Vom Baumarkt in den Warenkorb: Warum der Garten immer öfter online gekauft wird
Der Onlinehandel mit Gartenprodukten wächst 2025 auf rund 1,28 Milliarden Euro – während der Gesamtmarkt schrumpft. Was hinter der Verschiebung zu spezialisierten Online-Händlern steckt.
Blumenerde, Rasenmäher, Hochbeete und Solarleuchten landen zunehmend im digitalen Warenkorb statt im Einkaufswagen des Baumarkts. Eine aktuelle Marktbetrachtung, auf die eine Pressemitteilung auf dem Portal openPR verweist, zeigt: Der Onlinehandel im Gartenbereich wächst weiter – und das, obwohl der Gesamtmarkt gerade eher stagniert. Das lohnt einen genaueren Blick, denn hinter den Zahlen steckt eine Verschiebung, die den Gartenhandel dauerhaft verändern könnte.
Ein wachsender Kanal in einem schrumpfenden Markt
Nach vorläufigen Berechnungen soll der Online-Umsatz mit Gartenprodukten in Deutschland 2025 bei rund 1,28 Milliarden Euro liegen – ein nominales Plus von etwa 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bemerkenswert ist das vor allem im Kontrast zum Gesamtmarkt: Der Gartenmarkt insgesamt erreicht den Berechnungen zufolge rund 19,7 Milliarden Euro und liegt damit leicht unter dem Vorjahreswert. Während also das große Ganze schrumpft, legt der digitale Kanal zu.
Der Anteil des E-Commerce am einzelhandelsrelevanten Gartenmarkt – also ohne den professionellen Garten- und Landschaftsbau – wird mit rund 7,1 Prozent angegeben, nach etwa 6,9 Prozent im Jahr zuvor. Das klingt nach einer kleinen Bewegung, ist über die Jahre betrachtet aber ein stetiger Aufwärtstrend. Die Ziffern stammen aus Branchenauswertungen und sind als vorläufige Schätzung zu verstehen.
Spezialisten gewinnen, der stationäre Handel gibt ab
Interessanter als die Gesamtsumme ist, wer innerhalb des Onlinegeschäfts die Nase vorn hat. Den Auswertungen zufolge haben stationäre Anbieter binnen eines Jahres gut einen Prozentpunkt an die reinen Online-Händler, die sogenannten Pure Player, abgegeben. Deren Anteil ist von rund 40 auf etwa 41 Prozent gestiegen. Spezialisierte Onlineshops, die sich ganz auf Pflanzen, Zubehör oder Gartentechnik konzentrieren, ziehen also Umsätze an – zulasten klassischer Gartencenter und Baumärkte, die neben der Ladenfläche auch online präsent sind.
Das passt zu einem Muster, das aus anderen Handelssparten bekannt ist: Sortimente, die sich gut standardisiert verschicken lassen und bei denen Kunden vorab genau wissen, was sie wollen, wandern schneller ins Netz. Sperrige, beratungsintensive oder verderbliche Waren – etwa größere Pflanzen – bleiben dagegen eine Herausforderung für den Versand.
Warum der Garten überhaupt online funktioniert
Dass ausgerechnet Gartenprodukte im Netz zulegen, hat mehrere Gründe. Viele Artikel sind gut vergleichbar und preissensibel, was die Onlinesuche attraktiv macht. Zugleich hat die Corona-Zeit den eigenen Garten und Balkon als Rückzugsort aufgewertet und viele Menschen an den Onlinekauf auch für diesen Bereich gewöhnt. Hinzu kommt die Bequemlichkeit: Schwere Erde oder Säcke mit Rindenmulch bis vor die Haustür geliefert zu bekommen, spart den Transport im eigenen Auto.
Grenzen bleiben trotzdem. Beratung, das Anfassen einer Pflanze oder der spontane Impulskauf im Gartencenter lassen sich digital nur bedingt abbilden. Der stationäre Handel behält damit Stärken, die sich nicht einfach ins Netz übertragen lassen – vorausgesetzt, er spielt sie aus.
Was das für die Branche bedeutet
Für Händler wird die Verzahnung beider Welten zur zentralen Aufgabe: ein durchdachter Onlineshop, verlässliche Logistik auch für sperrige Ware und Sortimente, die zum jeweiligen Kanal passen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet der Trend vor allem mehr Auswahl und Preistransparenz. Ob der Onlineanteil weiter so stetig wächst, hängt auch davon ab, wie gut es der Branche gelingt, die Schwächen des Versands – von Frachtkosten bis Retouren – in den Griff zu bekommen.
Redaktionelle Einordnung eines Branchentrends auf Basis öffentlich zugänglicher Marktdaten und Pressemitteilungen. Die genannten Umsatz- und Anteilswerte sind vorläufige Schätzungen und können je nach Quelle abweichen.
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