Vierzig Jahre „Der Name der Rose": Wie ein Rheingau-Kloster zum Filmschauplatz wurde
1986 wurde Umberto Ecos Mittelalter-Krimi verfilmt – mit Sean Connery und kühlen Steinmauern, die zu großen Teilen im hessischen Kloster Eberbach entstanden. Vierzig Jahre später erlebt der Ort einen besonderen Jubiläumsmoment.
Ein Klassiker wird vierzig
Manche Filme bleiben im Gedächtnis, weil sie eine Welt erschaffen, die man fast riechen kann: feuchte Steinmauern, Kerzenlicht, das Knistern alter Pergamente. „Der Name der Rose", 1986 nach dem gleichnamigen Roman von Umberto Eco verfilmt, gehört dazu. In diesem Jahr jährt sich der Kinostart zum vierzigsten Mal – ein Anlass, der nicht nur Cineastinnen und Cineasten interessiert, sondern auch jenen Ort wieder ins Licht rückt, an dem ein großer Teil der düsteren Klosteratmosphäre entstand: das Kloster Eberbach im Rheingau.
Regie führte der Franzose Jean-Jacques Annaud, produziert wurde der Film vom deutschen Filmemacher Bernd Eichinger. In der Hauptrolle des scharfsinnigen Mönchs William von Baskerville war Sean Connery zu sehen, an seiner Seite ein junger Christian Slater als novizenhafter Erzähler Adson von Melk. Die Geschichte – eine Mordserie in einer abgeschiedenen Abtei, aufgeklärt mit den Mitteln von Beobachtung und Vernunft – verbindet mittelalterliche Theologie mit den Zutaten eines klassischen Kriminalfalls.
Warum die Wahl auf Eberbach fiel
Dass ausgerechnet ein hessisches Zisterzienserkloster zum zentralen Schauplatz wurde, war kein Zufall. Nach Berichten über die Produktion wurden mehr als 300 Klöster geprüft, bevor die Entscheidung fiel. Für Eberbach sprachen die fast vollständig erhaltene mittelalterliche Bausubstanz und die logistisch günstige Lage. Wer heute durch die kargen Räume geht, versteht die Wahl: Die nüchterne Architektur der Zisterzienser, die bewusst auf Prunk verzichtet, liefert eine Kulisse, die sich kaum überzeugender nachbauen ließe.
Einzelne Räume wurden im Film zweckentfremdet. Das ehemalige Mönchsdormitorium etwa, der frühere Schlafsaal, diente als Skriptorium – jener Schreibstube, in der die Mönche Handschriften kopierten und die im Film den Zugang zur geheimnisvollen Bibliothek bildet. Diese labyrinthische Bibliothek selbst, einer der ikonischsten Schauplätze der Erzählung, entstand allerdings nicht im Rheingau, sondern in den römischen Cinecittà-Studios. Auch die Außenansicht der Abtei war eine Kulisse: Bei Prima Porta nördlich von Rom wurde dafür eines der größten Filmsets der europäischen Kinogeschichte errichtet.
Vom Drehort zum Anziehungspunkt
Für Eberbach war der Film der Beginn einer zweiten Karriere als Kulisse. Spätere Produktionen nutzten die Anlage ebenfalls, und bis heute zieht der Bezug zum Mittelalter-Krimi Besucherinnen und Besucher an, die auf den Spuren der Geschichte wandeln möchten. Das Phänomen ist nicht neu: Filmtourismus, also das gezielte Reisen zu bekannten Drehorten, hat sich weltweit zu einem festen Bestandteil des Kulturtourismus entwickelt. Schauplätze großer Produktionen werden zu Sehenswürdigkeiten, und ein einziger erfolgreicher Film kann eine Region über Jahrzehnte prägen.
Zum Jubiläum nimmt das Kloster den Faden bewusst wieder auf. Geplant ist laut Veranstalterangaben ein Abend, der die Erinnerung an den Film mit dem verbindet, wofür der Rheingau ebenso bekannt ist: Musik, Kultur und Wein. Ob solche Veranstaltungen die Magie des Originals heraufbeschwören können, sei dahingestellt – reizvoll ist die Kombination aus historischem Gemäuer, Klang und regionalem Genuss allemal.
Was bleibt nach vierzig Jahren
Dass ein Film vier Jahrzehnte überdauert, liegt selten allein an Stars oder Spannung. „Der Name der Rose" lebt von einer Atmosphäre, die ohne den realen Ort kaum denkbar wäre. Die kühlen Mauern von Eberbach verleihen der Geschichte eine Glaubwürdigkeit, die kein Studio vollständig ersetzen kann – und erinnern daran, dass hinter den großen Bildern des Kinos oft sehr konkrete, begehbare Orte stehen. Wer das Kloster heute besucht, sieht nicht nur ein Stück Filmgeschichte, sondern auch ein über 800 Jahre altes Bauwerk, das schon lange vor der Kamera seine eigene Geschichte erzählte.
Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung anlässlich des Filmjubiläums und keine Werbung für eine bestimmte Veranstaltung.
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