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Zwischen Steckdose und Zapfsäule: Warum flüssige Kraftstoffe nicht so schnell verschwinden

Elektro oder Verbrenner? In der Praxis läuft es auf ein Nebeneinander hinaus. Warum HVO, Biokraftstoffe und E-Fuels in Schifffahrt, Luftfahrt und Schwerlastverkehr weiter gebraucht werden.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Die Debatte um die Antriebe der Zukunft wird gern als Entweder-oder geführt: hier das Elektroauto, dort der Verbrennungsmotor. In der Praxis zeichnet sich ein differenzierteres Bild ab. Auch wenn die Elektromobilität als zentraler Baustein der Energiewende gilt, gehen viele Fachleute davon aus, dass flüssige Kraftstoffe in bestimmten Bereichen noch lange gebraucht werden – vor allem dort, wo Batterien an physikalische Grenzen stoßen.

Wo Strom (noch) nicht reicht

Für Pkw im Alltag gilt der batterieelektrische Antrieb inzwischen als effizienteste Lösung. Anders sieht es in der Schifffahrt, der Luftfahrt und bei schweren Nutzfahrzeugen aus. Ein Containerschiff oder ein Langstreckenflug lässt sich mit heutiger Akkutechnik kaum wirtschaftlich betreiben, weil das Gewicht und der Platzbedarf der Batterien schlicht zu groß wären. Hier kommen flüssige Energieträger mit ihrer hohen Energiedichte ins Spiel – und mit ihnen die Frage, wie sich diese Kraftstoffe klimafreundlicher herstellen lassen.

HVO, Biokraftstoffe und E-Fuels im Realitätscheck

Unter den Alternativen zum fossilen Sprit werden derzeit vor allem drei Wege diskutiert. HVO100, ein aus Pflanzenölen und Reststoffen hergestellter synthetischer Diesel, ist seit 2024 an deutschen Tankstellen erhältlich und verbrennt nach Herstellerangaben deutlich schadstoffärmer als herkömmlicher Diesel. Seine Menge ist allerdings begrenzt, weil die Rohstoffbasis nicht beliebig wächst. Klassische Biokraftstoffe stehen seit Jahren in der Kritik, weil ihr Anbau mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren kann.

Am meisten Aufmerksamkeit ziehen die sogenannten E-Fuels auf sich – synthetische Kraftstoffe, die mit Strom aus erneuerbaren Quellen, Wasserstoff und CO₂ hergestellt werden. Ihr Reiz liegt darin, dass sie in bestehenden Motoren und über die vorhandene Tankstelleninfrastruktur genutzt werden könnten. Der Haken: Die Herstellung ist energieintensiv und teuer. Eine vielzitierte Auswertung mehrerer Studien kam zu dem Schluss, dass E-Fuels für den Massenmarkt der Pkw auf absehbare Zeit zu teuer, zu ineffizient und nicht in ausreichender Menge verfügbar seien. Für Nischen mit hohem Energiebedarf könnten sie dagegen sinnvoll sein.

Ein politischer Streit, der noch nicht entschieden ist

Zusätzliche Bewegung kommt aus der europäischen Regulierung. Ursprünglich sollten ab 2035 in der EU keine neuen Pkw mit reinem Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Inzwischen wird über Ausnahmen für Fahrzeuge diskutiert, die ausschließlich mit E-Fuels betankt werden, sowie über verpflichtende Beimischungsquoten für grünen Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe im Verkehr. Wie diese Regeln am Ende konkret ausgestaltet werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen und Gegenstand laufender Verhandlungen.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das vor allem: Vorsicht bei einfachen Versprechen. Ob ein Fahrzeug künftig „zukunftssicher“ ist, hängt nicht allein von der Technik ab, sondern auch von politischen Entscheidungen, von der Verfügbarkeit der Kraftstoffe und von deren Preis. Beides – Strom und flüssige Energieträger – dürfte auf absehbare Zeit nebeneinander existieren, jeweils dort, wo es technisch und wirtschaftlich am meisten Sinn ergibt.

Fazit: Kein Königsweg, sondern ein Nebeneinander

Der nüchterne Blick spricht gegen die Vorstellung eines einzigen Siegertyps. Für den täglichen Stadtverkehr ist der Elektroantrieb schwer zu schlagen; für Schiffe, Flugzeuge und Teile des Schwerlastverkehrs bleiben flüssige Kraftstoffe vorerst schwer ersetzbar. Der eigentliche Wettbewerb findet daher weniger zwischen Steckdose und Zapfsäule statt als bei der Frage, wie schnell und wie günstig sich klimafreundliche Kraftstoffe überhaupt in relevanten Mengen produzieren lassen.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung und keine Kauf- oder Anlageberatung. Angaben zur Klimabilanz einzelner Kraftstoffe beruhen teils auf Hersteller- und Studienangaben.

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