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Joggen bei 32 Grad: Warum Ausdauersport im Hochsommer eigene Regeln braucht

Hitzewarnungen gehören für viele Regionen längst zum Sommer. Wer weiter draußen trainieren will, sollte Uhrzeit, Trinkverhalten und Warnsignale kennen – denn der Körper reagiert bei großer Hitze anders als gewohnt.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Steigende Temperaturen und immer häufigere Hitzewarnungen stellen Freizeitsportler vor eine simple Frage: weitertrainieren oder pausieren? Viele wollen auf ihre Laufrunde auch bei 30 Grad und mehr nicht verzichten. Möglich ist das – aber nur, wenn man das Training an die Bedingungen anpasst. Bei großer Hitze arbeitet der Körper unter erschwerten Bedingungen, und die üblichen Gewohnheiten aus dem Frühjahr können im Hochsommer zum Risiko werden.

Warum Hitze den Körper doppelt fordert

Bei Anstrengung produziert die Muskulatur Wärme, die der Körper abführen muss – vor allem über das Schwitzen. Ist die Umgebungsluft ohnehin heiß, konkurrieren zwei Aufgaben um den Kreislauf: die Versorgung der arbeitenden Muskeln und die Kühlung der Haut. Das Herz muss mehr leisten, der Puls steigt bei gleicher Belastung höher als an kühlen Tagen. Wer stur sein gewohntes Tempo läuft, überfordert das System schneller, als er merkt. Sportmediziner raten deshalb, an heißen Tagen bewusst langsamer zu laufen und die Pulswerte, nicht die Kilometerzeiten, als Maßstab zu nehmen.

Die Uhrzeit entscheidet mit

Der einfachste Hebel ist der Zeitpunkt. Die größte Hitze liegt üblicherweise zwischen 15 und 18 Uhr – die schlechteste Zeit für ein Training im Freien. Deutlich günstiger sind die frühen Morgenstunden zwischen etwa 6 und 9 Uhr oder der späte Abend nach 19 Uhr. Dann sind nicht nur die Temperaturen erträglicher, auch die Ozonwerte liegen niedriger, was besonders für empfindliche Atemwege relevant ist. Schatten, Wald und die Nähe zu Wasser helfen zusätzlich; direkte Mittagssonne auf Asphalt ist das Gegenteil davon.

Trinken – aber richtig

Beim Schwitzen verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch Salze und Mineralstoffe. Deshalb greift der Ratschlag, einfach viel Wasser zu trinken, bei großer Hitze zu kurz. Fachleute empfehlen, schon vor dem Lauf ausreichend getrunken zu haben und sich bei Temperaturen über 30 Grad nicht auf das Durstgefühl zu verlassen, das oft zu spät einsetzt. Bei längeren Einheiten können Getränke mit Elektrolyten helfen, Krämpfen vorzubeugen. Wer erst nach dem Training an Flüssigkeit denkt, ist meist schon im Defizit.

Warnsignale, die man nicht ignorieren darf

Der Körper meldet Überhitzung – man muss die Zeichen nur kennen. Wird die Haut trocken oder zeigt rötlich-fleckige Stellen, weil das Schwitzen aussetzt, ist das ein Alarmsignal. Auch Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit oder ein plötzliches Gefühl der Verwirrtheit sind ernst zu nehmen. In solchen Fällen gilt: sofort anhalten, in den Schatten, Beine hochlegen, kühlen und trinken. Bessert sich der Zustand trotz Pause nicht oder kommen neurologische Symptome hinzu, ist der Notruf angebracht – ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall.

Wann Verzicht die bessere Wahl ist

Nicht jede Hitze lässt sich mit Timing und Trinkflasche ausgleichen. Ab rund 30 Grad raten viele Sportmediziner, intensive Einheiten ins kühlere Fitnessstudio, in den frühen Morgen oder auf einen anderen Tag zu verlegen. Menschen mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen, Ältere und Untrainierte sollten mit der Hausärztin oder einem Sportmediziner klären, ab welcher Temperatur für sie Vorsicht gilt. Und grundsätzlich gilt: Niemals direkt nach einer großen Mahlzeit und nie ohne Wasser loslaufen. Ein ausgefallenes Training kostet nichts – ein Kreislaufkollaps auf einsamer Strecke kann teuer werden.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung und ersetzt keine ärztliche oder sportmedizinische Beratung. Bei Vorerkrankungen oder Beschwerden sollte vor dem Training ärztlicher Rat eingeholt werden.