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Vielfalt als Versicherung: Warum artenreiche Nahrungsnetze Ökosysteme stabiler machen

Kleine Tiere im Waldboden, verzweigte Nahrungsnetze, messbare Wirkung: Eine internationale Studie zeigt, dass artenreiche Lebensgemeinschaften Ökosysteme zuverlässiger am Laufen halten – von deutschen Wäldern bis nach Sumatra.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Was im Waldboden geschieht, bekommt kaum jemand mit: Milben, Springschwänze, Asseln und unzählige weitere Kleinstlebewesen zersetzen Laub, verwerten totes Material und geben Nährstoffe wieder frei. Unscheinbar, aber unverzichtbar – denn sie halten Stoffkreisläufe in Gang, von denen letztlich der ganze Wald lebt. Eine internationale Studie aus dem Umfeld des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) hat nun genauer untersucht, wovon die Leistungsfähigkeit dieser verborgenen Lebensgemeinschaften abhängt. Das Ergebnis lässt sich auf eine überraschend einfache Formel bringen: Vielfalt zahlt sich aus.

Was ein Nahrungsnetz leistet

Ein Nahrungsnetz ist mehr als eine Nahrungskette. Es beschreibt das komplexe Geflecht aus Fressen und Gefressenwerden, aus Zersetzung, Räuberei und Symbiose, das Arten miteinander verbindet. Über dieses Netz fließt Energie durch das Ökosystem – von den abgestorbenen Pflanzenresten über die Zersetzer bis zu den Räubern, die deren Bestände regulieren. Je nachdem, wie dicht und verzweigt dieses Netz gewoben ist, funktionieren zentrale Prozesse wie der Abbau von Streu oder der Nährstoffumsatz besser oder schlechter. Ökosysteme, so die Kernidee, funktionieren nicht durch einzelne Arten, sondern durch die Beziehungen zwischen ihnen.

Menge und Vielfalt – zwei Stellschrauben

Die Forschenden identifizierten laut Studienangaben vor allem zwei Faktoren, die über größere Landschaften hinweg die Funktionen der Bodenlebewesen bestimmen: die schiere Menge der Tiere und die Zahl der beteiligten Arten. In besonders artenreichen Gemeinschaften fällt der einzelne Beitrag jeder Art weniger ins Gewicht – stattdessen greift die einfache Regel „mehr ist besser“. Anders gesagt: Wo viele verschiedene Arten zusammenwirken, gleichen sich Schwankungen aus, und das System bleibt auch dann leistungsfähig, wenn einzelne Arten ausfallen. Vielfalt wirkt damit wie eine biologische Versicherung gegen Störungen.

Von deutschen Wäldern bis nach Sumatra

Bemerkenswert ist die Reichweite des Befunds. Die Untersuchung stützte sich auf Daten aus zahlreichen Wäldern in Deutschland und auf der indonesischen Insel Sumatra – zwei Regionen mit völlig unterschiedlichem Klima, unterschiedlicher Artenausstattung und Landnutzung. Dass die grundlegenden Zusammenhänge in gemäßigten wie in tropischen Wäldern gleichermaßen gelten, war für die Beteiligten selbst eine Überraschung. Es deutet darauf hin, dass es sich nicht um eine regionale Besonderheit handelt, sondern um ein allgemeineres ökologisches Prinzip.

Was das für den Naturschutz bedeutet

Für die praktische Naturschutzpolitik hat das Konsequenzen. Wenn nicht einzelne Schlüsselarten, sondern die Vielfalt und Menge einer Lebensgemeinschaft die Ökosystemfunktionen tragen, dann ist der Erhalt dieser Vielfalt selbst das Ziel. Landnutzung, die Artengemeinschaften ausdünnt – etwa die Umwandlung strukturreicher Wälder in Monokulturen – trifft damit nicht nur einzelne Tiere, sondern die Funktionsfähigkeit ganzer Systeme. Umgekehrt liegt in der Förderung artenreicher, individuenstarker Böden ein oft unterschätzter Hebel, um Wälder widerstandsfähig zu halten. Gerade in Zeiten von Klimastress und zunehmenden Extremwetterlagen ist diese Stabilität ein wertvolles Gut.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung aktueller Forschungsergebnisse und gibt den Stand der zitierten Studie wieder.

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