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Zocken statt Zara: Wie VR-Lounges und SimRacing-Bars die Lücken der Innenstädte füllen

In Aachen eröffnet ein Freizeitkomplex mit VR, SimRacing und Bar – Symptom eines Trends: Location-based Entertainment zieht in Innenstadtlagen, die der Einzelhandel räumt.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

In Aachen eröffnet am 9. Juli in unmittelbarer Nähe des Karlsbrunnens ein neuer Freizeitkomplex, der Bar, Lounge und Team-Aktivitäten von Virtual Reality über SimRacing bis Steel Darts unter einem Dach vereint. Hinter dem Projekt stehen der VR-Anbieter 7th Space und Nürburgring eSports, die Digitalsparte der bekannten Eifel-Rennstrecke. Die Neueröffnung ist für sich genommen eine lokale Meldung – interessant wird sie als Symptom eines größeren Trends: Erlebnisangebote rücken dorthin, wo früher Einzelhandel war.

Location-based Entertainment: die neue Innenstadtnutzung

„Location-based Entertainment" nennt die Branche das Konzept, digitale Unterhaltung an physische Orte zu binden. Während Konsole und VR-Brille längst im Wohnzimmer angekommen sind, setzen diese Anbieter auf das, was zu Hause fehlt: große Flächen für Free-Walk-VR, professionelle Rennsimulatoren mit Bewegungsplattformen, kamerabasierte Dart-Systeme – und den sozialen Rahmen aus Bar und Gastronomie. 7th Space bezeichnet sich laut eigenen Angaben als Europas größten Anbieter für Virtual-Reality-Erlebnisse und betreibt bereits mehrere Standorte, darunter in Aachen eine über 900 Quadratmeter große Fläche in der Innenstadt.

Dass ausgerechnet Innenstädte zum bevorzugten Standort werden, hat handfeste Gründe. Der stationäre Einzelhandel hinterlässt seit Jahren Leerstände in bester Lage, Vermieter zeigen sich verhandlungsbereiter als früher, und Kommunen werben aktiv um sogenannte Frequenzbringer – Nutzungen, die Menschen in die Stadt holen, auch wenn sie nichts im klassischen Sinne einkaufen. Freizeitanbieter mit Gastronomieanteil passen in dieses Raster: Sie beleben Abendstunden, in denen Fußgängerzonen sonst verwaisen.

Der Firmenkunde als stille Stütze

Auffällig ist, wie stark solche Konzepte auf Geschäftskunden zielen. Teambuilding-Events, Weihnachtsfeiern und Kundenveranstaltungen gelten in der Branche als planbares Umsatzfundament, das die schwankende Nachfrage von Laufkundschaft abfedert. Das Aachener Angebot nennt Team-Aktivitäten ausdrücklich als Kernbestandteil – ein Muster, das sich auch bei anderen Erlebnisformaten beobachten lässt, von der Axtwurf-Halle bis zum Escape Room. Der Firmenevent-Markt ist damit zum heimlichen Motor eines Gewerbezweigs geworden, der nach außen wie reines Freizeitvergnügen wirkt.

Die Verbindung mit einer etablierten Sportmarke wie dem Nürburgring zeigt zudem, wie klassische Institutionen den Trend für sich nutzen. Rennstrecken, Fußballvereine und Sportverbände experimentieren seit Jahren mit eSports-Ablegern; SimRacing-Lounges in Städten bringen die Marke dorthin, wo die Zielgruppe wohnt – und senken die Schwelle für Menschen, die nie in die Eifel fahren würden, um ein Rennerlebnis auszuprobieren.

Kein Selbstläufer

Bei aller Aufbruchstimmung lohnt ein nüchterner Blick: Location-based Entertainment ist kapitalintensiv, die Technik veraltet schnell, und die Zahlungsbereitschaft der Kundschaft ist nicht unbegrenzt. Frühere Wellen – etwa die VR-Arcade-Gründungen um 2017 – haben auch Schließungen hinterlassen. Ob ein Standort trägt, entscheidet sich meist an der Mischung aus Lage, Gastronomiequalität und der Frage, ob Gäste wiederkommen, wenn der Neuheitseffekt verflogen ist. Für die Innenstädte gilt dennoch: Jede Nutzung, die Leerstand in Frequenz verwandelt, dürfte vielerorts willkommen sein – die Kommunen beobachten diese Konzepte entsprechend genau.


Redaktionelle Einordnung auf Basis einer Pressemitteilung zur Neueröffnung in Aachen (via openPR.de) sowie öffentlich zugänglicher Anbieterinformationen. Unternehmensangaben sind als solche gekennzeichnet.

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