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Die Achillesferse der Himbeere: Warum die Züchtung gegen ein unsichtbares Wurzelsterben antritt

Kaum eine Krankheit setzt dem Himbeeranbau so zu wie die Wurzelfäule. Ein neues Forschungsprojekt will die Schwachstelle nun dort angehen, wo Spritzmittel versagen: im Erbgut der Pflanze selbst.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Die Himbeere gilt als Sinnbild des Sommers – und ist zugleich eine der heikelsten Kulturen im Beerenanbau. Ausgerechnet unter der Erde, dort wo niemand hinschaut, lauert ihr gefährlichster Gegner: ein Erreger namens Phytophthora rubi, der die Wurzeln von innen zerstört. Ein Schweizer Züchtungsunternehmen hat nun gemeinsam mit dem eidgenössischen Forschungsinstitut Agroscope und dem schottischen James Hutton Institute ein Projekt angekündigt, das diese Schwachstelle züchterisch lösen soll. Der Aufhänger ist ein einzelner Betrieb, das Problem dahinter betrifft die gesamte Branche.

Ein Pilz, der von unten frisst

Die Wurzelfäule, im Fachjargon nach dem Erreger Phytophthora rubi benannt, zählt zu den bedeutendsten Krankheiten im Himbeeranbau. Der Erreger gehört zu den sogenannten Eipilzen und fühlt sich vor allem in nassen, verdichteten Böden wohl. Er dringt in das Wurzelsystem ein, unterbricht die Wasser- und Nährstoffversorgung und lässt die Ruten von der Basis her welken. Oberirdisch sieht es dann aus, als litten die Pflanzen unter Trockenheit – dabei ist das Gegenteil der Fall: Es ist zu viel Wasser im Boden, das dem Pilz in die Hände spielt.

Das Tückische daran ist die Unsichtbarkeit. Wenn die Symptome an den Trieben sichtbar werden, ist der Schaden an den Wurzeln längst geschehen. Einmal im Boden, hält sich der Erreger über Jahre. Befallene Flächen lassen sich kaum wieder für Himbeeren nutzen, und chemische Gegenmittel stoßen an Grenzen – teils wegen begrenzter Wirkung, teils weil der Pflanzenschutz in Europa zunehmend eingeschränkt wird. Feuchtere Winter und häufigere Starkregen, wie sie mit dem Klimawandel einhergehen, dürften den Druck durch Wurzelfäule tendenziell eher erhöhen.

Warum die Züchtung der aussichtsreichste Weg ist

Weil sich der Erreger im Boden kaum bekämpfen lässt, richtet sich der Blick auf die Pflanze selbst. Die Idee: Sorten zu entwickeln, deren Wurzeln dem Angriff von Natur aus besser standhalten. Resistenzzüchtung heißt dieser Ansatz, und er ist im Beerenanbau kein Neuland. Schon heute gelten einzelne Himbeersorten als vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber der Wurzelfäule. Der Weg dorthin ist allerdings langwierig: Wer neue Sorten entwickelt, kreuzt über Jahre hinweg vielversprechende Elternpflanzen, prüft die Nachkommen unter Infektionsdruck und wählt die robustesten aus – ein Prozess, der leicht ein Jahrzehnt in Anspruch nehmen kann.

Genau hier soll die neue Zusammenarbeit ansetzen. Das James Hutton Institute im schottischen Dundee gilt international als eine der ersten Adressen für Beerenzüchtung und hat über Jahrzehnte Erfahrung mit dem Erbgut von Himbeere und Brombeere gesammelt. Agroscope wiederum forscht seit Langem zu Pflanzenkrankheiten und hat die Wurzelfäule der Himbeere bereits vor Jahren dokumentiert. Laut Angaben des beteiligten Züchtungsunternehmens soll das Projekt die genetischen Grundlagen der Widerstandsfähigkeit gezielter nutzbar machen, um schneller zu robusteren Sorten zu kommen. Ob und wie rasch das gelingt, wird sich erst über mehrere Vegetationsperioden zeigen.

Mehr als eine Frage des Geschmacks

Für Verbraucherinnen und Verbraucher klingt Sortenresistenz nach einem technischen Detail. Tatsächlich entscheidet sie mit darüber, ob Himbeeren aus regionalem Anbau überhaupt konkurrenzfähig bleiben. Fällt eine Anbaufläche der Wurzelfäule zum Opfer, bedeutet das für den Betrieb nicht nur den Verlust einer Saison, sondern oft das Aus für den Standort. Robustere Sorten könnten den Anbau planbarer machen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringern und damit auch ökologische Vorteile bringen.

Zugleich mahnt die Erfahrung zur Zurückhaltung: Resistenzen sind selten absolut, und Krankheitserreger können sich anpassen. Eine „unkaputtbare" Himbeere wird es kaum geben. Was realistisch erscheint, ist ein Baustein in einem größeren Gefüge aus Bodenpflege, Standortwahl, Drainage und widerstandsfähigem Pflanzgut. Dass Züchter, staatliche Forschung und internationale Institute dabei zusammenspannen, deutet immerhin an, wie ernst die Branche das leise Wurzelsterben inzwischen nimmt.


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