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Der verborgene Erfolgsfaktor der Bäume: Wie der Wassertransport über die Evolution mitentschied

Bäume wurden nicht allein durch Holz groß. Forschung legt nahe, dass die Fähigkeit, den eigenen Wassertransport gegen Ausfälle abzusichern, ein lange unterschätzter Schlüssel ihrer Evolution ist.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Dass Bäume groß werden, erklären wir uns meist mit Holz: ein stabiler Stamm, der Last trägt und in die Höhe wächst. Doch eine wachsende Zahl von Forschungsarbeiten rückt einen anderen, weit weniger sichtbaren Faktor in den Mittelpunkt – die Fähigkeit, Wasser zuverlässig vom Boden bis in die Krone zu transportieren und diesen Transport gegen Störungen abzusichern. Diese innere Architektur des Wassertransports könnte ein lange unterschätzter Schlüssel dafür sein, warum manche Pflanzenlinien zu den größten Lebewesen der Erde wurden, während andere klein blieben.

Eine Wassersäule unter Spannung

Der Wassertransport im Baum funktioniert ohne Pumpe. Verdunstet Wasser an den Blättern, entsteht ein Sog, der eine zusammenhängende Wassersäule durch feine Leitbahnen im Holz – das sogenannte Xylem – nach oben zieht. Bei hohen Bäumen muss diese Säule über Dutzende Meter intakt bleiben und steht dabei unter erheblicher Zugspannung. Das System ist erstaunlich leistungsfähig, aber auch verletzlich: Reißt der Wasserfaden ab, dringt Luft in die Leitbahn ein und blockiert sie. Fachleute sprechen von einer Embolie. Häufen sich solche Ausfälle, kann der Baum Teile seiner Krone nicht mehr versorgen – im Extremfall verdurstet er, obwohl im Boden noch Wasser vorhanden wäre.

Leben am Limit

Untersuchungen an zahlreichen Baumarten deuten darauf hin, dass viele Arten überraschend nah an der Grenze zum hydraulischen Versagen operieren. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern Ausdruck eines Kompromisses: Wer Wasser besonders schnell und in großen Mengen transportiert, wächst kräftig, riskiert aber eher Embolien. Wer auf Sicherheit setzt, ist robuster gegen Trockenheit, wächst dafür langsamer. Jede Art hat im Lauf der Evolution ihren eigenen Punkt auf diesem Spektrum gefunden – abgestimmt auf das Klima, in dem sie lebt. Genau diese Balance zwischen Wachstum und Ausfallsicherheit, so die Forschung, ist ein zentraler Treiber der Vielfalt, die wir heute in den Wäldern sehen.

Warum das gerade jetzt wichtig ist

Die Frage nach dem Wassertransport ist nicht nur von akademischem Interesse. Mit häufigeren und intensiveren Dürreperioden geraten Bäume verstärkt in jenen riskanten Bereich, in dem ihr Leitsystem versagen kann. Studien an Bäumen, die nach Trockenjahren absterben, zeigen wiederholt, dass nicht der Mangel an gespeicherter Energie, sondern der Zusammenbruch der Wasserversorgung den Ausschlag gibt. Wer versteht, welche Arten ihr hydraulisches System besser absichern, kann besser einschätzen, welche Bäume künftige Klimabedingungen überstehen – eine praktische Frage für Forstwirtschaft, Stadtbegrünung und Naturschutz gleichermaßen.

Ein neuer Blick auf alte Riesen

Die Forschung verschiebt damit unseren Blick auf das, was einen erfolgreichen Baum ausmacht. Nicht allein die Festigkeit des Holzes, sondern die Konstruktion seiner Wasserleitungen – ihre Weite, ihre Verschaltung, ihre Fähigkeit, eine Embolie zu begrenzen – entscheidet mit darüber, wie hoch eine Art wachsen und wie trockene Standorte sie besiedeln kann. Das erklärt, warum eng verwandte Arten sich so unterschiedlich entwickeln und warum manche Linien über Jahrmillionen immer größere Formen hervorbrachten. Bäume sind, so betrachtet, nicht zuletzt meisterhafte Wasserbauwerke. Ihre stille Ingenieurleistung im Inneren des Stammes hat die Wälder der Erde mitgeformt – und entscheidet künftig mit darüber, wie diese Wälder dem Klimawandel begegnen.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle, allgemein verständliche Einordnung aktueller Forschungsthemen und ersetzt keine wissenschaftliche Fachpublikation.

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