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Leiser, aber kurzlebiger: Warum Flüsterasphalt die Straßenbauer vor ein Dilemma stellt

Offenporiger Asphalt macht Straßen spürbar leiser – hält aber oft nur halb so lange wie herkömmliche Beläge. Neue Forschung sucht nach Wegen aus diesem Zielkonflikt.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Wer entlang einer viel befahrenen Straße wohnt, kennt den Unterschied: Auf manchen Abschnitten rauscht der Verkehr merklich gedämpfter vorbei. Häufig liegt das an einem besonderen Belag, der im Volksmund „Flüsterasphalt" heißt und in der Fachsprache offenporiger Asphalt genannt wird. Er verspricht weniger Lärm – und stellt Kommunen und Autobahnbetreiber zugleich vor ein hartnäckiges Problem. Ein Forschungsprojekt der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg, über das der Informationsdienst Wissenschaft berichtet, will den Belag nach Angaben der Beteiligten haltbarer machen. Das rückt einen alten Zielkonflikt des Straßenbaus wieder in den Blick.

Wie der leise Belag funktioniert

Anders als dichter Asphalt ist offenporiger Asphalt bewusst mit Hohlräumen durchsetzt. Bis zu einem Viertel seines Volumens besteht aus Poren. Diese Struktur wirkt gleich zweifach: Sie schluckt einen Teil des Geräuschs, das zwischen Reifen und Fahrbahn entsteht, und sie lässt Regenwasser nach unten abfließen, statt es als Sprühfahne aufzuwirbeln. Bei hohem Tempo, wo das Reifen-Fahrbahn-Geräusch den Motorlärm übertönt, kann der Belag den Schallpegel um mehrere Dezibel senken – ein Effekt, der für Anwohner den Unterschied zwischen erträglich und störend ausmachen kann.

Der Haken: kurze Lebensdauer und teure Pflege

Der Preis für die Ruhe ist Verschleiß. Während dichte Beläge und Splittmastixasphalt auf stark belasteten Strecken oft 15 bis 20 Jahre durchhalten, liegt die Lebensdauer offenporiger Deckschichten Fachangaben zufolge häufig nur bei etwa acht bis zwölf Jahren. Der Grund liegt in der Struktur selbst: Die Poren setzen sich mit Reifenabrieb, Staub und Schmutz zu, wodurch die lärmmindernde Wirkung mit den Jahren nachlässt. Um das hinauszuzögern, braucht es spezielle Reinigungsfahrzeuge, die die Fahrbahn absaugen. Auch der Winterdienst wird aufwendiger, weil sich Streusalz auf dem porösen Belag anders verhält und in gelöster Form deutlich mehr davon nötig sein kann.

Hinzu kommt, dass die offene Struktur den Belag mechanisch empfindlicher macht. Einzelne Körner können sich unter Dauerbelastung lösen – ein Effekt, den Fachleute als Kornausbruch bezeichnen. Für die Straßenbaulastträger bedeutet das: Sie erkaufen sich Lärmschutz mit häufigeren Sanierungen und höheren Unterhaltskosten. Gerade Kommunen mit knappen Kassen wägen deshalb genau ab, wo sich der Aufwand lohnt.

Die Suche nach dem Kompromiss

Genau an dieser Stelle setzt die Forschung an. Ein Ansatz besteht darin, die Zusammensetzung und die Bindemittel des Belags so zu verändern, dass er den Belastungen länger standhält, ohne seine akustischen Vorteile einzubüßen. Das Projekt der OTH Regensburg zielt nach Darstellung der Hochschule darauf, die Haltbarkeit zu erhöhen – belastbare Langzeitwerte aus dem laufenden Straßenbetrieb lassen sich allerdings erst über Jahre gewinnen, weshalb solche Ergebnisse mit Zurückhaltung einzuordnen sind.

Parallel verfolgt die Branche eine zweite Route: den „lärmoptimierten" Splittmastixasphalt. Er soll ähnlich leise sein wie klassischer Flüsterasphalt, dabei aber länger halten und nicht wesentlich teurer ausfallen. Auf einzelnen Teststrecken – etwa an Bundesstraßen im Süden Deutschlands – wird derzeit Erfahrung mit solchen Varianten gesammelt. Ob sie den offenporigen Belag ablösen oder ergänzen, ist offen.

Warum das mehr ist als eine Materialfrage

Für Autofahrer bleibt der Straßenbelag meist unsichtbar, solange er nicht in Schlaglöcher zerfällt. Doch die Wahl zwischen leise und langlebig berührt handfeste Interessen: den Gesundheitsschutz von Anwohnern, die vor Verkehrslärm geschützt werden sollen, und die Haushalte von Städten und Ländern, die jeden Sanierungszyklus bezahlen müssen. Solange kein Belag beides zugleich bietet, bleibt es eine Abwägung – und ein Feld, auf dem kleine Fortschritte in der Materialforschung große Wirkung auf Lärm und Kosten entfalten können.


Dieser Beitrag ordnet einen Branchentrend redaktionell ein und stellt keine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt oder Verfahren dar.