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Wenn der Nachwuchs nach Blüten duftet: Wie Ölkäferlarven Wildbienen austricksen

Forschende aus Jena haben gezeigt, dass die Larven des Schwarzblauen Ölkäfers den Duft von Blüten nachahmen, um sich von Wildbienen ins Nest tragen zu lassen. Der Fund wirft ein Schlaglicht auf eine raffinierte Überlebensstrategie – und auf die chemische Sprache zwischen Insekten und Pflanzen.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Es ist eine Täuschung, die ganz ohne Bild und Ton auskommt: Ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für chemische Ökologie und der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat nach eigenen Angaben erstmals nachgewiesen, dass Insekten den Duft von Blüten imitieren können, um Bestäuber zu manipulieren. Die Hauptrolle spielt dabei ein heimischer Käfer, dessen Nachwuchs auf einen fremden Haushalt angewiesen ist – den der Wildbiene.

Ein Parasit mit riskantem Lebensweg

Der Schwarzblaue Ölkäfer (Meloe proscarabaeus) gehört zu den auffälligeren Insekten des Frühjahrs: plump, glänzend, mit verkürzten Flügeldecken. Sein Fortpflanzungserfolg hängt allerdings an einer heiklen Kette von Zufällen. Aus den Eiern schlüpfen winzige, bewegliche Larven, die auf Pflanzen klettern und dort warten. Ihr Ziel ist es, sich an eine vorbeikommende Wildbiene zu heften und von ihr unbemerkt in deren Nest tragen zu lassen. Dort ernähren sie sich anschließend von Pollen, Nektar und Bieneneiern. Verfehlt die Larve die richtige Biene, ist ihr Weg zu Ende. Der Aufwand, überhaupt an den passenden Wirt zu gelangen, ist entsprechend groß – und genau hier setzt der nun beschriebene Trick an.

Der Trick mit dem Duft

Die Forschenden analysierten den Geruch der Larven und stießen laut ihrer Auswertung auf eine komplexe Mischung sogenannter Monoterpenoide. Das sind flüchtige Verbindungen, wie sie viele Blüten aussenden – unter anderem Pflaumen- und Kirschblüten. Für eine Wildbiene, die auf der Suche nach Nahrung dem Blütenduft folgt, riecht ein solcher Larvenklumpen also nicht nach Beute oder Gefahr, sondern nach einer lohnenden Blüte. Bemerkenswert ist dabei ein Detail: Nach Darstellung des Teams stellen die Larven diese Duftstoffe selbst her, statt sie einfach aus ihrer Umgebung aufzunehmen. Beteiligt seien zwei Enzyme aus der Gruppe der Cytochrom-P450-Enzyme, die an der Bildung der blütenähnlichen Verbindungen mitwirken.

Was das Experiment zeigt

Um auszuschließen, dass die Bienen schlicht auf das Aussehen der Larven reagieren, setzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein Olfaktometer ein – ein Gerät, mit dem sich Geruchsvorlieben unter kontrollierten Bedingungen prüfen lassen. Das Ergebnis: Die Bienen bevorzugten den Larvenduft gegenüber Kontrollproben, selbst wenn die Larven gar nicht zu sehen waren. Damit spricht vieles dafür, dass die Anziehung vor allem chemisch funktioniert und nicht über optische Reize. Die Täuschung wirkt also gerade deshalb so zuverlässig, weil sie an einem Sinn ansetzt, auf den sich die Bienen bei der Nahrungssuche ohnehin verlassen.

Mehr als eine biologische Kuriosität

Auf den ersten Blick ist das eine skurrile Randnotiz aus der Welt der Insekten. Tatsächlich berührt der Befund aber eine grundlegende Frage: Wie eng ist das Zusammenspiel von Duft, Pflanze und Bestäuber – und wie leicht lässt es sich unterlaufen? Blütendüfte gelten als eine Art chemische Werbung, mit der Pflanzen um Bestäuber werben. Dass ein Parasit diese Werbung offenbar so genau nachbauen kann, dass sogar erfahrene Sammlerinnen darauf hereinfallen, zeigt, wie verletzlich solche Signalsysteme sind. Für die Grundlagenforschung ist das interessant, weil sich an solchen Beispielen studieren lässt, wie chemische Kommunikation in der Natur entsteht und getäuscht wird. Wildbienen selbst dürfte der Käfer indes nicht ernsthaft gefährden – die Larven sind auf einen schmalen Zeitraum und viel Glück angewiesen. Beeindruckend bleibt vor allem, mit welcher Präzision die Evolution hier einen Duft nachgebaut hat, den kein menschliches Auge und keine Kamera je erfassen würde.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung auf Grundlage öffentlich zugänglicher Forschungsinformationen und keine wissenschaftliche Fachpublikation.