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Vergessene Handgriffe: Warum Erste-Hilfe-Wissen so schnell verblasst

Bei mehr als der Hälfte der Deutschen liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs über zehn Jahre zurück. Warum das gefährlich ist – und wie man Wissen einfach auffrischt.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wer den Führerschein macht, sitzt für gewöhnlich einmal in einem Erste-Hilfe-Kurs – und danach oft nie wieder. Genau hier liegt ein unterschätztes Problem: Im Ernstfall zählen die ersten Minuten, doch das nötige Wissen ist bei vielen Menschen längst verblasst. Dass nun neue Online-Plattformen rund um Notfallwissen entstehen, lenkt den Blick auf eine simple, aber folgenreiche Frage: Wie gut sind wir eigentlich vorbereitet, wenn jemand neben uns zusammenbricht?

Der letzte Kurs liegt meist Jahre zurück

Die Zahlen sind ernüchternd. Laut Umfragen im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes liegt bei mehr als der Hälfte der Bevölkerung der letzte Erste-Hilfe-Kurs über zehn Jahre zurück; in einer Erhebung aus dem Jahr 2024 waren es rund 55 Prozent. Nur ein kleiner Teil – in einer früheren Civey-Befragung etwa 17 Prozent – hatte innerhalb der vergangenen zwei Jahre einen Kurs besucht. Das DRK empfiehlt, die Kenntnisse spätestens alle zwei Jahre aufzufrischen, weil praktische Fähigkeiten wie die Herz-Druck-Massage ohne Wiederholung rasch nachlassen.

Das Tückische daran: Viele Menschen überschätzen ihr eigenes Können. Den Notruf 112 kennt fast jeder, doch sobald es konkret wird – stabile Seitenlage, Druckpunkt für die Wiederbelebung, Umgang mit einem Defibrillator –, wächst die Unsicherheit. Und Unsicherheit kostet im Notfall wertvolle Zeit.

Warum die ersten Minuten entscheidend sind

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit mit jeder Minute ohne Wiederbelebung deutlich. Bis der Rettungsdienst eintrifft, vergehen im Schnitt mehrere Minuten – eine Lücke, die nur anwesende Laien schließen können. Fachleute betonen seit Jahren denselben Kerngedanken: Etwas zu tun ist fast immer besser, als aus Angst vor Fehlern gar nicht zu handeln. Die international verbreitete Merkformel „Prüfen – Rufen – Drücken“ bringt das auf den Punkt: Ansprechbarkeit und Atmung prüfen, den Notruf wählen, mit der Herzdruckmassage beginnen.

Gerade die Hemmschwelle vor der Mund-zu-Mund-Beatmung hält viele zurück. Dabei gilt für Laien längst: Die durchgehende Herzdruckmassage ist das Wichtigste, eine Beatmung ist für ungeübte Helfer nachrangig. Solche Vereinfachungen sollen Menschen ermutigen, im Zweifel überhaupt einzugreifen.

Wissen lässt sich auffrischen – auch nebenbei

Neben den klassischen Präsenzkursen von Hilfsorganisationen entstehen zunehmend digitale Angebote, die Grundlagen erklären, an Handgriffe erinnern oder gezielt Zielgruppen wie Fahrschüler und betriebliche Ersthelfer ansprechen. Solche Plattformen können einen sinnvollen Anstoß geben, ersetzen aber das praktische Üben nicht: Eine Herzdruckmassage richtig zu dosieren oder eine bewusstlose Person sicher zu lagern, lernt man am besten mit den Händen, nicht nur am Bildschirm. Sinnvoll ist die Kombination – online auffrischen, in regelmäßigen Abständen einen Praxiskurs besuchen.

Für viele Berufstätige bietet sich ohnehin ein einfacher Weg: Betriebe sind verpflichtet, Ersthelfer auszubilden und regelmäßig fortzubilden. Wer sich freiwillig meldet, frischt sein Wissen kostenlos auf und hilft zugleich dem eigenen Umfeld. Auch viele Gemeinden, Sportvereine und Volkshochschulen bieten kompakte Kurse an.

Eine Fähigkeit, die jeden betreffen kann

Erste Hilfe ist kein Spezialwissen für wenige, sondern eine Alltagskompetenz, die in der Familie, am Arbeitsplatz oder auf der Straße den Unterschied machen kann. Dass die Kenntnisse über die Jahre verblassen, ist normal – problematisch wird es nur, wenn niemand gegensteuert. Die einfachste Konsequenz aus den Umfragen lautet daher: den letzten Kurs gedanklich datieren und, wenn er lange zurückliegt, einen Auffrischungstermin einplanen.


Dieser Beitrag ist eine allgemeine redaktionelle Einordnung und ersetzt weder einen Erste-Hilfe-Kurs noch eine medizinische oder gesundheitliche Beratung. Im Notfall gilt: Notruf 112 wählen. Empfehlungen zu Auffrischungsintervallen beruhen auf Angaben des Deutschen Roten Kreuzes.

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