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Joggen im Hochsommer: Warum das Tempo bei Hitze zur Nebensache wird

Hitzewarnungen gehören für viele inzwischen zum Sommer. Wer trotzdem laufen will, muss vor allem eines lernen: langsamer zu werden. Was Sportmediziner zu Tageszeit, Trinken und Warnsignalen raten – und wann man besser ganz verzichtet.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Wenn das Thermometer über 30 Grad klettert und der Deutsche Wetterdienst amtliche Hitzewarnungen herausgibt, stellt sich für Freizeitläuferinnen und -läufer jedes Jahr dieselbe Frage: raus oder lieber nicht? Die kurze Antwort der Sportmedizin lautet: Laufen ist bei Hitze möglich, aber unter anderen Vorzeichen. Der Körper arbeitet dann doppelt – er treibt die Muskeln an und muss sich zugleich kühlen. Genau dieser Zusatzaufwand macht das gewohnte Tempo zum eigentlichen Risiko.

Die Tageszeit entscheidet mit

Der wohl wirksamste Hebel ist der Startzeitpunkt. Empfohlen werden die frühen Morgenstunden, etwa zwischen sechs und neun Uhr: Die Luft ist frischer, die Temperaturen sind erträglicher, und die Ozonkonzentration ist geringer als am Nachmittag. Die intensivste Sonneneinstrahlung liegt zwischen 11 und 16 Uhr – dieses Fenster gilt als das ungünstigste für intensive Belastung im Freien. Wer erst abends Zeit findet, weicht besser in den späten Abend aus, wenn die größte Hitze abgeklungen ist. Schatten, etwa im Wald oder entlang von Gewässern, senkt die gefühlte Belastung zusätzlich.

Trinken – aber richtig

Beim Schwitzen verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch Mineralstoffe. Fachleute raten deshalb, bei längeren Einheiten ab etwa 45 bis 60 Minuten regelmäßig kleine Mengen zu trinken und bei starkem Schwitzen auf Elektrolyte zu achten. Vor allem ein Natriummangel kann zu Krämpfen, Kopfschmerzen und einem spürbaren Leistungsabfall führen. Ebenso wichtig ist das Trinken vor und nach dem Lauf; der Flüssigkeitshaushalt lässt sich nicht in wenigen Minuten während des Trainings ausgleichen. Wer über Durst hinaus große Mengen reines Wasser in sich hineinschüttet, tut sich allerdings keinen Gefallen – die Balance macht den Unterschied.

Warnsignale ernst nehmen

Der Übergang von Anstrengung zu Gefahr verläuft bei Hitze fließend. Kopfschmerzen, Übelkeit, Benommenheit, ungewöhnlich starke Müdigkeit oder Verwirrtheit können Anzeichen einer Hitzeerschöpfung oder eines Hitzschlags sein. In diesem Fall gilt: sofort abbrechen, in den Schatten gehen, den Körper kühlen und im Zweifel den Rettungsdienst unter 112 rufen. Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall und nichts, was man „durchlaufen" sollte. Auf solche Signale zu hören, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Erfahrung.

Nicht für jeden geeignet

Eine ehrliche Einordnung gehört dazu: Nicht alle sollten bei großer Hitze überhaupt joggen. Einsteiger, Gelegenheitssportler und besonders Menschen mit Herz-Kreislauf-Vorerkrankungen fahren bei hohen Temperaturen oft besser, wenn sie spazieren gehen, schwimmen oder Rad fahren, statt zu laufen. Und selbst gut trainierte Läuferinnen und Läufer kommen kaum um eine Erkenntnis herum: Bei Hitze zählt nicht die Bestzeit. Wer das Tempo deutlich zurücknimmt, den Puls im Blick behält und den Ehrgeiz für einen kühleren Tag aufspart, bleibt gesünder – und meist auch langfristig leistungsfähiger.

So betrachtet ist Laufen im Hochsommer weniger eine Frage der Härte als der Anpassung. Wer Tageszeit, Flüssigkeit und Körpersignale beachtet, kann auch in einer immer wärmeren Sommerlandschaft in Bewegung bleiben – ohne den Sommer zum Gegner zu machen.


Dieser Beitrag ist eine allgemeine redaktionelle Einordnung und ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei Vorerkrankungen oder Unsicherheit über die eigene Belastbarkeit sollte vor dem Sport ärztlicher Rat eingeholt werden.