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Vom Klassenzimmer aufs Dach: Warum Schulen zu Stromproduzenten werden

Turnhallen, Flachdächer, hoher Tagesverbrauch: Schulgebäude sind fast ideale Solarstandorte. Immer mehr Kommunen entdecken ihre Bildungsbauten als Kraftwerke – und als Lernorte für die Energiewende.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wenn in diesen Wochen die Sommersonne auf deutsche Schuldächer brennt, bleibt das Potenzial darunter meist ungenutzt. Dabei sind Schulen aus energetischer Sicht fast ideale Solarstandorte: große, oft flache Dachflächen auf Hauptgebäuden und Turnhallen, ein Stromverbrauch, der genau dann anfällt, wenn die Sonne scheint – nämlich tagsüber –, und ein öffentlicher Eigentümer, der langfristig plant. Kein Wunder, dass immer mehr Kommunen ihre Bildungsbauten als Kraftwerke entdecken. Jüngstes Beispiel aus dem Strom der Pressemitteilungen: ein Gymnasium, das laut Angaben des ausführenden Solarunternehmens künftig einen erheblichen Teil seines Strombedarfs selbst deckt. Der Einzelfall ist dabei weniger interessant als der Trend dahinter.

Ein Viertel des Dachpotenzials liegt auf großen Gebäuden

Wie groß die Reserve ist, zeigen Analysen der Denkfabrik Agora Energiewende: Auf deutschen Gebäuden gibt es über 4.000 Quadratkilometer technisch geeignete Dachfläche mit einem Photovoltaik-Potenzial von rund 400 Gigawatt – ein Vielfaches der heute installierten Leistung. Etwa ein Viertel dieses Potenzials entfällt auf große Gebäude, zu denen neben Logistikhallen und Bürokomplexen eben auch Schulen, Sporthallen und Verwaltungsbauten gehören. Während private Hausdächer seit Jahren boomen, hinken öffentliche Gebäude vielerorts hinterher – obwohl gerade dort die Voraussetzungen stimmen.

Einzelne Städte machen vor, wie systematischer Ausbau aussieht: Lübeck etwa hat allein 2024 elf neue Photovoltaikanlagen auf Schulgebäuden installiert, mit Leistungen zwischen 17 und 130 Kilowatt-Peak. Der erzeugte Strom deckt einen Teil des Bedarfs von Schulen und Sporthallen direkt vor Ort – Eigenverbrauch statt Volleinspeisung, was bei den heutigen Strompreisen der wirtschaftlich attraktivere Weg ist.

Warum es trotzdem oft hakt

Dass nicht längst jedes geeignete Schuldach belegt ist, hat handfeste Gründe. Viele Schulgebäude stammen aus den 1960er- und 70er-Jahren; bevor Module montiert werden können, muss die Statik geprüft und nicht selten das Dach saniert werden. Kommunale Haushalte sind knapp, Bauämter überlastet, und die Zuständigkeiten zwischen Schulträger, Gebäudemanagement und Stadtwerken sind oft unklar. Hinzu kommt ein Strukturproblem: Ausgerechnet in den Sommerferien, wenn die Sonne am stärksten scheint, ist der Verbrauch der Schule am niedrigsten – die Anlagen müssen also so dimensioniert werden, dass sich Eigenverbrauch und Einspeisung sinnvoll ergänzen.

Als Ausweg haben sich verschiedene Modelle etabliert. Manche Kommunen bauen und betreiben selbst, andere verpachten ihre Dächer an Stadtwerke oder Bürgerenergiegenossenschaften, wieder andere setzen auf Contracting: Ein Dienstleister finanziert und betreibt die Anlage, die Schule kauft den Strom zu einem festen Preis. Für klamme Kommunen ist das attraktiv, weil keine Investition im Haushalt auftaucht – erkauft wird das allerdings mit einem Teil der Rendite.

Mehr als Kilowattstunden

Interessant ist der Blick auf den Nebeneffekt, den viele Schulträger inzwischen bewusst einplanen: Die Anlage auf dem eigenen Dach macht die Energiewende für Schülerinnen und Schüler konkret. Ertragsdaten lassen sich im Physik- oder Mathematikunterricht auswerten, Displays im Foyer zeigen die aktuelle Erzeugung, und manche Schulen koppeln die Technik an Projektwochen oder Arbeitsgemeinschaften. Aus dem abstrakten Begriff „Energiewende" wird ein Zählerstand, den man beim Vorbeigehen abliest.

Mit zuletzt rund 17,5 Gigawatt neu installierter Photovoltaik-Leistung pro Jahr läuft der Ausbau in Deutschland insgesamt auf hohem Niveau. Ob öffentliche Dächer ihren Anteil daran vergrößern, entscheidet sich weniger an der Technik als an Organisation und Personal in den Rathäusern. Die Beispiele zeigen: Wo eine Kommune das Thema systematisch angeht – mit Dachkataster, festen Zuständigkeiten und einem klaren Betreibermodell –, wird aus dem Schuldach binnen weniger Monate ein Kraftwerk. Wo jedes Projekt einzeln erkämpft werden muss, bleibt es beim Leuchtturm.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines Branchentrends. Zahlen zum Dachflächenpotenzial stammen aus Veröffentlichungen von Agora Energiewende; Angaben zu einzelnen Projekten beruhen auf Unternehmens- bzw. Kommunalangaben.

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