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Die dritte Art, magnetisch zu sein: Warum ein Physikpreis 2026 den Altermagnetismus feiert

Der Europhysics-Preis 2026 würdigt die Entdeckung des Altermagnetismus – einer Magnetform, die weder zu den Ferro- noch zu den Antiferromagneten passt. Was hinter dem sperrigen Begriff steckt und warum die Fachwelt darin mehr sieht als eine akademische Fußnote.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Ein Preis für eine neue Grundkategorie

Auszeichnungen in der Festkörperphysik erreichen selten ein breites Publikum. Der Europhysics-Preis 2026 der Condensed Matter Division der European Physical Society könnte eine Ausnahme sein – nicht wegen des Preisgeldes, sondern wegen der Behauptung, die dahintersteht: dass es neben den seit Langem bekannten Grundformen des Magnetismus noch eine weitere gibt. Ausgezeichnet werden die Physiker Jairo Sinova, Libor Šmejkal und Tomáš Jungwirth für die Beschreibung des sogenannten Altermagnetismus, den sie in mehreren Arbeiten ab 2022 theoretisch begründet haben.

Was Altermagnetismus überhaupt ist

Um die Einordnung zu verstehen, hilft ein Blick auf das Schulbuchwissen. Klassisch kennt die Physik zwei Ordnungen, in denen sich die winzigen magnetischen Momente der Atome – die „Spins" – ausrichten. Beim Ferromagnetismus zeigen sie in dieselbe Richtung; das ist der Magnetismus des Kühlschrankmagneten. Beim Antiferromagnetismus wechseln sie sich ab, sodass sich die Wirkung nach außen aufhebt. Der Altermagnetismus, so die These der Ausgezeichneten, verbindet Eigenschaften beider Welten: Die Spins gleichen sich wie bei einem Antiferromagneten aus, sodass das Material nach außen kaum magnetisch wirkt. Zugleich sorgt die besondere Anordnung der Atome im Kristall dafür, dass sich die elektronischen Zustände je nach Spinrichtung unterscheiden – ein Merkmal, das man bislang vor allem von Ferromagneten kannte.

Warum das mehr als Grundlagenforschung ist

Der Reiz liegt in dieser Kombination. Ferromagnete sind technisch nützlich, weil sich ihre Spinrichtung auslesen und für die Datenspeicherung nutzen lässt – zugleich stören ihre Streufelder und begrenzen, wie dicht Bauteile gepackt werden können. Antiferromagnete haben diese Streufelder nicht, geben ihre Ordnung aber nur schwer preis. Ein Material, das die Vorteile beider Klassen vereint, gilt in der Spintronik – der Elektronik, die den Spin statt nur die Ladung der Elektronen nutzt – als vielversprechend. Fachleute verbinden mit Altermagneten die Hoffnung auf Speicher, die schneller schalten und weniger Energie verbrauchen. Ob und wann daraus marktreife Technik wird, ist damit ausdrücklich nicht gesagt.

Vom Modell zum Material

Zwischen einer eleganten Theorie und einem Bauteil im Rechenzentrum liegt ein weiter Weg. Ein Teil der aktuellen Forschung dreht sich um die Frage, welche realen Stoffe die vorhergesagten Eigenschaften tatsächlich zeigen. Kandidaten wie bestimmte Mangan-Verbindungen werden intensiv untersucht, und über einzelne Materialien wird durchaus gestritten – ein normaler Vorgang in einem jungen Feld, in dem Messungen und Deutungen erst zusammenfinden müssen. Die Zahl der Veröffentlichungen zum Thema ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen, was zeigt, wie schnell die Idee Anhänger gefunden hat.

Ein Feld am Anfang

Bemerkenswert am Altermagnetismus ist weniger ein einzelnes Experiment als die Art des Fortschritts: Hier wurde nicht ein neues Teilchen gefunden, sondern ein bekannter Datenschatz neu geordnet. Die Ausgezeichneten haben Symmetrien in Kristallen so beschrieben, dass Materialien, die vorher als gewöhnliche Antiferromagnete galten, plötzlich in eine eigene Kategorie fielen. Solche Umsortierungen sind in der Physik selten, aber folgenreich – sie verändern, wonach Forschende suchen und was sie überhaupt für möglich halten. Der Europhysics-Preis 2026 markiert diesen Punkt, ohne die offenen Fragen zu verdecken: Der Altermagnetismus ist als Konzept etabliert, seine technische Zukunft aber noch offen.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Forschungsthemas und dient der allgemeinen Information.