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Leise, aber kurzlebig: Warum der Flüsterasphalt ein Haltbarkeitsproblem hat

Offenporiger Asphalt schluckt Lärm und Sprühfahnen – hält auf stark belasteten Autobahnen aber nur etwa halb so lange wie herkömmlicher Belag. Auf einem Teststück der A99 wird nun eine Faserbeimischung erprobt, die den bekanntesten Schwachpunkt der Bauweise angehen soll.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Wer auf der Autobahn plötzlich das Gefühl hat, jemand habe die Lautstärke heruntergedreht, fährt vermutlich gerade über offenporigen Asphalt. Im Volksmund heißt der Belag Flüsterasphalt, im Fachjargon OPA. Seine Wirkung beruht nicht auf einer besonders glatten Oberfläche, sondern im Gegenteil auf sehr vielen Hohlräumen: Rund ein Viertel des Volumens besteht aus offenen Poren, in denen sich der Schall verläuft, der sonst zwischen Reifen und Fahrbahn entsteht.

Ein Belag mit zwei Vorteilen

Der Lärmschutz ist das bekannteste Argument. Je nach Ausgangslage lassen sich mit offenporigem Asphalt spürbare Pegelminderungen erreichen – ein Grund, warum die Bauweise vor allem dort zum Einsatz kommt, wo Autobahnen nah an Wohnbebauung verlaufen und aktiver Lärmschutz sonst nur über Wände oder Tempolimits zu haben wäre.

Der zweite Vorteil zeigt sich bei Regen. Weil das Wasser in die Poren einsickert und seitlich abgeführt wird, steht es weniger auf der Fahrbahn. Die Folge sind deutlich schwächere Sprühfahnen hinter Lastwagen und damit bessere Sicht – ein Sicherheitsgewinn, der in der Diskussion um Flüsterasphalt oft hinter dem Lärmthema zurücktritt.

Der Preis der Hohlräume

Genau die Struktur, die den Belag leise macht, ist zugleich seine Schwäche. Weil viel Luft im Material steckt, gibt es weniger tragende Kontaktpunkte zwischen den einzelnen Gesteinskörnern. Unter der Dauerlast des Schwerverkehrs, bei Frost-Tau-Wechseln und unter dem Eindringen von Wasser lösen sich mit der Zeit einzelne Körner aus dem Verbund – Fachleute sprechen vom Kornausbruch. Erste Schäden dieser Art treten häufig schon nach sechs bis acht Jahren auf.

In der Gesamtbilanz bedeutet das: Während herkömmliche Asphalt- oder Betondecken auf stark belasteten Autobahnen heute rund zwanzig Jahre halten, kommt offenporiger Asphalt oft nur auf etwa zehn. Für die Straßenbauverwaltung ist das keine akademische Größe. Jede Erneuerung heißt Baustelle, Sperrung, Stau und Kosten – Faktoren, die den Lärmvorteil in der Wirtschaftlichkeitsrechnung teilweise wieder aufzehren und mancherorts dazu geführt haben, dass Bauherren wieder zu konventionellen Decken greifen.

Fasern aus der Textilindustrie

An dieser Stelle setzt eine Arbeit des Labors für Straßenbau und Asphalttechnologie der OTH Regensburg an. Gemeinsam mit externen Partnern wurde ein Zusatz entwickelt, der die Stabilität des Gemischs erhöhen soll: Pellets aus Acrylfasern, wie sie sonst in der Textilindustrie verwendet werden. Die Idee dahinter ist naheliegend – Fasern wirken im Bindemittel als eine Art Armierung und sollen den Zusammenhalt der Körner verbessern.

In Laborversuchen zeigten sich den Angaben der Hochschule zufolge Vorteile beim Kälteverhalten und bei der Dauerhaftigkeit. Solche Ergebnisse sind ein Anfang, aber kein Nachweis: Laborprüfungen bilden Temperaturzyklen und Belastungen unter kontrollierten Bedingungen ab, nicht das jahrelange Zusammenspiel aus Schwerverkehr, Streusalz, Witterung und Einbauqualität.

280 Meter Realität

Deshalb ist der eigentlich interessante Schritt der Weg aus dem Labor auf die Straße. Bei Sanierungsarbeiten auf der A99 im Raum München wurde ein mit den Acrylfaser-Pellets modifizierter offenporiger Asphalt eingebaut. Der Versuchsabschnitt ist 280 Meter lang und wird wissenschaftlich begleitet.

Belastbare Aussagen wird dieser Test naturgemäß erst nach Jahren liefern – die entscheidende Frage lautet ja gerade, ob der bekannte Kornausbruch später einsetzt als bisher. Ein Teststück dieser Länge kann zudem nur begrenzt repräsentativ sein; entscheidend wäre am Ende, ob sich die Ergebnisse auf unterschiedliche Klimazonen, Verkehrsbelastungen und Einbaubedingungen übertragen lassen.

Bemerkenswert ist der Ansatz trotzdem, weil er eine typische Konstellation im Infrastrukturbau beschreibt: Nicht ein neues Material soll ein altes ersetzen, sondern eine vergleichsweise kleine Rezepturänderung soll den entscheidenden Schwachpunkt einer bewährten Bauweise entschärfen. Gelänge das, hätte der Lärmschutz an Autobahnen ein Argument weniger gegen sich – und die Straßenbauverwaltungen eine Option mehr, die sich auch rechnen lässt.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich verfügbarer Forschungs- und Hochschulmitteilungen.