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Forschung über Kontinente: Warum Wissenschaftspartnerschaften mit dem Globalen Süden unter Druck geraten

Internationale Forschungskooperationen gelten als Schlüssel für globale Probleme – vom Klima bis zur Gesundheit. Doch ausgerechnet ein Vorzeigeprogramm für Forschende aus dem Globalen Süden nimmt keine neuen Bewerbungen mehr an.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

„Wissenschaftliche Partnerschaften über Kontinente hinweg sind entscheidend, um globale Herausforderungen zu bewältigen." Sätze wie dieser, hier von einer aus Ghana stammenden Ingenieurwissenschaftlerin während eines Forschungsaufenthalts in Deutschland formuliert, klingen nach Selbstverständlichkeit. Der Alltag der grenzüberschreitenden Forschung ist es nicht. Denn während ihr Wert kaum bestritten wird, geraten die Strukturen, die sie tragen, zunehmend unter Druck.

Warum die Zusammenarbeit mehr ist als Entwicklungshilfe

Klimawandel, Pandemien, Ernährungssicherheit, die Erschließung sauberer Energie: Kaum ein drängendes Problem der Gegenwart endet an einer Landesgrenze. Vieles davon trifft Regionen des Globalen Südens besonders hart – und lässt sich nur mit Wissen lösen, das vor Ort entsteht. Wer Dürreresistenz von Nutzpflanzen erforscht, tropische Krankheiten versteht oder Wasserinfrastruktur plant, ist auf Daten, Feldkenntnis und Fachleute aus den betroffenen Ländern angewiesen.

Damit hat sich das Verständnis internationaler Forschungskooperation verschoben. Lange galt sie vor allem als Einbahnstraße: Nachwuchskräfte aus ärmeren Ländern kamen zum Lernen in den Norden. Heute betonen Förderorganisationen die Gegenseitigkeit – Fachleute aus dem Süden bringen eigene Fragestellungen, Methoden und Netzwerke ein. Aus „Braindrain", dem dauerhaften Abwandern von Talenten, soll im Idealfall „Braincirculation" werden: ein Kreislauf, bei dem Erfahrung und Kontakte in die Herkunftsländer zurückfließen.

Ein Vorzeigeprogramm läuft aus

Gerade vor diesem Hintergrund sorgt eine Nachricht für Aufmerksamkeit: Die Alexander von Humboldt-Stiftung nimmt für ihr Georg-Forster-Forschungsstipendium nach eigenen Angaben mit sofortiger Wirkung keine neuen Bewerbungen mehr an. Bereits bis einschließlich 2026 vergebene Stipendien sind davon nicht betroffen, doch der Zugang für künftige Kandidatinnen und Kandidaten ist vorerst geschlossen.

Das Programm richtete sich gezielt an promovierte Forschende aus Entwicklungs- und Schwellenländern, deren Projekte einen Beitrag zu nachhaltiger Entwicklung im Sinne der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele leisten. Es ermöglichte mehrmonatige Aufenthalte an deutschen Einrichtungen und war seit Jahren eines der sichtbarsten Instrumente deutscher Wissenschaftsdiplomatie mit dem Globalen Süden. Sein Rückzug fügt sich in ein Bild, das auch andere Bereiche kennen: Programme, die als Aushängeschild galten, geraten in Zeiten knapper Kassen unter Rechtfertigungsdruck.

Was auf dem Spiel steht

Fördermittel sind dabei nur die eine Seite. Grenzüberschreitende Forschung lebt von Vertrauen, das über Jahre wächst, von persönlichen Beziehungen und von der Verlässlichkeit institutioneller Partner. Solche Netzwerke lassen sich schnell beschädigen, aber nur langsam wieder aufbauen. Fällt ein etabliertes Programm weg, reißt nicht nur eine Finanzierungsquelle ab; es verschwindet auch ein eingespielter Weg, auf dem Menschen, Ideen und Institutionen zueinanderfinden.

Zugleich verändert sich das Umfeld: Andere Länder werben offensiv um internationale Talente, während geopolitische Spannungen die Zusammenarbeit erschweren. Für den Forschungsstandort Deutschland stellt sich damit eine grundsätzliche Frage – ob er die Offenheit, die er als Standortvorteil beschreibt, auch dann hält, wenn sie Geld kostet.

Die eingangs zitierte Überzeugung, dass globale Probleme nur gemeinsam zu lösen sind, bleibt unbestritten. Ob ihr die Strukturen folgen, ist die eigentliche Bewährungsprobe.


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