Hüpfen gegen den Leerstand: Wie Städte ihre Innenstädte mit Spielideen von Kindern beleben
Bemalte Pflasterflächen, von Kindern entworfen: Was nach Ferienprogramm klingt, ist ein Stadtmarketing-Instrument gegen sinkende Innenstadt-Frequenzen. Warum Bodenspiele und Kinderbeteiligung Schule machen.
Ein aufgemaltes Hüpfspiel auf dem Pflaster klingt nach einer Kleinigkeit – doch es steht für eine Strategie, mit der immer mehr Städte gegen die Krise ihrer Zentren ankämpfen. In Wolfsburg etwa hat die städtische Wirtschafts- und Marketinggesellschaft nach eigenen Angaben auch in diesem Jahr Kinder Entwürfe für temporäre Hüpf- und Bodenspiele in der Innenstadt einreichen lassen und die Gewinnerideen prämiert. Was wie eine nette Ferienaktion wirkt, folgt einem Kalkül, das sich in der Stadtentwicklung längst durchgesetzt hat: Wer Familien in die Innenstadt holen will, muss ihnen mehr bieten als Schaufenster.
Aufenthaltsqualität statt Einkaufszwang
Deutsche Innenstädte stehen unter Druck. Der Onlinehandel zieht Umsätze ab, Filialisten schließen, Frequenzen sinken. Die Antwort vieler Stadtmarketing-Gesellschaften lautet seit einigen Jahren: Aufenthaltsqualität. Die Innenstadt soll vom reinen Einkaufsort zum Aufenthaltsort werden – mit Sitzgelegenheiten, Grün, Gastronomie und eben auch Spielangeboten. In der Fachdiskussion gelten Spielelemente inzwischen ausdrücklich als Marketinginstrument: Sie erhöhen die Verweildauer von Familien, und wer länger bleibt, kehrt eher ein und kauft eher ein. Bodenspiele haben dabei einen praktischen Vorteil: Sie brauchen keine Fläche, die es nicht gibt. Anders als ein Spielplatz mit Klettergerüst lassen sie sich auf vorhandenem Pflaster aufbringen, sind vergleichsweise günstig, genehmigungsarm – und temporäre Varianten verschwinden wieder, wenn der Platz für Märkte oder Veranstaltungen gebraucht wird.
Beteiligung als zweiter Hebel
Interessant am Wolfsburger Ansatz ist weniger das Spielfeld selbst als der Weg dorthin. Die Entwürfe stammen von Kindern, ausgewählt wird über eine Beteiligungsaktion. Damit bedient die Aktion gleich zwei Ziele: Zum einen entstehen Spielideen, die tatsächlich dem entsprechen, was Kinder spielen wollen – nicht dem, was Erwachsene dafür halten. Zum anderen erzeugt Beteiligung Bindung. Ein Kind, dessen Entwurf auf dem Boden der Fußgängerzone prangt, bringt Eltern, Großeltern und Schulklasse mit. Kommunale Kinder- und Jugendbeteiligung ist vielerorts ohnehin gesetzlich verankert oder politisch gewollt; die Verknüpfung mit dem Stadtmarketing macht daraus ein Instrument, das beiden Seiten nutzt.
Dass ausgerechnet Wolfsburg auf solche Formate setzt, passt ins Bild: Die Stadt gilt als Paradebeispiel für ein Zentrum, das nie organisch gewachsen ist und deshalb besonders aktiv bespielt werden muss. Doch das Muster findet sich quer durch die Republik – von temporären Spielstraßen über bemalte Pflasterflächen bis zu ganzen "bespielbaren Städten", wie sie einige Kommunen als Leitbild ausgerufen haben.
Kleine Geste, begrenzte Wirkung – aber messbarer Trend
Natürlich rettet kein Hüpfspiel eine Innenstadt, deren Kaufhaus schließt. Kritiker wenden zu Recht ein, dass Aufenthaltsqualität allein keine Mietverträge unterschreibt und temporäre Aktionen verpuffen können, wenn das Grundangebot nicht stimmt. Aber als Baustein einer breiteren Strategie sind niedrigschwellige Spielangebote bemerkenswert effizient: geringe Kosten, schnelle Umsetzung, sichtbares Signal an Familien – und im Fall von Beteiligungsaktionen ein Imagegewinn, der über die eigentliche Fläche hinausreicht. Die Innenstadt der Zukunft, so lässt sich der Trend zusammenfassen, wird weniger verkauft als bespielt. Dass die besten Ideen dafür von Sechsjährigen kommen können, ist dabei keine Anekdote, sondern Programm.
Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines kommunalen Trends auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen und Pressemitteilungen.