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Bauen mit dem Wald: Warum der mehrgeschossige Holzbau an Fahrt gewinnt

Holz wächst in die Höhe: Warum der mehrgeschossige Holzbau trotz Baukrise Marktanteile gewinnt, was die neue Muster-Holzbaurichtlinie ändert und wo die Grenzen liegen.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Ein alter Baustoff kehrt zurück

Holz gehört zu den ältesten Baumaterialien der Menschheit – und erlebt in Deutschland gerade eine bemerkenswerte Renaissance. Was lange vor allem Einfamilienhäuser und Dachstühle prägte, wächst inzwischen in die Höhe: Immer häufiger entstehen ganze Wohnblocks, Schulen und Büros in Holz- oder Holz-Hybridbauweise. Anbieter von Fertighäusern und Holzbausystemen werben offensiv mit dem „natürlichen Bauen“. Hinter dem Marketing steckt allerdings eine handfeste Marktbewegung, die weit über einzelne Hersteller hinausreicht.

Aus der Nische in den Wachstumsmarkt

Noch ist Holz im mehrgeschossigen Bau ein Randphänomen. Nach Marktdaten wurden 2023 rund vier Prozent der Mehrfamilienhäuser in Deutschland in Holz- beziehungsweise Holz-Hybridbauweise errichtet. Der Anteil klingt klein, doch die Dynamik ist auffällig: Branchenanalysen weisen für das mehrgeschossige Bauen mit Holz zuletzt zweistellige jährliche Wachstumsraten aus. Bemerkenswert ist, dass der Holzbau ausgerechnet in der Baukrise Marktanteile gewinnt, während konventionelle Bauweisen unter hohen Kosten und schwacher Nachfrage leiden. Ein Grund liegt im Bauprinzip selbst: Große Teile eines Holzgebäudes werden im Werk vorgefertigt und auf der Baustelle nur noch montiert. Das verkürzt die Bauzeit und macht Abläufe planbarer – ein Vorteil, der in Zeiten knapper Kapazitäten schwer wiegt.

Der Klimavorteil – und seine Grenzen

Ein zentrales Argument für den Holzbau ist die Ökobilanz. Holz bindet während des Wachstums Kohlenstoff und speichert ihn über die Lebensdauer des Gebäudes weiter. Zudem lässt sich der Baustoff mit vergleichsweise geringem Energieaufwand verarbeiten. Fachleute mahnen jedoch zur Differenzierung: Die Klimawirkung hängt davon ab, woher das Holz stammt, wie nachhaltig die Wälder bewirtschaftet werden und was am Ende des Gebäudelebens mit dem Material geschieht. Nachhaltig ist Holzbau vor allem dann, wenn er in eine geordnete Forst- und Kreislaufwirtschaft eingebettet ist. Pauschale Aussagen, wonach Holzbau grundsätzlich „klimaneutral“ sei, greifen deshalb zu kurz.

Neue Regeln beim Brandschutz

Lange galt der Brandschutz als größte Hürde für höhere Holzgebäude. Hier hat sich die Rechtslage bewegt: Die Bauministerkonferenz beschloss 2024 eine überarbeitete Muster-Holzbaurichtlinie (MHolzBauRL), die brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile und Außenwandbekleidungen in Holzbauweise regelt. Die Neufassung eröffnet erweiterte Anwendungen – etwa den Einsatz der Holztafelbauweise in Gebäuden höherer Gebäudeklassen. Erklärtes Ziel ist es, das Bauen mit Holz einfacher und rechtssicherer zu machen. Weil Baurecht in Deutschland Ländersache ist, entfaltet eine Musterrichtlinie ihre Wirkung allerdings erst, wenn die einzelnen Bundesländer sie in ihr Landesrecht übernehmen. Bauherren sollten daher stets die konkrete Regelung ihres Bundeslandes prüfen.

Kein Selbstläufer, aber ein Trend mit Substanz

Trotz des Rückenwinds bleibt Holzbau anspruchsvoll. Er verlangt frühzeitige, präzise Planung, erfahrene Fachbetriebe und ein durchdachtes Konzept für Feuchte- und Schallschutz. Nicht jedes Grundstück und nicht jedes Bauvorhaben eignet sich gleichermaßen. Die Kombination aus kürzeren Bauzeiten, wachsendem Umweltbewusstsein und gelockerten Vorschriften spricht aber dafür, dass der mehrgeschossige Holzbau seinen Anteil weiter ausbauen dürfte. Aus dem einstigen Nischenmaterial ist ein ernstzunehmender Baustoff für die Stadt der Zukunft geworden – nicht als Allheilmittel, aber als tragfähige Option neben Beton und Stahl.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchentrends und ersetzt keine bau- oder rechtsbezogene Beratung im Einzelfall.

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