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Gehen ja, kommen nein: Warum Deutschland als Gastland für Austauschschüler verliert

Rund 17.750 deutsche Jugendliche gingen im vergangenen Schuljahr für längere Zeit ins Ausland – der Austausch hat sich von der Pandemie erholt. Doch in die Gegenrichtung kommen immer weniger: Die Zahl ausländischer Gastschüler in Deutschland ist binnen zehn Jahren stark gesunken.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Erholung in die eine Richtung

Der Schüleraustausch hat die Corona-Jahre hinter sich gelassen. Laut einer aktuellen Auswertung des auf Auslandsaufenthalte spezialisierten Fachportals weltweiser verbrachten im Programmjahr 2024/25 rund 17.750 Jugendliche aus Deutschland mehrere Monate an einer Schule im Ausland. Damit hat der längere Auslandsschulbesuch die Einbrüche der Pandemie weitgehend überwunden und liegt wieder in etwa auf dem Niveau der Zeit davor. Ein Großteil der Jugendlichen entschied sich der Erhebung zufolge weiterhin für englischsprachige Länder – die klassischen Ziele des deutschen Schüleraustauschs.

Als Gastland auf dem Rückzug

Bemerkenswert ist die Gegenbewegung. Während deutsche Jugendliche wieder in gewohnter Zahl aufbrechen, kommen immer weniger ausländische Austauschschüler nach Deutschland. Laut der Studie ist ihre Zahl binnen zehn Jahren um mehr als 60 Prozent gesunken. Deutschland verliert damit als Ziel spürbar an Anziehungskraft – ein Befund, der über den einzelnen Schüleraustausch hinausweist und die Frage aufwirft, wie attraktiv das Land für junge Menschen aus dem Ausland überhaupt noch ist.

Warum die Richtung wichtig ist

Austausch lebt von Gegenseitigkeit. Wer selbst ein Jahr im Ausland verbringt, tut das oft in einer Gastfamilie, die im Idealfall später auch ein Kind aus einem anderen Land aufnimmt. Kommen dauerhaft weniger Jugendliche nach Deutschland, geraten diese Kreisläufe aus dem Gleichgewicht: Es fehlt an Begegnungen, an Gastfamilien-Erfahrung und an jenen persönlichen Verbindungen, aus denen später Studien-, Berufs- oder Forschungskontakte werden können. Ein Ungleichgewicht zwischen ausreisenden und einreisenden Schülern ist deshalb mehr als eine Statistik – es betrifft die Rolle Deutschlands im internationalen Bildungsaustausch.

Mögliche Gründe – mit Vorsicht zu deuten

Warum das Land als Gastgeber an Boden verliert, lässt sich aus einer einzelnen Erhebung nicht abschließend erklären. Fachleute verweisen üblicherweise auf ein Bündel von Faktoren: die deutsche Sprache, die für viele als schwer zu erlernen gilt, während englischsprachige Länder ohne diese Hürde locken; gestiegene Kosten für Aufenthalte und Lebenshaltung; ein wachsender internationaler Wettbewerb um Austauschschüler sowie bürokratische Hürden bei Einreise und Anerkennung. Wie stark jeder dieser Punkte wiegt, ist offen – klar ist nur, dass der Rückgang über ein einzelnes Jahr hinausreicht.

Was auf dem Spiel steht

Der Schüleraustausch gilt seit Jahrzehnten als eine der wirksamsten Formen der Völkerverständigung im Kleinen. Jugendliche, die früh eine andere Kultur von innen kennenlernen, bringen Sprachkenntnisse, Offenheit und internationale Kontakte mit – Eigenschaften, die später auch dem Arbeitsmarkt und der Wissenschaft zugutekommen. Sinkt die Zahl der Gäste dauerhaft, verliert Deutschland langfristig einen Teil dieser leisen, aber wirkungsvollen Beziehungsarbeit. Der Trend, den die aktuellen Zahlen andeuten, ist damit weniger eine bildungspolitische Randnotiz als ein Hinweis darauf, wie sichtbar und einladend sich ein Land nach außen zeigt.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich verfügbarer Angaben. Die genannten Zahlen stammen aus einer Erhebung des Fachportals weltweiser.