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Milliarden für die Forschung: Wie in Deutschland über Wissenschaftsförderung entschieden wird

Bund und Länder verteilen jedes Jahr Milliarden an die Forschung – über ein Gremium, das kaum jemand kennt. Ein Blick darauf, wie die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz entscheidet und warum drei Prozentpunkte bei einer Pauschale zum Politikum werden.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wenn in Deutschland über die Zukunft der Forschung entschieden wird, geschieht das selten unter großem öffentlichem Applaus. Meist steht am Ende eine nüchterne Mitteilung mit vielen Zahlen – so auch bei den jüngsten Förderentscheidungen für das Jahr 2027, über die zuletzt berichtet wurde. Dahinter steckt ein Gremium, das kaum jemand außerhalb der Wissenschaft kennt, dessen Beschlüsse aber über Milliardenbeträge und die Arbeitsbedingungen zehntausender Forschender bestimmen: die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz, kurz GWK.

Ein Gremium von Bund und Ländern

Die GWK ist das zentrale Forum, in dem sich der Bund und alle sechzehn Länder über die Förderung von Wissenschaft und Forschung verständigen. Der Grund für diese Konstruktion liegt im deutschen Föderalismus: Bildung und Wissenschaft sind grundsätzlich Ländersache, große Forschungseinrichtungen und übergreifende Programme werden aber gemeinsam finanziert. Damit nicht siebzehn Beteiligte getrennt voneinander entscheiden, bündelt die GWK die Abstimmung. Ihre Beschlüsse betreffen unter anderem die außeruniversitären Forschungsorganisationen wie die Max-Planck-Gesellschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Leibniz-Gemeinschaft – und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) als wichtigste Förderorganisation für die Forschung an den Hochschulen.

Institutionelle Förderung und Projektmittel

Für die DFG umfasste die jüngste GWK-Entscheidung nach den vorliegenden Angaben eine Größenordnung von rund 3,3 Milliarden Euro. Der weitaus größte Teil davon entfällt auf die sogenannte institutionelle Förderung – also Mittel, mit denen der laufende Betrieb und die Grundausstattung dauerhaft gesichert werden. Ein zweiter Block sind Projektmittel, die gezielt in einzelne Vorhaben fließen. Dazu zählen prominente Programme wie die Exzellenzstrategie zur Stärkung von Spitzenuniversitäten, die Förderung teurer Großgeräte an Hochschulen oder der Aufbau der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur, die Forschungsdaten dauerhaft nutzbar machen soll.

Die Unterscheidung wirkt technisch, hat aber praktische Folgen. Institutionelle Förderung schafft Planungssicherheit, weil sie verlässlich wiederkehrt. Projektförderung ist flexibler und stärker an Wettbewerb und thematische Schwerpunkte gebunden. Wie die Balance zwischen beiden aussieht, ist eine der Dauerfragen der Wissenschaftspolitik.

Warum eine Pauschale zum Streitthema wird

Besonders viel Aufmerksamkeit hat zuletzt ein Detail auf sich gezogen, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt: die Programmpauschale. Sie ist ein Aufschlag auf DFG-geförderte Projekte, der die indirekten Kosten der Forschung abdecken soll – etwa Verwaltung, Gebäude, Energie oder IT, die bei jedem Projekt anfallen, aber nicht direkt einem einzelnen Vorhaben zugerechnet werden. Bund und Länder haben sich darauf verständigt, diese Pauschale ab 2027 von bislang 22 auf 25 Prozent anzuheben.

Drei Prozentpunkte klingen nach wenig, summieren sich bei Milliardenbeträgen aber erheblich. Für die Hochschulen ist die Erhöhung deshalb mehr als eine Randnotiz: Sie entlastet ihre chronisch angespannten Haushalte, weil eingeworbene Drittmittel bislang oft zusätzliche Kosten verursachten, die anderweitig gedeckt werden mussten. Fördereinrichtungen und Hochschulverbände begrüßten den Schritt entsprechend – auch weil er ein länger diskutiertes Strukturproblem zumindest abmildert.

Wozu der Blick hinter die Zahlen lohnt

Wissenschaftsförderung erscheint vielen als abstraktes Verwaltungsthema. Tatsächlich entscheidet sie darüber, welche Labore ausgestattet werden, wie sicher Nachwuchsstellen finanziert sind und ob Deutschland im internationalen Wettbewerb um Talente und Ideen mithalten kann. Die GWK ist dabei kein Ort spektakulärer Ankündigungen, sondern des mühsamen Ausgleichs zwischen Bund, Ländern und Einrichtungen. Gerade deshalb lohnt es, die nüchternen Zahlenwerke gelegentlich zu übersetzen: Hinter ihnen steht die Frage, wie eine Gesellschaft ihre eigene Wissensbasis pflegt.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchen- und Politikthemas und keine offizielle Verlautbarung der genannten Einrichtungen. Genannte Beträge geben den Stand der jeweiligen Mitteilungen wieder.

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