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Vom Spekulationsobjekt zurück zum Zeitmesser: Was auf dem Gebrauchtmarkt für Luxusuhren gerade passiert

Gebrauchte Luxusuhren galten lange als sichere Wertanlage. Nach dem Boom bis 2022 hat der Sekundärmarkt kräftig korrigiert – zuletzt mit Anzeichen einer Stabilisierung. Warum der Neupreis beim Verkauf wenig aussagt.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Der Handel mit gebrauchten Luxusuhren ist in den vergangenen Jahren aus einer Nische heraus zu einem eigenen Markt herangewachsen – mit Preisindizes, spezialisierten Plattformen und einer Käuferschaft, die eine Rolex, Patek Philippe oder Audemars Piguet nicht nur am Handgelenk, sondern auch in der Vermögensaufstellung sieht. Wer aktuell eine solche Uhr verkaufen möchte, erlebt jedoch häufig eine Ernüchterung: Die Preisvorstellung orientiert sich am einstigen Neupreis oder an den Rekordwerten der Boomjahre – doch der Markt hat sich seither deutlich verändert.

Vom Höhenflug zur Korrektur

Zwischen 2020 und 2022 kannten die Preise für begehrte Stahlsportuhren fast nur eine Richtung. Modelle wie die Rolex Daytona, die Patek Philippe Nautilus oder die Audemars Piguet Royal Oak wurden zeitweise für ein Vielfaches ihres Listenpreises gehandelt. Niedrige Zinsen, Pandemie-Ersparnisse und eine Welle spekulativen Interesses trieben die Notierungen auf dem Sekundärmarkt in die Höhe. Seit dem Hoch im Frühjahr 2022 hat der Markt jedoch spürbar korrigiert. Branchenindizes zeigen für die meistgehandelten Modelle einen Rückgang im zweistelligen Prozentbereich; der viel beachtete Bloomberg-Subdial-Index, der die 50 am häufigsten gehandelten Uhren abbildet, wies zeitweise ein Minus von rund 18 Prozent binnen zwölf Monaten aus. Für einzelne Marken fielen die Korrekturen laut Marktbeobachtern noch deutlicher aus.

Zuletzt Anzeichen einer Stabilisierung

Interessant ist die jüngere Entwicklung: Nach Jahren fallender Kurse deuten mehrere Marktberichte für 2025 und 2026 auf eine Bodenbildung hin. Die vierteljährlichen Rückgänge fielen zuletzt geringer aus, und einzelne Erhebungen – etwa Auswertungen großer Handelsplattformen – meldeten für das Frühjahr 2026 sogar wieder leicht steigende Durchschnittspreise, getragen vor allem von den etablierten Marken. Ob daraus eine nachhaltige Erholung wird, ist offen. Solche Indexwerte bilden Durchschnitte ab und sagen wenig über das einzelne Referenzmodell aus, dessen Wert stark von Zustand, Baujahr, Vollständigkeit der Papiere und Nachfrage abhängt.

Warum der Neupreis in die Irre führt

Ein wiederkehrendes Missverständnis betrifft das Verhältnis von Neu- und Gebrauchtpreis. Die Hersteller haben ihre Listenpreise in den vergangenen Jahren wiederholt angehoben – auch das treibt manche Käufer überhaupt erst auf den Gebrauchtmarkt, wo begehrte Referenzen teils schneller verfügbar sind als beim Konzessionär. Zugleich bedeutet ein gestiegener Listenpreis nicht automatisch, dass eine bereits getragene Uhr im Wert steigt. Für Verkäufer ist daher weniger der Anschaffungspreis relevant als der aktuelle, realistische Marktwert vergleichbarer Stücke.

Was den Wert im Einzelfall bestimmt

Fachleute nennen einige Faktoren, die den erzielbaren Preis prägen. Dazu zählen die Marke und das konkrete Modell, der Erhaltungszustand, das Vorhandensein von Originalbox und Zertifikat, die Seltenheit einer Referenz sowie die aktuelle Nachfrage. Gerade bei sehr gefragten Modellen kann der Abstand zwischen einem privaten Schnellverkauf und einem gut vorbereiteten Verkauf über den Fachhandel oder eine Auktion erheblich sein. Umgekehrt lassen sich weniger gesuchte Modelle mitunter nur mit deutlichem Abschlag veräußern.

Sammlerstück statt reines Investment

Bemerkenswert an der aktuellen Marktphase ist eine Verschiebung der Wahrnehmung. Nachdem die Spekulation abgekühlt ist, rückt bei vielen Käufern wieder der eigentliche Gegenstand in den Vordergrund: eine mechanische Uhr als handwerkliches Objekt und langlebiger Begleiter. Die Vorstellung, mit jeder Luxusuhr eine sichere Rendite zu erzielen, hat in den vergangenen Jahren erkennbar Kratzer bekommen. Wer eine Uhr kauft, weil sie ihm gefällt, ist von Marktschwankungen emotional weniger betroffen als jemand, der vorrangig auf Wertzuwachs setzt. Für beide Gruppen gilt: Ein nüchterner Blick auf reale, aktuelle Marktdaten schützt vor Enttäuschungen – ganz gleich, ob gekauft oder verkauft wird.


Redaktionelle Einordnung eines Markttrends. Genannte Preisentwicklungen beruhen auf öffentlich zugänglichen Branchenindizes und Marktberichten und beziehen sich auf Durchschnittswerte; sie stellen keine Aussage über einzelne Modelle dar. Dieser Beitrag ist keine Anlage- oder Kaufberatung.

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