Verstärkung für die Parität: Was der FidAR-Beitritt zum Deutschen Frauenrat über den Stand der Frauenquote verrät
FidAR ist seit dem 1. Juli Mitglied im Deutschen Frauenrat. Der Beitritt fällt in eine Phase, in der der Frauenanteil in deutschen Vorständen erstmals seit Jahren stagniert – eine Bestandsaufnahme.
Es ist eine Meldung aus der Welt der Verbände, die auf den ersten Blick nach Routine klingt: Der Verein FidAR – Frauen in die Aufsichtsräte e. V. ist zum 1. Juli 2026 dem Deutschen Frauenrat beigetreten, dem Dachverband der deutschen Frauenorganisationen. Die Aufnahme erfolgte laut Verbandsangaben durch Beschluss der Mitgliedsorganisationen. Interessant wird die Personalie im Kontext: Sie fällt in eine Phase, in der die Entwicklung des Frauenanteils an deutschen Unternehmensspitzen ins Stocken geraten ist.
Wer da wem beitritt
FidAR wurde 2006 gegründet und verfolgt seit zwei Jahrzehnten ein klar umrissenes Ziel: mehr Frauen in Aufsichtsräte, Vorstände und andere Führungspositionen der deutschen Wirtschaft. Bekannt ist der Verein vor allem für seinen „Women-on-Board-Index" (WoB-Index), der regelmäßig den Frauenanteil in den Spitzengremien börsennotierter Unternehmen vermisst und damit eine der meistzitierten Datengrundlagen der Debatte liefert. Der Deutsche Frauenrat wiederum bündelt als Dachverband Dutzende Frauenorganisationen und gilt als wichtigste frauenpolitische Interessenvertretung gegenüber Bundesregierung und Parlament. Mit dem Beitritt wandert das Thema Wirtschaftsparität also stärker in die allgemeine gleichstellungspolitische Lobbyarbeit – und der Frauenrat gewinnt einen Mitgliedsverband mit dezidiertem Wirtschaftsfokus.
Die Zahlen: Aufwärtstrend gestoppt
Der Zeitpunkt ist kein Zufall, denn die Nachrichten aus den Chefetagen sind ernüchternd. Nach Erhebungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist der jahrelange Aufwärtstrend beim Frauenanteil in Vorständen großer Unternehmen zum Jahreswechsel 2025/2026 weitgehend zum Halt gekommen. In den Aufsichtsräten der untersuchten Großunternehmen stagniert der Frauenanteil bei rund 37 Prozent, in den DAX-40-Vorständen liegt er bei etwa einem Viertel – im MDAX ist er zuletzt sogar leicht gesunken. Auch FidAR selbst meldete zuletzt einen rückläufigen Frauenanteil an der Spitze großer Börsenunternehmen.
Was die Quote leistet – und was nicht
Rechtlich gilt seit 2015 die feste 30-Prozent-Quote für Aufsichtsräte börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen, seit 2021 ergänzt durch das Zweite Führungspositionen-Gesetz (FüPoG II): Vorstände mit mehr als drei Mitgliedern müssen in den betroffenen Unternehmen mindestens eine Frau und einen Mann umfassen. Die Bilanz fällt gemischt aus. Wo harte Vorgaben greifen, sind die Anteile gestiegen; in den quotenpflichtigen Vorständen kletterte der Frauenanteil nach FüPoG-Evaluationen bis 2024 kontinuierlich, verharrt seither aber bei rund 24 Prozent. Außerhalb des Geltungsbereichs – bei kleineren Vorständen, im nicht börsennotierten Mittelstand, auf den Ebenen unterhalb des Vorstands – bewegt sich deutlich weniger. Kritiker sprechen von einer „Compliance-Mentalität": Erfüllt wird, was das Gesetz verlangt, selten mehr.
Einordnung
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Beitritt als strategische Antwort auf eine Plateauphase lesen. Wenn gesetzliche Mindestquoten ihre unmittelbare Wirkung entfaltet haben und die Dynamik erlahmt, verlagert sich die Auseinandersetzung zurück auf die politische Bühne – etwa auf die Umsetzung der EU-Führungspositionen-Richtlinie, die börsennotierten Unternehmen europaweit Zielvorgaben für Leitungsorgane macht. Ob ein breiteres Bündnis der Verbände daran etwas ändert, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Die Zahlen, an denen sich der Erfolg messen lassen muss, liefert einer der Beteiligten gleich selbst.
Redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen, u. a. Verbandsmitteilungen auf openPR.de sowie Erhebungen von DIW und FidAR.
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