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Vier Männer, ein Panel: Warum die Besetzung von Bühnen zum Branchenthema wird

Agenturen werben inzwischen offensiv mit Rednerinnen, Fachgesellschaften geben sich Besetzungsregeln, und Vermittlungslisten sammeln Expertinnen nach Themen. Hinter der Debatte um das rein männlich besetzte Podium steckt weniger ein Mangel an Fachfrauen als ein Rechercheproblem der Veranstalter.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Für das Phänomen gibt es längst einen eigenen Begriff: „Manel“, zusammengezogen aus „man“ und „panel“ – eine Diskussionsrunde, auf der ausschließlich Männer sitzen. Was vor zehn Jahren noch als Normalfall durchging, gilt in der Veranstaltungsbranche zunehmend als Begründungsfall. Referentenagenturen bewerben eigene Portfolios mit Rednerinnen, Fachverbände formulieren Besetzungsziele, und ehrenamtliche Datenbanken sammeln Expertinnen nach Fachgebiet. Der Markt reagiert damit auf eine Kritik, die sich seit Jahren an derselben Beobachtung entzündet: Auf vielen Bühnen bildet die Besetzung nicht ab, wer im jeweiligen Feld tatsächlich arbeitet.

Ein Missverhältnis mit Beispielen, aber ohne Gesamtstatistik

Eine bundesweite, fortlaufende Erhebung darüber, wie sich Vortragende auf deutschen Fachkongressen verteilen, existiert nicht. Was es gibt, sind Stichproben aus einzelnen Branchen – und die fallen deutlich aus. Aus der Medizin etwa wurden wiederholt Kongressprogramme ausgezählt, bei denen unter den Hauptvortragenden nur eine Handvoll Frauen stand, während zweistellige Zahlen von Männern die Keynotes hielten. Solche Momentaufnahmen taugen nicht als Beleg für die gesamte Veranstaltungslandschaft, aber sie erklären, warum das Thema aus Fachgesellschaften heraus Fahrt aufnahm und nicht aus der Marketingabteilung.

Auffällig ist dabei, dass die Schieflage auf der Bühne oft größer ausfällt als in der Belegschaft der jeweiligen Disziplin. In Fächern, in denen Frauen die Mehrheit der Absolventinnen und Absolventen stellen, bleibt das Rednerpult vergleichsweise männlich. Genau diese Lücke zwischen Personalstruktur und Programmheft ist das Argument, mit dem Initiativen für eine andere Besetzung werben.

Das Problem sitzt im Rechercheweg

Wer Programmverantwortliche fragt, hört selten eine inhaltliche Ablehnung, sondern meist einen Verweis auf den Zeitdruck. Vortragende werden häufig über persönliche Netzwerke, Empfehlungen früherer Referenten oder die Teilnehmerliste des Vorjahres gefunden. Dieser Weg reproduziert zuverlässig, wer schon einmal auf der Bühne stand. Kommt eine Absage kurzfristig, greift der Reflex zum bekannten Namen – und der ist statistisch eher männlich.

An dieser Stelle setzen die Vermittlungsangebote an. Ehrenamtlich betriebene Listen wie die seit Jahren bestehende Speakerinnen-Datenbank erlauben es, nach Fachgebiet, Sprache und Region zu suchen; kommerzielle Referentenagenturen haben nachgezogen und heben Rednerinnen in eigenen Rubriken hervor. Der Effekt ist zunächst schlicht organisatorisch: Er verkürzt die Suche. Kritisch angemerkt wird allerdings, dass solche Sonderkategorien auch eine Sonderrolle festschreiben können – eine Expertin für Lieferkettenrecht möchte in der Regel unter „Lieferkettenrecht“ gefunden werden und nicht unter „weiblich“.

Quote, Selbstverpflichtung oder gar nichts

Zwischen Veranstaltern verlaufen die Linien unterschiedlich. Einige Konferenzen haben feste Zielmarken für die Besetzung eingeführt, andere arbeiten mit weicheren Selbstverpflichtungen, etwa der Regel, kein Panel ohne mindestens eine Frau zu besetzen. In manchen Fachcommunities kursieren zudem persönliche Zusagen einzelner Referenten, Einladungen zu rein männlich besetzten Runden abzulehnen – ein Druckmittel, das ohne Regelwerk auskommt.

Die Gegenargumente sind ebenfalls bekannt: Eine feste Quote könne dazu führen, dass Fachlichkeit hinter Repräsentation zurücktrete, und dass wenige gefragte Expertinnen mit Anfragen überhäuft werden, während die Breite unverändert bleibt. Befürworterinnen halten dagegen, dass die bisherige Praxis ebenfalls kein reines Leistungsverfahren war, sondern schlicht auf Bekanntheit beruhte – und dass Sichtbarkeit wiederum darüber entscheidet, wer beim nächsten Mal als bekannt gilt.

Für Veranstalter ist die Sache damit weniger eine weltanschauliche als eine handwerkliche Frage: Sie entscheidet sich Monate vor dem Event, in dem Moment, in dem die erste Einladungsliste entsteht. Wer die Recherche breiter anlegt und früher beginnt, braucht am Ende weder Quote noch Rechtfertigung.


Redaktionelle Einordnung eines Branchentrends. Die genannten Beobachtungen beziehen sich auf einzelne Erhebungen und Brancheninitiativen; eine bundesweit repräsentative Statistik zur Besetzung von Fachveranstaltungen liegt nicht vor.