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Wenn der Neupreis zur Illusion wird: Was Luxusuhren auf dem Gebrauchtmarkt 2026 noch wert sind

Nach dem Boom der Jahre 2021 und 2022 hat sich der Gebrauchtmarkt für Luxusuhren normalisiert. Warum der Neupreis kaum etwas über den heutigen Wert von Rolex, Omega und Co. aussagt.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wer eine hochwertige Automatikuhr besitzt und über einen Verkauf nachdenkt, orientiert sich fast reflexartig am einst gezahlten Neupreis. Doch zwischen dem Betrag auf der Rechnung und dem, was ein Käufer heute zu zahlen bereit ist, klafft oft eine erhebliche Lücke. Der Gebrauchtmarkt für Luxusuhren folgt eigenen Regeln – und diese haben sich in den vergangenen Jahren spürbar verschoben.

Das Ende einer Ausnahmephase

Um die aktuelle Lage zu verstehen, lohnt ein Blick zurück. In den Jahren 2021 und 2022 erlebte der Zweitmarkt eine Sondersituation: Bestimmte gefragte Modelle von Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet wurden zeitweise deutlich über ihrem offiziellen Listenpreis gehandelt. Niedrige Zinsen, viel Anlagekapital und lange Wartelisten bei den Herstellern trieben die Preise in Höhen, die mit dem eigentlichen Gebrauchswert einer Uhr wenig zu tun hatten. Sammlerstücke wurden zum Spekulationsobjekt.

Diese Phase ist vorbei. Marktbeobachter dokumentieren seit geraumer Zeit eine Normalisierung. Der breit beachtete WatchCharts Overall Market Index, der die Preisentwicklung gebrauchter Luxusuhren abbildet, ist über viele aufeinanderfolgende Quartale gesunken. Auch etablierte Marken blieben davon nicht verschont: Für Rolex und Omega weisen Marktindizes zuletzt Rückgänge im einstelligen Prozentbereich aus, bei einzelnen anderen Herstellern fielen die Korrekturen deutlicher aus. Das bedeutet nicht, dass diese Uhren an Attraktivität verloren hätten – es bedeutet, dass die spekulative Übertreibung aus den Preisen gewichen ist.

Warum der Neupreis wenig aussagt

Für Verkäufer ist die entscheidende Erkenntnis, dass der Neupreis kaum als Maßstab taugt. Sobald eine Uhr das Geschäft verlassen hat, gilt sie als gebraucht, und ihr Wert bemisst sich nach dem, was der Markt in diesem Moment hergibt. Händler, die Uhren ankaufen, kalkulieren zudem eine Marge ein, weil sie das Objekt zwischenfinanzieren, prüfen, gegebenenfalls aufarbeiten und weiterverkaufen müssen. Der Ankaufspreis liegt daher regelmäßig unter dem Preis, zu dem dieselbe Uhr später im Schaufenster angeboten wird.

Wie groß die Spanne ausfällt, hängt stark vom Modell ab. Bei einer gefragten Rolex Submariner bewegen sich die am Markt aufgerufenen Preise nach Händlerangaben in einem Bereich von rund 11.000 bis 13.000 Euro, während der reine Ankauf spürbar darunter liegt. Eine gebrauchte Omega Seamaster wiederum wird je nach Referenz und Jahrgang in einer deutlich niedrigeren Preisklasse gehandelt. Diese Zahlen sind Momentaufnahmen und keine garantierten Werte – sie zeigen aber, wie unterschiedlich einzelne Modelle bewertet werden.

Was den Wert im Einzelfall bestimmt

Ob eine Uhr am oberen oder unteren Ende ihrer Spanne landet, entscheidet sich an mehreren Faktoren. Zustand und Laufleistung spielen eine Rolle, ebenso die Vollständigkeit der Unterlagen: Originalbox, Garantiekarte und Kaufbeleg können den erzielbaren Preis merklich heben, weil sie Herkunft und Echtheit belegen. Referenznummer und Baujahr grenzen begehrte von weniger gefragten Varianten ab. Und schließlich zählt die Tagesform des Marktes, die sich – wie die vergangenen Jahre gezeigt haben – durchaus bewegen kann.

Bemerkenswert ist, dass gerade Rolex und Omega trotz der Preiskorrektur als vergleichsweise wertstabil gelten. Sie bilden gewissermaßen das Rückgrat des Gebrauchtmarkts, während exotischere oder stark hochgejubelte Modelle die stärksten Ausschläge nach unten zeigten. Für Käufer bedeutet die ruhigere Lage vor allem eines: mehr Transparenz, kürzere Wartezeiten und realistischere Preise als noch vor drei Jahren.

Ein Markt, der erwachsener geworden ist

Die Abkühlung ist damit weniger ein Krisensignal als eine Rückkehr zur Normalität. Wer eine Luxusuhr verkaufen will, tut gut daran, sich vor dem Gang zum Händler über den aktuellen Marktwert des konkreten Modells zu informieren, statt vom Neupreis auszugehen. Und wer eine gebrauchte Uhr sucht, findet in einem entspannteren Umfeld heute leichter ein faires Angebot. Die Uhr am Handgelenk bleibt, was sie immer war – ein Stück Handwerk und Geschichte. Nur der Preis erzählt inzwischen wieder eine ehrlichere Geschichte.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Markttrends und stellt keine Anlage- oder Finanzberatung dar. Genannte Preisangaben sind unverbindliche Marktbeobachtungen und können sich jederzeit ändern.

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