Vom Baumarkt zum Lagerwürfel: Warum leerstehende Handelsflächen zu Self-Storage werden
Ehemalige Bau- und Fachmärkte werden zunehmend zu Self-Storage-Standorten. Hinter dem Trend stehen schrumpfender Flächenhandel und wachsende Nachfrage nach Stauraum – mit Chancen und planerischen Risiken für Städte.
Wenn ein ehemaliger Baumarkt nicht abgerissen, sondern in ein Selbstlager mit Sport- und Gesundheitsangeboten umgewandelt wird, ist das mehr als eine einzelne Immobilienentscheidung. Es ist ein Symptom für zwei Entwicklungen, die sich in deutschen Städten überlagern: Der klassische Flächenhandel schrumpft, während die Nachfrage nach bezahlbarem Stauraum wächst. Genau an dieser Schnittstelle entstehen derzeit neue Nutzungskonzepte für Gebäude, die sonst leer stünden.
Ein wachsender Markt mit handfesten Zahlen
Self-Storage – also die Vermietung abschließbarer Lagerabteile an Privatleute und Unternehmen – ist in Deutschland lange ein Nischenprodukt gewesen. Das ändert sich. Nach Daten des Branchenverbands gab es im Oktober 2025 hierzulande rund 1.239 Standorte, einschließlich Container- und Kleinstlager-Lösungen; ein Jahr zuvor waren es noch etwa 1.028. Deutschland steht damit für gut 13 Prozent des europäischen Marktes und gehört neben Frankreich zu den größten Ländern. Bemerkenswert ist auch, wer den Stauraum mietet: Das Volumen gewerblicher Nutzungen ist seit 2020 um rund ein Drittel gestiegen. Handwerksbetriebe, Online-Händler und Dienstleister lagern Material, Saisonware oder Akten dort, wo eigene Lagerflächen zu teuer oder schlicht nicht verfügbar sind.
Warum gerade jetzt umgenutzt wird
Die Treiber liegen auf der Hand. In den Ballungsräumen ist Wohnraum knapp und teuer, Keller und Abstellkammern fehlen, und wer umzieht, sich verkleinert oder ein Erbe sortiert, braucht vorübergehend Platz. Gleichzeitig stehen großflächige Handelsimmobilien zunehmend leer: Bau- und Möbelmärkte, Verbrauchermärkte oder Fachmarktzentren am Stadtrand verlieren Mieter, weil sich Sortimente ins Internet verlagern oder Ketten ihr Filialnetz ausdünnen. Solche Hallen bringen genau das mit, was Self-Storage braucht – ebenerdige Andienung, große Spannweiten, gute Verkehrsanbindung und reichlich Parkplätze. Statt aufwendiger Neubauten lassen sich bestehende Strukturen vergleichsweise schnell umbauen.
Multi-Use statt Monokultur
Auffällig ist, dass einzelne Betreiber nicht mehr nur Lagerboxen unterbringen, sondern mehrere Nutzungen mischen: Self-Storage neben Fitnessstudio, Physiotherapie oder Gastronomie. Solche „Multi-Use"-Konzepte sollen, so die Argumentation der Anbieter, eine Immobilie besser auslasten und einen Standort beleben, der sonst nach Ladenschluss tot wäre. Ob das in jedem Fall trägt, ist offen – belastbare Vergleichszahlen zu gemischt genutzten Standorten sind noch rar, und vieles beruht bislang auf Unternehmensangaben. Klar ist aber, dass die Branche damit ein altes Vorurteil abzulegen versucht: dass Lagerhäuser zwangsläufig graue, anonyme Zweckbauten sein müssen.
Was die Entwicklung für Städte bedeutet
Für Kommunen ist die Umnutzung zwiespältig. Einerseits verhindert sie Leerstand, sichert ein Mindestmaß an wirtschaftlicher Aktivität und vermeidet die Brache, die einem Abriss oft folgt. Andererseits schaffen Lagerflächen vergleichsweise wenige Arbeitsplätze pro Quadratmeter, und Stadtplaner fragen zu Recht, ob wertvolle Flächen in zentraler Lage nicht besser für Wohnungen oder durchmischte Quartiere genutzt würden. Die Antwort dürfte vom Standort abhängen: Am verkehrsreichen Stadtrand kann ein umgebauter Markt sinnvoll sein, in begehrten Innenstadtlagen stehen Lager in Konkurrenz zu dringend benötigtem Wohnraum.
Ein Trend mit offenen Fragen
Self-Storage wird Deutschland nicht über Nacht verändern, und der Markt ist im europäischen Vergleich noch längst nicht gesättigt. Doch die Kombination aus strukturellem Wandel im Handel, knappem Wohnraum und wachsendem Stauraumbedarf sorgt dafür, dass aus leeren Hallen verlässlich neue Lagerwürfel werden. Für Investoren ist das ein Wachstumsfeld, für Kommunen eine planerische Gratwanderung – und für Verbraucher schlicht eine zusätzliche Option, wenn die eigene Wohnung an ihre Grenzen stößt.
Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines Branchentrends und keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter oder eine Anlageentscheidung.
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