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Iridium, Lithium, Scandium: Warum die Energiewende die Rohstofffrage neu stellt

Eine neue Studie im Auftrag der Deutschen Rohstoffagentur beziffert, wie stark Zukunftstechnologien den Bedarf an Metallen treiben. Bei einem Dutzend Rohstoffe könnte die Nachfrage bis 2045 die heutige Weltproduktion erreichen – oder übersteigen.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Wenn die Zukunftstechnik am Rohstoff hängt

Windräder, Batteriespeicher, Wasserstoff-Elektrolyseure, Rechenzentren: Die Technologien, mit denen Deutschland und Europa klimaneutral und digital werden wollen, haben eine gemeinsame Voraussetzung, über die selten gesprochen wird. Sie brauchen mineralische Rohstoffe – und zwar in wachsenden Mengen. Eine neue Studie unter dem Titel „Rohstoffe für Zukunftstechnologien" liefert dazu nun aktuelle Zahlen. Erstellt haben sie das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM im Auftrag der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) in der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Es ist bereits die vierte Ausgabe dieser Untersuchungsreihe – ein Hinweis darauf, wie dauerhaft das Thema die Industriepolitik beschäftigt.

34 Technologien, zwölf kritische Metalle

Für die Analyse haben die Forschenden nach eigenen Angaben 34 Zukunftstechnologien im Detail betrachtet – von Lithium-Hochleistungsspeichern über Windkraftanlagen bis zu Rechenzentren. In verschiedenen sozioökonomischen Szenarien haben sie durchgerechnet, wie sich der Rohstoffbedarf bis 2045 entwickeln könnte. Das zentrale Ergebnis: Bei rund einem Dutzend Metalle könnte der Bedarf allein für diese Technologien im Jahr 2045 in der Größenordnung der heutigen weltweiten Jahresproduktion liegen – oder sie sogar übersteigen. Für die Rohstoffmärkte wäre das ein tiefer Einschnitt, denn Bergbau und Raffination lassen sich nicht beliebig schnell hochfahren.

Der Sonderfall Iridium

Am deutlichsten fällt der Befund laut Studie bei Iridium aus, einem der seltensten Metalle der Erde. Treiber ist die Wasserelektrolyse: In bestimmten Elektrolyseur-Typen dient Iridium als Katalysator, um mit Strom Wasserstoff herzustellen. Skaliert man diese Technik im Maßstab einer Energiewende, trifft eine potenziell riesige Nachfrage auf ein extrem knappes Angebot. Ähnlich sensibel sind Rohstoffe wie Lithium und Graphit für Batterien, Scandium für Leichtbau und Brennstoffzellen sowie Seltene Erden für die Permanentmagnete in Windturbinen und Elektromotoren. Gemeinsam ist ihnen, dass die Förderung geografisch stark konzentriert ist – ein wirtschaftliches wie geopolitisches Risiko.

Warum das mehr ist als ein Fachthema

Die Debatte um kritische Rohstoffe wird oft auf Lieferketten und Abhängigkeiten von einzelnen Förderländern verengt. Die Studie legt nahe, dass die Mengenfrage ebenso zentral ist: Selbst bei bestem Willen zur Diversifizierung stößt ein Ausbau an physische Grenzen, wenn die weltweite Produktion eines Metalls nicht mit der Nachfrage Schritt hält. Für Industrieländer bedeutet das, Rohstoffstrategie und Technologiepolitik zusammenzudenken. Recycling, Materialsubstitution, effizientere Bauweisen und eigene Verarbeitungskapazitäten rücken damit von der Nische ins Zentrum der Standortdebatte – auch für den industriellen Mittelstand, der viele dieser Technologien fertigt.

Handlungsdruck ohne Panik

Prognosen bis 2045 sind mit Unsicherheit behaftet: Sie hängen davon ab, welche Technologien sich durchsetzen, wie schnell Recyclingkreisläufe geschlossen werden und ob neue Lagerstätten erschlossen werden. Die Autoren zeichnen deshalb keine Mangelkatastrophe, sondern beschreiben einen Handlungsspielraum, der sich mit jedem Jahr des Zögerns verengt. Wer heute in Kreislaufwirtschaft, Materialforschung und robuste Beschaffung investiert, verschafft sich Spielraum, bevor knappe Metalle zum Engpass der Transformation werden. Die eigentliche Botschaft der Studie ist damit weniger ein Alarm als eine Einladung, die Rohstofffrage früh und nüchtern zu behandeln.


Dieser Beitrag fasst öffentlich zugängliche Ergebnisse einer Studie redaktionell zusammen und ordnet sie ein. Angegebene Nachfrageentwicklungen sind modellbasierte Szenarien, keine gesicherten Vorhersagen.

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