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Der Pilz im Wurzelballen: Warum die Himbeere ein Züchtungsproblem hat

Die Wurzelfäule gilt als bedeutendste Krankheit der Himbeere – und ist mit Pflanzenschutz kaum zu beherrschen. Ein neues Züchtungsvorhaben setzt deshalb auf genetische Marker statt auf jahrelange Feldversuche. Der Ansatz sagt viel darüber, wie sich Obstzüchtung gerade verändert.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Himbeeren gelten als dankbare Gartenpflanze: ein sonniger Platz, durchlässiger Boden, ein Spalier – mehr braucht es angeblich nicht. In der Praxis erleben viele Hobbygärtner etwas anderes. Ruten treiben schwach aus, welken im Sommer trotz feuchtem Boden, ganze Reihen brechen innerhalb weniger Jahre zusammen. Der Verdacht fällt meist auf Staunässe oder falschen Schnitt. Häufig steckt jedoch ein Erreger dahinter, den man erst sieht, wenn man die Pflanze ausgräbt.

Ein Erreger, der im Boden bleibt

Die Wurzelfäule der Himbeere wird vor allem durch Phytophthora rubi verursacht, einen Eipilz aus derselben Verwandtschaft wie der Erreger der Kraut- und Knollenfäule bei der Kartoffel. Der Organismus befällt das Wurzelsystem und den Wurzelhals, unterbricht die Wasserversorgung und lässt die Pflanze verdursten, während der Boden nass ist. Genau das macht die Diagnose schwierig: Das Schadbild ähnelt Trockenstress, tritt aber typischerweise nach feuchten Perioden auf.

Bekämpfen lässt sich der Erreger kaum. Seine Dauersporen überstehen Jahre im Boden, im Hausgarten stehen praktisch keine wirksamen Mittel zur Verfügung, und Fruchtwechsel scheitert in kleinen Gärten an fehlender Fläche. Der Schweizer Beerenzüchter Lubera, der gemeinsam mit der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope und dem schottischen James Hutton Institute ein Züchtungsprojekt zu dem Thema angekündigt hat, schätzt nach eigenen Angaben, dass bis zu 60 Prozent der Ausfälle bei Himbeerpflanzen im Hausgarten direkt oder indirekt mit dieser Krankheit zusammenhängen. Die Zahl ist eine Schätzung des Unternehmens und keine unabhängig erhobene Statistik – dass die Wurzelfäule als wichtigste Krankheit der Kultur gilt, ist in der Fachliteratur allerdings unstrittig.

Warum Züchtung der einzige Hebel bleibt

Wo Pflanzenschutz und Anbautechnik an Grenzen stoßen, verlagert sich die Lösung in die Genetik. Resistenzquellen sind bekannt: die nordamerikanische Sorte Latham, die Weihenstephaner Züchtung Weirula und daraus hervorgegangene Sorten sowie die englische Autumn Treasure gelten als vergleichsweise widerstandsfähig. Das Problem der Züchter liegt weniger im Finden als im Kombinieren. Resistenz allein reicht nicht – die Sorte muss auch Ertrag, Fruchtgröße, Aroma und Erntezeitpunkt mitbringen.

Hinzu kommt der Zeitfaktor. Klassisch wird Resistenz geprüft, indem man Sämlinge in verseuchten Boden pflanzt und wartet, welche überleben. Das kostet Jahre, Fläche und Personal – und liefert ein Ergebnis, das von Witterung und Bodenbedingungen des jeweiligen Versuchsjahres mitbestimmt wird.

Der Marker als Abkürzung

An dieser Stelle setzt die markergestützte Selektion an, ein Verfahren, das in Getreide und Gemüse längst Standard ist und nun in der Beerenzüchtung ankommt. Statt die Pflanze zu prüfen, prüft man ihre DNA: Ein genetischer Marker, der eng mit dem Resistenzmerkmal gekoppelt ist, lässt sich schon am jungen Sämling nachweisen. Wer den Marker nicht trägt, wird aussortiert, bevor er Platz im Feld belegt. Der laut Projektbeschreibung vom James Hutton Institute entwickelte Marker soll im genannten Vorhaben genau diese Funktion übernehmen.

Bemerkenswert ist ein zweiter Punkt: Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass die bekannten Resistenzquellen genetisch unabhängig voneinander entstanden sein könnten. Wäre das belastbar, ließen sich mehrere Mechanismen in einer Sorte bündeln – ein Prinzip, das aus der Resistenzzüchtung bei Getreide bekannt ist und die Wahrscheinlichkeit senkt, dass der Erreger die Abwehr in wenigen Jahren durchbricht. Einfache Resistenzen halten selten dauerhaft.

Ob und wann daraus marktfähige Sorten werden, ist offen; Obstzüchtung rechnet auch mit Marker-Unterstützung in Zeiträumen von einem Jahrzehnt und mehr. Der Fall zeigt vor allem, wie sich die Arbeitsteilung verschiebt: Ein mittelständischer Züchter liefert das Zuchtmaterial, öffentliche Forschungsinstitute das genetische Werkzeug. Für eine Kultur, die wirtschaftlich zu klein ist, um große Konzerne zu interessieren, ist das womöglich das einzige tragfähige Modell.


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