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Nicht der Wirkungsgrad, die Grenzfläche: Woran die Perowskit-Solarzelle wirklich hängt

Perowskit-Solarzellen erreichen im Labor Wirkungsgrade, von denen reines Silizium nur träumen kann. Der Engpass auf dem Weg aufs Dach liegt jedoch woanders: in hauchdünnen Kontaktschichten, an denen Ladung verloren geht und Material sich mit der Zeit ablöst.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Wenn über die Zukunft der Photovoltaik gesprochen wird, fällt seit Jahren derselbe Begriff: Perowskit. Gemeint ist eine Materialklasse mit einer bestimmten Kristallstruktur, die sich aus Lösung aufbringen lässt – gedruckt, gerakelt, bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen. Das ist der ökonomische Reiz gegenüber Silizium, dessen Herstellung energieintensive Hochtemperaturprozesse erfordert.

Die Wirkungsgrade sind längst nicht mehr das Problem

In der Effizienz hat die Technologie eine bemerkenswerte Aufholjagd hingelegt. Einzelne Perowskit-Zellen wandeln im Labor inzwischen deutlich über 27 Prozent des einfallenden Sonnenlichts in Strom um. Noch interessanter ist die Kombination beider Materialien: In einer Tandemzelle sitzt eine Perowskit-Schicht auf einer Siliziumzelle und nutzt den kurzwelligen, blauen Anteil des Lichts, während das Silizium darunter den langwelligen, roten Teil verwertet. Für solche Tandems sind zertifizierte Laborwerte von rund 35 Prozent dokumentiert.

Zur Einordnung: Reines Silizium stößt bei etwa 29 Prozent an eine physikalische Obergrenze. Die Tandemarchitektur umgeht dieses Limit, weil sie das Sonnenspektrum aufteilt, statt es mit einem einzigen Material abzuarbeiten. Theoretische Abschätzungen für Perowskit-Silizium-Tandems reichen über 40 Prozent hinaus.

Wo die Ladung verloren geht

Der eigentliche Flaschenhals liegt nicht im lichtabsorbierenden Material, sondern in den Schichten daneben. Damit aus getrennten Ladungsträgern Strom wird, müssen Elektronen zuverlässig abtransportiert werden. Dafür kam bislang meist eine Schicht aus Fullerenen zum Einsatz – kugelförmigen Kohlenstoffmolekülen, bekannt als C60 oder „Fußballmoleküle".

Genau an der Grenzfläche zwischen dieser Fullerenschicht und dem Perowskit-Absorber geht ein erheblicher Teil der Ladungsträger verloren, bevor er den Kontakt erreicht. Hinzu kommen zwei praktische Nachteile: C60-Materialien sind vergleichsweise teuer, und sie neigen dazu, sich mit der Zeit abzulösen. Diese Delamination ist für ein Bauteil, das zwei Jahrzehnte lang Wärme, Kälte und Feuchtigkeit standhalten soll, kein Randproblem.

Ein zweiter, verwandter Schwachpunkt sind Rückstände von Bleijodid an der Oberfläche des Perowskitfilms. In maßvollen Mengen kann der Stoff während der Kristallbildung nützlich sein. Verteilt er sich ungleichmäßig, entstehen lokale Schwankungen des Oberflächenpotenzials, Ladungen werden eingefangen, und die Zelle verliert Energie auf einem Weg, der sich nicht in Licht zurückverwandelt. Mehrere Forschungsgruppen arbeiten daher an Ersatzmaterialien für die Kontaktschicht und an präziserer Grenzflächenchemie.

Vom Laborwert zur Dachfläche

Hier ist Vorsicht angebracht. Rekordwerte werden an kleinen Laborzellen unter standardisierten Bedingungen gemessen. Zwischen einer solchen Zelle und einem Modul, das jahrzehntelang auf einem Dach arbeitet, liegen mehrere Skalierungsschritte, bei denen Wirkungsgrade regelmäßig sinken. Erste kommerzielle Tandemmodule werden derzeit mit Werten im Bereich um 30 Prozent beworben – belastbare Felddaten über lange Zeiträume fehlen für die Technologie naturgemäß noch weitgehend.

Die Haltbarkeit bleibt die offene Flanke. Silizium-Module haben ihre Langzeitstabilität über Jahrzehnte im Feld belegt; Herstellergarantien über 25 Jahre stützen sich auf diese Erfahrung. Perowskit-Materialien reagieren dagegen empfindlicher auf Feuchtigkeit, Sauerstoff und Temperaturwechsel. Genau deshalb ist die Arbeit an Kontaktschichten und Grenzflächen mehr als eine Detailoptimierung: Sie entscheidet darüber, ob aus einem effizienten Laborbauteil ein verkäufliches Produkt wird.

Was das für den Markt bedeutet

Für Hausbesitzer, die heute eine Anlage planen, ändert sich vorerst wenig. Der Massenmarkt wird auf absehbare Zeit von Siliziummodulen bedient, deren Preise seit Jahren fallen. Interessant ist die Tandemtechnologie zunächst dort, wo Fläche knapp und teuer ist – auf begrenzten Dachflächen, in Fahrzeugen, in der Gebäudehülle. Wo jeder Quadratmeter mehr Ertrag bringen muss, rechnet sich ein höherer Preis je Modul eher als auf dem freien Feld.

Bemerkenswert an der aktuellen Forschungslage ist vor allem der Perspektivwechsel: Die Debatte dreht sich nicht mehr darum, ob Perowskit genug Licht in Strom verwandeln kann. Sie dreht sich darum, ob die Schichten daneben lange genug halten.


Redaktionelle Einordnung eines Forschungs- und Branchentrends. Genannte Wirkungsgrade beziehen sich auf zertifizierte Labormessungen und lassen sich nicht unmittelbar auf marktverfügbare Module übertragen.