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Wenn der Hype verdampft: Was Luxusuhren auf dem Gebrauchtmarkt 2026 wirklich wert sind

Zwischen 2020 und 2022 galten Stahl-Rolex als Rendite-Objekt. 2026 hat sich der Zweitmarkt normalisiert – mit Folgen für alle, die eine Luxusuhr verkaufen oder kaufen wollen.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Vom Spekulationsobjekt zurück zum Sammlerstück

Es gab eine Zeit, da galt die richtige Armbanduhr als eine der zuverlässigsten Geldanlagen überhaupt. Zwischen 2020 und 2022 kletterten die Preise für gefragte Modelle von Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet auf dem Zweitmarkt in schwindelerregende Höhen – teils deutlich über den offiziellen Listenpreis, den man beim Konzessionär ohnehin nur mit langer Warteliste oder gar nicht bekam. Wer eine Stahl-Rolex ergatterte, konnte sie mitunter am nächsten Tag mit Aufschlag weiterreichen. Diese Phase ist vorbei.

Preise auf dem Niveau von vor dem Boom

Marktbeobachter zeichnen für 2026 ein Bild der Normalisierung. Nach Auswertungen spezialisierter Uhrenplattformen und Fachmedien liegen die Preise vieler Rolex-Referenzen inzwischen wieder etwa dort, wo sie vor dem großen Hype standen – vergleichbar mit dem Frühjahr 2021. Seit dem Frühjahr 2023 gelten die Kurse als weitgehend stabil. Eine gut erhaltene Rolex Submariner Date wird je nach Zustand und Papieren grob im Bereich von 11.000 bis 13.000 Euro gehandelt; Omega-Modelle zeigten sich zuletzt sogar vergleichsweise wertstabil. Der globale Secondhand-Markt für Uhren wächst dennoch weiter und dürfte 2026 die Marke von 35 Milliarden US-Dollar überschreiten – der Markt ist also nicht geschrumpft, nur nüchterner geworden.

Warum der Neupreis kein Maßstab ist

Für private Verkäufer steckt darin eine wichtige Lektion. Wer eine Uhr veräußern will, orientiert sich oft am einst gezahlten Neupreis – und wird enttäuscht. Die Preisvorstellung liege häufig zu hoch, berichtet etwa der langjährige Uhrenhändler Gerhard Wellmann aus seiner Erfahrung (laut Unternehmensangaben); nicht weil die Uhr schlecht sei, sondern weil der Neupreis selten dem realen Marktwert entspreche. Entscheidend sind vielmehr Modell und Referenznummer, der Erhaltungszustand, die Vollständigkeit von Box und Papieren sowie die tagesaktuelle Nachfrage. Zwei äußerlich fast identische Uhren können sich im Wert deutlich unterscheiden, wenn bei der einen das originale Zertifikat fehlt.

Mehr Transparenz, weniger Mythos

Bemerkenswert an der Entwicklung ist weniger der Preisrückgang selbst als die dahinterliegende Verschiebung. Der Markt ist transparenter geworden: Online-Plattformen listen Tausende Angebote mit Preishistorie, Wartelisten sind vielerorts kürzer, und der Reiz des schnellen Weiterverkaufs ist gewichen. Damit verschwindet auch ein Teil der spekulativen Käuferschaft, die weniger an Zeitmessung als an Rendite interessiert war. Zurück bleiben eher jene, die eine Uhr tragen und behalten wollen.

Was das für Käufer und Verkäufer bedeutet

Für Einsteiger kann der ruhigere Markt eine Chance sein: Wer eine gebrauchte Luxusuhr kaufen möchte, findet 2026 mehr Auswahl und realistischere Preise als in den Hype-Jahren. Für Verkäufer gilt: Eine nüchterne Einschätzung des Zustands und ein Blick auf die aktuellen Verkaufspreise vergleichbarer Modelle sind hilfreicher als die Erinnerung an den Kaufbeleg. Eine Wertsteigerung ist möglich, aber keineswegs garantiert – und hängt stark von Modell und Timing ab. Eine Uhr bleibt am Ende vor allem eines: ein Gebrauchsgegenstand mit Liebhaberwert, dessen Preis der Markt bestimmt, nicht der Wunsch des Besitzers.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines Branchentrends und keine Anlage- oder Kaufberatung. Marktpreise schwanken; die genannten Werte sind Orientierungsgrößen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung.

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