Wo die Austauschmillionen landen: Was das DAAD-Förderranking über Deutschlands Hochschulen verrät
Der Deutsche Akademische Austauschdienst hat offengelegt, welche Hochschulen 2025 wie viel Fördergeld eingeworben haben. Die Liste zeigt eine deutliche Konzentration auf wenige große Universitäten – und wirft die Frage auf, wie internationale Sichtbarkeit im Wissenschaftssystem verteilt ist.
Internationalisierung gehört zu den Begriffen, die an deutschen Hochschulen in jedem Strategiepapier stehen. Wie ungleich sie in der Praxis finanziert ist, zeigt eine Statistik, die der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) einmal jährlich veröffentlicht: das Förderranking. Es listet auf, welche Mitgliedshochschule im vergangenen Jahr wie viele DAAD-Mittel erhalten hat – für Stipendien, für Projekte, für Programme.
Für das Jahr 2025 führt die Technische Universität München die Gesamtförderung mit rund 17 Millionen Euro an, gefolgt von der Technischen Universität Dresden mit zwölf und der Technischen Universität Berlin mit elf Millionen Euro. Betrachtet man nur die geförderten Studierenden und Promovierenden, liegt ebenfalls die TU München vorn (453), vor der Ludwig-Maximilians-Universität München (395), der Universität Heidelberg (380), der Freien Universität Berlin (375) und der Humboldt-Universität zu Berlin (350). Regional konzentrieren sich die Mittel auf Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.
Was die Zahlen messen – und was nicht
Ein Ranking dieser Art verführt zur Lesart eines Leistungsvergleichs. Tatsächlich misst es zunächst etwas anderes: die Fähigkeit einer Hochschule, Anträge zu stellen und Programme zu betreiben. Große Universitäten mit ausgebauten International Offices, eigenen Antragsabteilungen und langjährigen Partnerschaften haben hier strukturelle Vorteile, die mit der Qualität der Lehre nur mittelbar zu tun haben.
Der DAAD selbst weist regelmäßig darauf hin, dass die absoluten Zahlen stark von der Größe der Einrichtung abhängen, weshalb die Statistik auch Werte im Verhältnis zur Studierendenzahl ausweist. Dort verschieben sich die Rangfolgen spürbar – kleinere Hochschulen mit klarem internationalem Profil schneiden dann deutlich besser ab, als es die Millionensummen vermuten lassen.
Hinzu kommt: Der DAAD ist zwar der größte, aber nicht der einzige Kanal. Erasmus-Mittel der EU, Stiftungen, bilaterale Programme und Eigenmittel der Länder fließen ebenfalls in den akademischen Austausch. Wer den Internationalisierungsgrad einer Hochschule beurteilen will, sieht mit dem Förderranking nur einen Ausschnitt.
Ein Seismograf für den Wettbewerb um Köpfe
Interessanter als die Rangliste selbst ist, wofür sie ein Indikator ist. Die Zahl internationaler Studierender in Deutschland ist über Jahre gestiegen, und Hochschulen sind längst nicht mehr nur Bildungseinrichtungen, sondern Teil der Fachkräftestrategie. Wer in Deutschland studiert, bleibt überdurchschnittlich häufig – ein Zusammenhang, auf den Wirtschaftsverbände und Arbeitsmarktforschung seit Jahren verweisen, wenn auch mit Bandbreiten je nach Fach und Herkunftsregion.
Damit bekommt die Verteilung der Fördermittel eine Bedeutung, die über den Campus hinausreicht. Regionen mit stark international vernetzten Hochschulen haben bessere Chancen, Absolventinnen und Absolventen im Umkreis zu halten. Strukturschwächere Räume, deren Hochschulen im Ranking hinten liegen, verlieren einen Zugang zu qualifiziertem Nachwuchs, den sie mit eigenen Mitteln kaum ersetzen können.
Die stille Konkurrenz zu anderen Zielländern
Parallel verschärft sich der internationale Wettbewerb. Mehrere klassische Zielländer haben in den vergangenen Jahren ihre Zuwanderungsregeln für Studierende verschärft oder Gebühren erhöht, andere werben offensiv um dieselbe Zielgruppe. Deutschland punktet dabei traditionell mit weitgehend gebührenfreien Studiengängen – ein Vorteil, der allerdings regelmäßig zur Debatte steht, wenn die Landeshaushalte unter Druck geraten.
Genau in dieser Gemengelage ist das Förderranking mehr als eine Verwaltungsstatistik. Es zeigt, an welchen Standorten das System aus Programmen, Betreuung und Netzwerken funktioniert – und an welchen die Internationalisierung eher Absichtserklärung bleibt. Für Hochschulleitungen ist das ein unbequemes, aber brauchbares Instrument. Für die Politik ist es ein Hinweis darauf, dass Sichtbarkeit im Ausland nicht von selbst entsteht, sondern von Personal und Struktur abhängt, die irgendwo finanziert werden müssen.
Redaktionelle Einordnung. Die genannten Zahlen beziehen sich auf das Förderjahr 2025 und geben nur einen Teil der Auslandsfinanzierung deutscher Hochschulen wieder.