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Wissen senkt die Zustimmung: Der paradoxe Befund im Meinungsmonitor zur Entwicklungspolitik

Eine neue Auswertung des Deutschen Evaluierungsinstituts der Entwicklungszusammenarbeit zeigt: Wer über tatsächliche Fortschritte informiert wird, steht Entwicklungsausgaben positiver gegenüber – wer über deren Höhe informiert wird, ablehnender. Beides gleichzeitig zu kommunizieren, ist damit kein Kommunikationsproblem, sondern ein Zielkonflikt.

Von Redaktion · · 4 Min. Lesezeit

Entwicklungspolitik steht in vielen Geberländern unter Druck. Budgets werden gekürzt, Strategien stärker an nationalen Interessen ausgerichtet, und in den USA hat die Administration unter Donald Trump die internationale Zusammenarbeit binnen kurzer Zeit erheblich umgebaut. Auch in Deutschland ist der Etat des Politikfelds ein wiederkehrender Kandidat für Einsparungen.

Vor diesem Hintergrund hat das Deutsche Evaluierungsinstitut der Entwicklungszusammenarbeit (DEval) seinen „Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2026“ vorgelegt – eine wiederkehrende Bevölkerungsbefragung, die Einstellungen, Wissensstand und Interesse über die Jahre hinweg vergleichbar erfassen soll. Der interessanteste Befund steht nicht in den Zustimmungswerten, sondern in einem Nebensatz zur Wirkung von Information.

Zwei Informationen, zwei Richtungen

Laut der Auswertung unterschätzt eine Mehrheit der Befragten die tatsächlichen Entwicklungsfortschritte etwa bei Armut, Bildungszugang oder dem Ausbau erneuerbarer Energien. Zugleich überschätzt eine große Mehrheit die Höhe der deutschen Ausgaben in diesem Feld deutlich. Beides sind Fehleinschätzungen – und beide lassen sich durch Information korrigieren.

Nur wirken die Korrekturen gegenläufig. Informationen über reale Fortschritte erhöhen dem Bericht zufolge die Zustimmung zu Entwicklungsausgaben. Informationen über die absolute Höhe dieser Ausgaben senken sie. Das ist bemerkenswert, weil die zweite Korrektur die Ausgaben ja nach unten korrigiert: Die Befragten erfahren, dass weniger ausgegeben wird, als sie dachten – und werden dennoch skeptischer.

Für die politische Kommunikation heißt das: Die verbreitete Annahme, mehr Transparenz führe automatisch zu mehr Rückhalt, trägt hier nicht. Wer über Zahlen spricht, aktiviert offenbar eine andere Bewertungslogik als jemand, der über Ergebnisse spricht – unabhängig davon, in welche Richtung die Zahl korrigiert wird.

Ein Tief, das sich stabilisiert hat

Die Grundstimmung selbst hat sich der Studie zufolge leicht erholt. Nach einem Tiefpunkt im Januar 2024, als 47 Prozent der Befragten gleichbleibende oder höhere Ausgaben befürworteten, tut dies inzwischen wieder eine knappe Mehrheit von rund 52 Prozent. Das Niveau der Jahre 2019 bis 2022 – zeitweise bis zu 68 Prozent – ist damit aber nicht wieder erreicht. Im Vergleich mit anderen Politikfeldern rangiert Entwicklungspolitik weiterhin niedrig in der Prioritätenliste.

Die Vorbehalte sind dabei recht klar konturiert: 65 Prozent nennen mögliche Verschwendung von Geldern, 53 Prozent Korruption in den Partnerländern, 47 Prozent mangelnde Wirksamkeit. Neu hinzugekommen ist ein Argument, das weniger mit dem Politikfeld als mit der Lage im Inland zu tun hat: Die Ansicht, Deutschland könne sich Entwicklungszusammenarbeit schlicht nicht leisten, ist seit 2022 um neun Prozentpunkte auf 29 Prozent gestiegen. Dieser Zuwachs zieht sich laut Bericht durch das gesamte politische Spektrum, fällt aber umso stärker aus, je weiter rechts sich Befragte selbst verorten.

Warum Motive nicht beliebig austauschbar sind

Ein zweiter Befund berührt eine Debatte, die in der Branche seit Jahren geführt wird: Soll Entwicklungszusammenarbeit stärker mit deutschen Eigeninteressen begründet werden – Migration, Absatzmärkte, Rohstoffsicherheit – weil sich damit mehr Menschen erreichen ließen?

Die Daten legen das nicht nahe. Am überzeugendsten bewerten die Befragten die Bedarfe der Menschen in den Partnerländern sowie den Gedanken, mit vergleichsweise geringen Mitteln viel bewirken zu können. Eine stärkere Betonung altruistischer Motive erhöht laut Studie die Zustimmung; eine stärkere Betonung außenwirtschaftlicher Interessen tut dies nicht. Wie überzeugend ein Motiv wirkt, hängt dabei erkennbar von der politischen Grundhaltung, vom Vertrauen in die Bundesregierung und von der Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage ab.

Ergänzend zeigt sich eine bekannte Lücke: 54 Prozent geben an, sich für Entwicklungspolitik zu interessieren, 41 Prozent fühlen sich zugleich schlecht informiert. Und nur 20 Prozent halten die deutsche Entwicklungszusammenarbeit für sehr effektiv oder effektiv – eine relative Mehrheit von 39 Prozent geht von moderater Wirksamkeit aus.

Was daraus folgt, ist offen. Der Monitor misst Einstellungen, nicht die Wirksamkeit der Programme selbst; ob die skeptische Einschätzung der Bevölkerung zutrifft, ist eine andere, evaluierungsmethodisch getrennte Frage. Deutlich wird aber, dass Zustimmung in diesem Politikfeld nicht durch mehr Zahlen entsteht – sondern davon abhängt, welche Zahlen erzählt werden.


Redaktionelle Einordnung. Die genannten Werte stammen aus der Veröffentlichung des DEval zum „Meinungsmonitor Entwicklungspolitik 2026“.