eingestellt hat – und nicht mehr auf den schnellen Boom setzt.


Redaktionelle Einordnung eines Branchentrends. Marktzahlen und Umfragewerte beruhen auf Angaben von Branchenverbänden und Studien und können je nach Quelle abweichen.