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Wirtschaft vor Migration: Welche Sorgen Sachsen-Anhalts Wähler vor der Landtagswahl 2026 umtreiben

Ein Policy Paper der Hochschule Magdeburg-Stendal zeigt: Vor der Landtagswahl 2026 dominieren Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung die Sorgen der Menschen in Sachsen-Anhalt – nicht Migration. Und mehr als ein Drittel fühlt sich keiner Partei verbunden.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wenn über die politische Stimmung in Ostdeutschland gesprochen wird, fällt meist schnell das Stichwort Migration. Eine neue Auswertung aus Magdeburg zeichnet für Sachsen-Anhalt jedoch ein anderes Bild: Nicht Zuwanderung, sondern Wirtschaft, Arbeit und Löhne stehen ganz oben auf der Sorgenliste der Bevölkerung. Das geht aus einem Policy Paper des Instituts für demokratische Kultur an der Hochschule Magdeburg-Stendal hervor, das auf den Daten des Sachsen-Anhalt-Monitors 2025 mit 1.101 Befragten basiert und über den Informationsdienst Wissenschaft (idw) verbreitet wurde.

Offene Fragen statt vorgegebener Antworten

Methodisch geht die Auswertung einen ungewöhnlichen Weg. Statt den Befragten fertige Antwortkategorien vorzulegen, durften diese ihre bis zu drei wichtigsten Probleme frei formulieren. Die offenen Antworten wurden anschließend KI-gestützt kategorisiert und laut den Forschenden mehrfach manuell geprüft. Das Verfahren soll verhindern, dass die Fragestellung selbst bestimmte Themen in den Vordergrund rückt – ein bekannter Kritikpunkt an klassischen Sorgen-Rankings.

Die Rangfolge der Probleme

Das Ergebnis: Mit 38,5 Prozent nennen die Befragten am häufigsten Wirtschaft, Arbeit und Löhne als drängendstes Problem. Dahinter folgt ein Themenbündel aus Infrastruktur, Personalmangel, Kommunen und Nahversorgung mit 30,0 Prozent. Migration landet mit 22,7 Prozent auf dem dritten Platz, dicht gefolgt von Bildung, Schule und Kita mit 21,7 Prozent. Die Alltagsthemen schlagen also die Debatten, die bundesweit oft die Schlagzeilen dominieren.

Ein Drittel ohne Parteibindung

Politisch brisant ist ein zweiter Befund: Mehr als ein Drittel der Befragten fühlt sich keiner Partei verbunden – ohne deshalb politisch orientierungslos zu sein. Die meisten Befragten können sich durchaus auf der Links-Rechts-Skala verorten, verbinden ihre zentralen Anliegen aber mit keiner konkreten Partei. Besonders ausgeprägt ist das in der politischen Mitte, die mit 44,5 Prozent die größte Gruppe stellt: Hier geben 45,9 Prozent an, keiner Partei nahezustehen. Im eher linken Spektrum ist rund ein Drittel ungebunden.

Anders sieht es am rechten Rand aus. Im eher rechten Spektrum, dem sich gut ein Viertel der Befragten zuordnet, hat die AfD der Studie zufolge bereits eine starke Bindungswirkung entfaltet: 54,4 Prozent dieser Gruppe fühlen sich ihr verbunden, der CDU nur 13,7 Prozent. Die Autorinnen und Autoren sprechen von einem asymmetrischen Parteienwettbewerb – beim Thema Migration ist die Bindung an eine einzelne Partei stark, bei Wirtschaft, Infrastruktur und Bildung dagegen kaum vorhanden.

Was das für den Wahlkampf bedeutet

Aus Sicht des Instituts liegt darin eine Chance für alle Parteien: Wer bei den mehrheitsrelevanten Themen Wirtschaft, Arbeit, Infrastruktur und Bildung glaubwürdige Lösungskompetenz zeigt, kann demnach vor allem in der Mitte, aber auch im moderat linken Spektrum neue Bindungen aufbauen. Die Handlungsempfehlungen des Papers lesen sich entsprechend nüchtern: die Alltagsthemen konsequent in den Mittelpunkt stellen, das ungebundene Wählerpotenzial gezielt ansprechen und Vertrauen über nachvollziehbare Problemlösungen statt über Zuspitzung aufbauen.

Ob die Parteien diesen Befund im Wahlkampf aufgreifen, bleibt abzuwarten. Interessant ist die Studie auch deshalb, weil sie einer verbreiteten Erzählung widerspricht, wonach ostdeutsche Landtagswahlen vor allem über das Thema Migration entschieden würden. Die Daten aus Sachsen-Anhalt legen nahe: Die Wählerinnen und Wähler sind pragmatischer, als es die öffentliche Debatte oft vermuten lässt – und ein erheblicher Teil von ihnen ist noch zu gewinnen.


Redaktionelle Einordnung auf Basis einer über openPR verbreiteten Mitteilung des Informationsdienstes Wissenschaft (idw) zur Studie der Hochschule Magdeburg-Stendal. Die genannten Zahlen stammen aus dem Policy Paper des Instituts für demokratische Kultur.

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