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Blick hinter den Leuchtnebel: Was Radioteleskope im Orion sichtbar machen

Ein Forschungsteam der Universität Wien meldet neu entdeckte Strukturen im Orionnebel. Der Anlass, einmal zu erklären, warum das kalte Gas zwischen den Sternen so schwer zu sehen ist.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Der Orionnebel gehört zu den wenigen Objekten am Himmel, die schon mit bloßem Auge als verwaschener Lichtfleck im Schwert des Sternbilds Orion zu erkennen sind. Für die Astronomie ist er weit mehr als ein hübsches Fernrohrziel: Mit rund 1.300 Lichtjahren Entfernung ist er eine der nächstgelegenen großen Geburtsstätten neuer Sterne – und damit ein natürliches Labor, um zu verstehen, wie aus Gas und Staub Sonnen entstehen. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Wien hat nun, den Angaben zufolge, mithilfe zweier besonders leistungsfähiger Radioteleskope bislang verborgene Strukturen in dieser Region sichtbar gemacht. Das ist ein guter Anlass, einmal zu erklären, warum ausgerechnet das Wichtigste an einem Sternentstehungsgebiet für das Auge unsichtbar bleibt.

Warum das Entscheidende im Dunkeln liegt

Was wir am Orionnebel bewundern, ist überwiegend leuchtendes Gas: Wasserstoff, den junge, heiße Sterne mit ihrer Strahlung zum Glühen anregen. Doch dieses sichtbare Leuchten ist gewissermaßen nur die beleuchtete Vorderseite. Der weitaus größte Teil des Materials, aus dem neue Sterne entstehen, ist kalt, dunkel und dicht – und sendet kaum sichtbares Licht aus. Solche kalten Gaswolken verraten sich stattdessen durch Strahlung im Radiobereich, etwa durch charakteristische Signale von Molekülen wie Kohlenmonoxid, das als Spürhund für den häufigen, aber schwer messbaren molekularen Wasserstoff dient.

Genau hier liegt die Stärke der Radioastronomie. Wo optische Teleskope an den dichten, staubigen Wolken abprallen, blicken Radioteleskope gleichsam hindurch und kartieren, wo sich das kalte Gas sammelt, wie es sich bewegt und an welchen Stellen es sich zu verdichten beginnt. So entstehen Karten von filamentartigen Strukturen – langgezogenen Gassträngen, entlang derer sich Material zusammenzieht, bis an einzelnen Knotenpunkten der Druck ausreicht, damit ein neuer Stern zündet.

Was zwei Teleskope zusammen leisten

Dass in solchen Projekten oft mehrere Instrumente kombiniert werden, hat einen praktischen Grund. Ein großes Einzelteleskop erfasst großräumige, diffuse Strukturen gut, verliert aber feine Details. Ein Verbund vieler kleinerer Antennen – ein sogenanntes Interferometer – löst feinste Strukturen auf, übersieht dafür leicht das großflächige Umfeld. Erst das Zusammenspiel beider Ansätze liefert ein vollständiges Bild, in dem sowohl der grobe Gasstrom als auch die winzigen Verdichtungen erkennbar werden. Nach dem, was die beteiligten Forschenden mitteilen, ist es diese Kombination, die im Orion nun Details zutage gefördert hat, die zuvor unter der Nachweisgrenze lagen.

Der wissenschaftliche Reiz liegt darin, dass der Orionnebel als Vergleichsmaßstab für weiter entfernte Sternentstehungsgebiete dient. Was sich hier in vergleichsweise großer Nähe im Detail beobachten lässt, hilft, Prozesse zu deuten, die in ferneren Galaxien nur als verschwommene Signale ankommen. Jede zusätzliche Struktur, die sich auflösen lässt, schärft das Modell davon, wie Turbulenz, Schwerkraft und Magnetfelder gemeinsam darüber entscheiden, ob und wo Sterne entstehen.

Grundlagenforschung mit langem Atem

Unmittelbare Anwendungen wird man aus solchen Beobachtungen nicht ableiten – das ist auch nicht ihr Zweck. Der Wert liegt im geduldigen Zusammensetzen eines Puzzles, das die Astronomie seit Jahrzehnten beschäftigt: Wie werden aus dünnen interstellaren Gaswolken die kompakten Objekte, die am Ende Planeten und womöglich Leben tragen können? Beobachtungen wie die aus dem Orion liefern dafür keine endgültigen Antworten, aber sie füllen Lücken, an denen Modelle bislang raten mussten.

Für Laien bleibt vor allem ein Gedanke hängen: Der vertraute Lichtfleck im Wintersternbild ist längst nicht das ganze Bild. Das eigentliche Geschehen spielt sich im Verborgenen ab – und wird erst sichtbar, wenn man das Universum nicht nur anschaut, sondern ihm zuhört.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung einer aktuellen Forschungsmeldung. Details zur genannten Studie beruhen auf Angaben der beteiligten Einrichtung.

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