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Wenn die Solaranlage sich duckt: Wie Photovoltaik gegen Sturm und Hagel gewappnet wird

Extremwetter setzt Solaranlagen zunehmend zu – und rückt eine bislang selten beachtete Frage in den Vordergrund: Wie schützt man Module, die gerade dann Ertrag bringen sollen, wenn das Wetter umschlägt? Neue Ansätze aus der Forschung setzen auf Anlagen, die sich bei Gefahr selbst in Sicherheit bringen.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Photovoltaik gilt als robuste Technik: einmal montiert, jahrzehntelang nahezu wartungsfrei Strom vom Dach oder Feld. Doch mit häufigeren Hitzewellen, Stürmen und heftigen Hagelschlägen gerät ein Aspekt in den Fokus, der lange als Randproblem galt – die Widerstandsfähigkeit der Module gegen Extremwetter. Versicherer und Betreiber registrieren steigende Schadensmeldungen nach Unwettern, und mit dem Ausbau der Solarenergie wächst schlicht die Fläche, die getroffen werden kann.

Ein wunder Punkt, der lange übersehen wurde

Standard-Solarmodule sind darauf ausgelegt, einiges auszuhalten: Zertifizierungen prüfen die Belastbarkeit gegen Druck, Wind und Hagelkörner bis zu einer bestimmten Größe. In der Praxis stoßen diese Grenzen jedoch an ihre Belastungsprobe, wenn Hagelkörner deutlich größer ausfallen oder Böen die im Zertifikat angenommenen Werte übersteigen. Feste Aufständerungen, wie sie auf Freiflächen üblich sind, bieten dem Wind zudem eine unveränderliche Angriffsfläche. Bislang half dagegen vor allem eines: robustere Bauweise, dickeres Glas, sorgfältige Montage – und im Ernstfall die Gebäude- oder Elektronikversicherung.

Genau hier setzen neue Konzepte an, die das Problem nicht nur passiv abfedern, sondern die Anlage aktiv reagieren lassen. Die Grundidee: Wenn ein Unwetter aufzieht, soll sich die Anlage in eine geschützte Stellung bringen, statt starr im Sturm zu verharren.

Module, die sich zusammenfalten

Ein Beispiel dafür stammt von einem Forschungsteam der TU Graz. Das dort entwickelte System – intern FLAPTrack genannt – richtet die Module im Normalbetrieb dem Sonnenstand nach aus, um den Ertrag zu erhöhen. Droht laut Unternehmens- beziehungsweise Projektangaben ein Unwetter, klappen die Module „Fläche an Fläche" zusammen und legen sich flach, sodass die empfindlichen Vorderseiten geschützt liegen; ein Netz soll die nach außen gerichteten Rückseiten zusätzlich vor Hagel bewahren. Gesteuert wird das Ganze über eine lokale Wetterstation gekoppelt mit regionalen Vorhersagemodellen. Nach eigenen Angaben übernimmt ein patentierter Antrieb dabei die Doppelfunktion aus Nachführung und Zusammenklappen, was Bauteile und damit Kosten sparen soll.

Zur Einordnung: Es handelt sich bislang um eine Demonstrationsanlage im niedrigen Kilowatt-Bereich auf einem Universitätsgebäude, nicht um ein serienreifes Produkt. Ob sich der Mehraufwand für Aktuatorik und Steuerung im breiten Einsatz wirtschaftlich trägt, wird sich erst zeigen müssen. Bewegliche Teile bedeuten grundsätzlich auch mehr potenzielle Fehlerquellen als eine starre Konstruktion – ein Abwägen, das jede Nachführtechnik kennt.

Ein Trend, nicht ein einzelnes Gerät

Interessant ist der Ansatz weniger als Werbung für ein bestimmtes System, sondern als Beispiel für eine breitere Bewegung. Nachführsysteme, sogenannte Tracker, sind auf großen Solarparks längst verbreitet; viele fahren bei Sturm bereits in eine windschlüpfrige Schutzstellung. Neu ist der Gedanke, denselben Mechanismus gezielt auch als Hagel- und Schneeschutz zu nutzen und ihn für kleinere Anlagen nutzbar zu machen. Parallel arbeiten Hersteller an widerstandsfähigeren Gläsern, Beschichtungen und Sensorik, die Schäden früh erkennt.

Für Hausbesitzer und Betreiber bleibt der nüchterne Rat der Fachleute vorerst bodenständiger: fachgerechte Montage, regelmäßige Sichtprüfung nach Unwettern und ein Blick in die Versicherungsbedingungen, ob Elementarschäden an der Anlage abgedeckt sind. Die selbstfaltende Solaranlage zeigt aber, wohin die Entwicklung zeigt – zu einer Photovoltaik, die nicht nur Sonne erntet, sondern auch weiß, wann sie besser den Kopf einzieht.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines Branchentrends und keine Kaufberatung. Angaben zu einzelnen Systemen beruhen auf Hersteller- und Projektangaben und wurden nicht unabhängig überprüft.