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Auf Englisch anfangen, auf Deutsch ankommen: Chemnitz probiert ein neues Modell gegen den Ingenieurmangel

Die TU Chemnitz startet mit „Digital Engineering“ erstmals einen englischsprachigen Elektrotechnik-Bachelor – mit eingebauter Deutschpflicht bis C1. Ein Modell, das ein bekanntes Problem internationaler Studiengänge adressiert.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Englischsprachige Masterprogramme gibt es an deutschen Hochschulen inzwischen zuhauf. Im grundständigen Bereich, also bei den Bachelorstudiengängen, sind sie dagegen noch immer die Ausnahme – vor allem in den Ingenieurwissenschaften. Die Technische Universität Chemnitz geht diesen Schritt nun: Zum Wintersemester 2026/27 startet an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der neue Bachelorstudiengang „Digital Engineering“, nach Angaben der Universität das erste englischsprachige grundständige Angebot der Fakultät.

Bewährter Inhalt, neue Sprache

Inhaltlich erfindet Chemnitz das Rad nicht neu. Der Studiengang orientiert sich am etablierten deutschsprachigen Bachelor „Elektrotechnik und Informationstechnik“: vier Semester Grundlagen in Mathematik, Physik, Informatik und Elektrotechnik, danach die Wahl zwischen den Vertiefungen „Automation and Control“ und „Information and Communication Systems“. Wer abschließt, kann direkt in den Arbeitsmarkt einsteigen oder einen Master anschließen. Neu ist der sprachliche Zuschnitt – und der hat es in sich.

Die Deutschpflicht als eigentliche Pointe

Das Bemerkenswerte an dem Chemnitzer Modell ist nicht der englischsprachige Einstieg, sondern das, was danach kommt. Studierende ohne ausreichende Deutschkenntnisse müssen innerhalb der ersten vier Semester das Sprachniveau C1 erreichen – also ein Niveau, das für ein Fachstudium auf Deutsch trägt. Ab dem fünften Semester finden die Lehrveranstaltungen dann nach Angaben der Universität nahezu ausschließlich auf Deutsch statt. Der Spracherwerb ist damit kein freiwilliges Begleitangebot, sondern fest in den Studienverlauf eingebaut.

Damit adressiert das Konzept eine bekannte Schwachstelle vieler internationaler Studiengänge: Rein englischsprachige Programme ziehen zwar Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland an, führen aber häufig in eine Sackgasse, wenn die Absolventen anschließend auf einem überwiegend deutschsprachigen Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen – gerade im Mittelstand, wo Englisch als Arbeitssprache längst nicht überall gelebt wird. Der Chemnitzer Ansatz koppelt den niedrigschwelligen Einstieg auf Englisch an einen verbindlichen Weg in die deutsche Sprache und, so das erklärte Ziel, in den deutschen Arbeitsmarkt.

Zugang und Fristen

Die Zugangshürden sind bewusst moderat gesetzt: Neben der Hochschulreife werden Englischkenntnisse auf Niveau B2 und Deutschkenntnisse auf dem Einsteigerniveau A1 verlangt. Für internationale Bewerberinnen und Bewerber von außerhalb der EU läuft die Bewerbungsfrist über uni-assist noch bis zum 15. Juli 2026, EU-Bürger können sich bis Ende August bewerben, deutsche Interessenten bis Mitte September direkt über das Bewerbungsportal der Universität.

Ein Testlauf mit Signalwirkung

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Elektrotechnik gehört zu den Fächern, in denen deutsche Hochschulen seit Jahren über sinkende oder stagnierende Anfängerzahlen klagen, während die Industrie – von der Chipfertigung bis zur Automatisierungstechnik – händeringend Fachkräfte sucht. Internationale Studierende gelten dabei als eines der größten ungenutzten Potenziale: Sie kommen zum Studium, verlassen das Land aber überdurchschnittlich oft wieder, nicht zuletzt wegen der Sprachbarriere. Ob ein verpflichtender C1-Erwerb in vier Semestern neben einem anspruchsvollen Ingenieurstudium realistisch ist, wird sich zeigen müssen – ambitioniert ist das Pensum allemal.

Sollte das Modell funktionieren, dürfte es Nachahmer finden. Denn es verbindet zwei Ziele, die bisher oft gegeneinander ausgespielt wurden: internationale Öffnung der Hochschulen und Integration in den heimischen Arbeitsmarkt. Für Standorte wie Chemnitz, in deren Umfeld derzeit massiv in Mikroelektronik investiert wird, ist genau diese Verbindung strategisch interessant.


Redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen der TU Chemnitz (idw, via openPR.de).

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