MT940 ist Geschichte: Warum der Kontoauszug jetzt XML spricht
Mit dem Ende des MT940-Formats stellt sich der elektronische Kontoauszug auf XML nach ISO 20022 um. Was hinter CAMT.053 steckt und warum das Thema Finanzabteilungen weiter beschäftigt.
Für viele Finanzabteilungen war es über Jahrzehnte eine Selbstverständlichkeit: Am Morgen lädt die Buchhaltungssoftware den elektronischen Kontoauszug im Format MT940, gleicht offene Posten ab und verbucht Zahlungseingänge weitgehend automatisch. Dieses stille Rückgrat des betrieblichen Zahlungsverkehrs ist inzwischen abgelöst. Mit dem Ende des SWIFT-basierten MT-Standards im November 2025 hat sich der Kontoauszug technisch neu erfunden – vom kompakten Textformat hin zu strukturierten XML-Dateien nach dem internationalen Standard ISO 20022.
Vom Zeilenformat zur strukturierten Datei
Das alte MT940 war ein Kind seiner Zeit: eine zeilenorientierte Nachricht, in der Verwendungszwecke, Beträge und Referenzen in eng begrenzte Felder gepresst wurden. Für heutige Anforderungen – etwa lange Referenznummern, strukturierte Angaben zu Gebühren oder eindeutige Zuordnungen im internationalen Verkehr – stieß dieses Korsett zunehmend an seine Grenzen. An seine Stelle treten die Formate CAMT.053 für den Tagesauszug und CAMT.052 für untertägige Umsätze. Sie basieren auf XML, sind hierarchisch aufgebaut und können deutlich mehr Informationen sauber getrennt transportieren.
Der Umstieg ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer größeren Bewegung. Bereits seit März 2024 sind die überarbeiteten SEPA-Formate verbindlich, und der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr wurde parallel auf ISO 20022 umgestellt. Der Kontoauszug ist gewissermaßen das letzte große Puzzleteil, das nun ebenfalls in die neue Formatwelt überführt wurde.
Was der Wechsel für Unternehmen bedeutet
In der Praxis betrifft die Umstellung vor allem alle, die auf automatisierte Kontoauszugsverarbeitung angewiesen sind – vom Mittelständler mit ERP-System bis zum Konzern mit SAP-Landschaft. Wo bislang MT940-Dateien eingelesen wurden, müssen Schnittstellen, Buchungsregeln und teils auch die interne Zuordnungslogik auf CAMT umgestellt werden. Die reichhaltigeren Daten sind ein Gewinn, verlangen aber, dass die verarbeitenden Systeme mit der neuen Struktur umgehen können.
Einige Banken haben Übergangsfristen eingeräumt, teilweise bis ins Frühjahr 2026, allerdings oft mit reduziertem Datenumfang. Für die Betroffenen war die Botschaft eindeutig: Wer die Migration verschleppt, riskiert, dass Auszüge nicht mehr automatisch verbucht werden können – mit spürbaren Folgen für Buchhaltung, Reporting und Liquiditätssteuerung. Genau deshalb ist das Thema auch Mitte 2026 noch präsent, obwohl der formale Stichtag längst verstrichen ist: In vielen Häusern werden Restarbeiten, Sonderfälle und ausländische Bankverbindungen weiter nachgezogen.
Mehr als eine Formatfrage
Hinter der technischen Umstellung steht ein größerer Trend: die Standardisierung des Zahlungsverkehrs auf einer gemeinsamen, maschinenlesbaren Grammatik. ISO 20022 soll perspektivisch die Grundlage für durchgängigere Prozesse bilden – von der automatisierten Abstimmung über besseres Cash-Management bis hin zu Analysen, die mit den zusätzlichen Datenfeldern erst möglich werden. Für Unternehmen ist der Kontoauszug damit nicht nur ein Beleg über Ein- und Ausgänge, sondern zunehmend eine strukturierte Datenquelle.
Ob dieser Nutzen tatsächlich gehoben wird, hängt weniger vom Format selbst ab als davon, wie konsequent Unternehmen ihre Prozesse anpassen. Die Umstellung von MT940 auf CAMT ist in diesem Sinne kein Endpunkt, sondern ein Anlass, gewachsene Buchungsroutinen zu überprüfen. Der Kontoauszug spricht jetzt XML – was Organisationen daraus machen, entscheidet sich in den Finanzabteilungen selbst.
Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchentrends und stellt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung dar. Für die konkrete Umsetzung im eigenen Unternehmen sollten die jeweilige Hausbank und fachkundige Beratung hinzugezogen werden.
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