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Schneller als die Schulung: Warum künstliche Intelligenz die Weiterbildung überholt

Generative KI ist längst im Arbeitsalltag angekommen – die passende Weiterbildung dagegen oft noch nicht. Eine internationale Befragung zeigt, wie weit Anspruch und Wirklichkeit beim Kompetenzaufbau auseinanderklaffen.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Kaum eine Technik hat die Arbeitswelt so rasch durchdrungen wie generative künstliche Intelligenz. Textassistenten, Bildgeneratoren und Auswertungswerkzeuge sind für viele Beschäftigte binnen weniger Monate vom Kuriosum zum Alltagswerkzeug geworden. Doch die betriebliche Weiterbildung hält mit diesem Tempo vielerorts nicht Schritt. Das legt eine internationale Erhebung des Weiterbildungsanbieters Cegos nahe, für die zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 nach Unternehmensangaben mehr als 5.500 Beschäftigte und knapp 500 Personalverantwortliche in elf Ländern Europas, Asiens und Lateinamerikas befragt wurden.

Die Technik ist da, die Schulung fehlt

Der auffälligste Befund ist eine Lücke zwischen Nutzung und Qualifizierung. Laut der Auswertung setzen 79 Prozent der Befragten generative KI privat ein, aber nur 64 Prozent auch beruflich. Vor allem aber gibt lediglich rund ein Drittel – 32 Prozent – an, überhaupt eine KI-Schulung durch den eigenen Arbeitgeber erhalten zu haben. Viele eignen sich den Umgang mit den Werkzeugen also im Selbstversuch an, ohne einordnende Anleitung dazu, wo die Grenzen der Systeme liegen und welche Daten man ihnen anvertrauen darf.

Dass Weiterbildung nicht nur fehlt, sondern häufig auch zu spät kommt, empfindet ein erheblicher Teil der Belegschaften selbst so: 41 Prozent der Beschäftigten sagen der Studie zufolge, Schulungen erreichten sie erst, wenn der Bedarf längst da sei.

Ein Viertel der Tätigkeiten unter Veränderungsdruck

Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt eine weitere Zahl: Nahezu jeder vierte Arbeitsplatz könnte laut den Studienautoren binnen drei Jahren von einer Veralterung der benötigten Kompetenzen betroffen sein. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass diese Stellen wegfallen. Gemeint ist vielmehr, dass sich die Anforderungsprofile so verschieben, dass ein Teil des heutigen Wissens an Wert verliert und durch neues ersetzt werden muss. Unter den befragten Personalverantwortlichen stufen 68 Prozent KI und Automatisierung als die wichtigsten Innovationen ein, die den Kompetenzaufbau der kommenden beiden Jahre prägen werden.

Zwischen Zutrauen und fehlenden Leitplanken

Bemerkenswert ist, dass sich viele Organisationen den Umbruch durchaus zutrauen. 84 Prozent der befragten Personalfachleute halten es laut Studie für machbar, die technologischen Veränderungen innerhalb von drei Jahren zu bewältigen. Zugleich haben aber erst 28 Prozent überhaupt verbindliche Regeln für den Einsatz von KI formuliert und im Unternehmen kommuniziert. Diese Kombination – hohes Zutrauen bei gleichzeitig dünnem Regelwerk – gilt Fachleuten als heikel: Wo klare Vorgaben fehlen, entstehen leicht Grauzonen im Umgang mit vertraulichen Informationen oder bei der Frage, wer für KI-gestützte Ergebnisse einsteht.

Was sich daraus lesen lässt – und was nicht

Bei der Einordnung solcher Zahlen ist Vorsicht angebracht. Auftraggeber der Erhebung ist ein Anbieter von Weiterbildung, der ein naheliegendes Eigeninteresse an einem hohen Qualifizierungsbedarf hat. Selbstberichtete Umfragewerte bilden zudem Einschätzungen ab, keine gemessenen Kompetenzen. Dennoch decken sich die Grundlinien mit dem, was auch andere Untersuchungen zum Verhältnis von KI-Verbreitung und Weiterbildung beschreiben: Die Werkzeuge verbreiten sich schneller, als Organisationen die begleitenden Strukturen dafür schaffen.

Für Betriebe – gerade im Mittelstand, wo eigene Weiterbildungsabteilungen oft fehlen – liegt die eigentliche Aufgabe damit weniger im Anschaffen weiterer Software als im nüchternen Dreiklang aus verständlichen Nutzungsregeln, praxisnaher Schulung und der Bereitschaft, Weiterbildung nicht erst dann anzusetzen, wenn der Rückstand bereits spürbar ist.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines Branchentrends und beruht unter anderem auf veröffentlichten Studienangaben. Er stellt keine Rechts- oder Unternehmensberatung dar.