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Der Preis nach der Produktion: Warum Transport und Speicherung grünen Wasserstoff verteuern

Beim grünen Wasserstoff dominiert der Erzeugungspreis die Debatte. Doch Transport und Speicherung können die tatsächlichen Kosten erheblich anheben – eine Einordnung.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Wenn über die Kosten von grünem Wasserstoff gesprochen wird, fällt der Blick fast immer auf einen einzigen Wert: den Erzeugungspreis pro Kilogramm. Doch dieser Preis beschreibt nur den Anfang einer langen Kette. Bis der Wasserstoff dort ankommt, wo er gebraucht wird – in der Stahlhütte, im Chemiepark, an der Tankstelle für schwere Lkw – muss er transportiert, zwischengespeichert und wieder nutzbar gemacht werden. Genau diese Schritte werden in der öffentlichen Debatte häufig unterschlagen, obwohl sie den Endpreis erheblich in die Höhe treiben können.

Warum die Logistik so viel Gewicht bekommt

Wasserstoff ist ein schwieriger Energieträger. Er hat pro Volumeneinheit eine geringe Energiedichte, entweicht durch kleinste Undichtigkeiten und muss entweder unter hohem Druck verdichtet oder auf minus 253 Grad Celsius verflüssigt werden, um ihn wirtschaftlich bewegen zu können. Jeder dieser Schritte kostet Energie und Infrastruktur. Fachleute weisen seit Längerem darauf hin, dass Transport und Speicherung die Gesamtkosten je nach Entfernung, Zustandsform und Speicherlösung deutlich anheben – nach Angaben aus der Forschung im ungünstigen Fall so stark, dass sie den reinen Erzeugungspreis noch einmal in ähnlicher Größenordnung ergänzen.

Dr. Benjamin Pfluger vom Fraunhofer IEG brachte den Kern des Problems in einer Pressemitteilung auf den Punkt: Wasserstoff gelte als Schlüsseltechnologie für die Dekarbonisierung der Industrie, doch meist würden nur die Erzeugungspreise betrachtet. Dabei müsse der Stoff transportiert, gespeichert und zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort verfügbar sein. Diese Einordnung ist wichtig, weil politische und wirtschaftliche Entscheidungen oft auf Basis der niedrigeren Zahl getroffen werden.

Pipeline, Schiff oder Derivat?

Für den großräumigen Transport konkurrieren mehrere Konzepte. Pipelines gelten als effizient, existieren für reinen Wasserstoff aber bislang kaum und müssten neu gebaut oder aufwendig umgerüstet werden. Der Seetransport verflüssigten Wasserstoffs ist technisch anspruchsvoll und mit hohen Verlusten verbunden. Als möglicher Ausweg werden flüssige Wasserstoffderivate diskutiert – etwa Ammoniak oder Methanol –, die sich einfacher handhaben lassen. Forschende des Fraunhofer IEG und des Fraunhofer ISI haben in einer Fallstudie darauf hingewiesen, dass sich Derivate wie Methanol bezogen auf die transportierte Energiemenge per Pipeline unter bestimmten Annahmen deutlich günstiger bewegen lassen als gasförmiger Wasserstoff. Der Haken: Am Ziel muss das Derivat gegebenenfalls wieder aufgespalten werden, was erneut Energie und Anlagen erfordert.

Was das für die Industrie bedeutet

Für Unternehmen, die auf Wasserstoff umsteigen wollen, ist die Botschaft unbequem, aber nützlich: Wer nur den Erzeugungspreis kalkuliert, unterschätzt die tatsächlichen Bezugskosten. Standortentscheidungen, Vertragslaufzeiten und die Wahl der Transportform können darüber entscheiden, ob ein Projekt am Ende wirtschaftlich trägt. Regionen mit eigener Erzeugung oder direkter Pipeline-Anbindung dürften im Vorteil sein, während importabhängige Standorte die gesamte Logistikkette einpreisen müssen.

Zugleich ist die Kostenfrage keine Absage an die Technologie. Sie verschiebt lediglich den Fokus: von der Frage, wie günstig Wasserstoff produziert werden kann, hin zu der Frage, wie günstig er dorthin gelangt, wo er tatsächlich gebraucht wird. Ob sich die häufig genannte Verdopplung der Kosten in der Praxis bestätigt, hängt von vielen Variablen ab – von Entfernungen über Auslastung bis zur technologischen Reife der Speicherlösungen. Klar ist nur: Eine ehrliche Wasserstoff-Bilanz endet nicht am Elektrolyseur.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchenthemas und keine Anlage- oder Investitionsberatung. Genannte Kostenangaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Forschungsangaben und können je nach Annahmen und Rahmenbedingungen abweichen.

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