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Teambuilding im ewigen Eis: Warum Firmen ihre Betriebsausflüge an immer ungewöhnlichere Orte verlegen

Vom Kochkurs zur Gletscherhöhle: Unternehmen verlegen Teamevents an immer exotischere Orte. Was hinter dem Trend steckt – und wo seine Grenzen liegen.

Von Anton · · 3 Min. Lesezeit

Kegelbahn, Klettergarten, Kochkurs – das klassische Repertoire des Betriebsausflugs ist vielen Beschäftigten bestens vertraut. Doch zunehmend suchen Unternehmen nach Erlebnissen, die aus dem Rahmen fallen. Ein aktuelles Beispiel aus Österreich zeigt, wie weit diese Suche inzwischen führt: in eine Gletscherhöhle im Zillertal.

Ein Konferenzraum aus Eis

Der sogenannte Natureispalast im Tiroler Zillertal, eine natürliche Gletscherspalte, die für Besucher zugänglich gemacht wurde, wird nach Angaben des Betreibers, der Natureispalast Erler GmbH, verstärkt für Teamevents von Unternehmen genutzt. Laut Unternehmensangaben gehe es dabei um mehr als ein außergewöhnliches Fotomotiv: Der gemeinsame Ausflug ins ewige Eis solle Zusammenhalt stiften und werde mit Gesundheitsaspekten verknüpft.

Ob eine Stunde in einer Eishöhle tatsächlich messbare Effekte auf Teamgeist oder Wohlbefinden hat, ist wissenschaftlich schwer zu belegen – solche Aussagen stammen in der Regel von den Anbietern selbst. Interessant ist der Fall dennoch, weil er einen breiteren Trend illustriert.

Der Betriebsausflug als Erlebnisprodukt

Teambuilding ist längst ein eigener Markt. Eventagenturen, Tourismusregionen und Freizeitanbieter konkurrieren um Firmenkunden, die für ihre Belegschaft etwas Besonderes suchen. Die Logik dahinter: Ein Ausflug, über den noch Wochen später gesprochen wird, zahlt stärker auf das Gemeinschaftsgefühl ein als das jährliche Standardprogramm. Escape-Rooms, Alpaka-Wanderungen, Survival-Trainings oder eben Gletschertouren – die Angebotspalette wird von Jahr zu Jahr exotischer.

Für Tourismusbetriebe sind Firmenkunden dabei ein attraktives Segment: Sie buchen unter der Woche, in Gruppen und oft außerhalb der klassischen Ferienzeiten. Gerade Destinationen im Alpenraum, die zwischen Winter- und Sommersaison Auslastungslücken haben, entdecken das Geschäft mit Teamevents als zusätzliches Standbein.

Was hinter dem Bedürfnis steckt

Dass Unternehmen überhaupt so viel Aufwand betreiben, hat handfeste Gründe. In Zeiten von Homeoffice und verteilten Teams sehen sich viele Belegschaften seltener persönlich. Gemeinsame Erlebnisse außerhalb des Arbeitskontextes gelten als Mittel, um Vertrauen aufzubauen, das im Videocall nur schwer entsteht. Zudem ist der Arbeitsmarkt in vielen Branchen weiterhin angespannt – Arbeitgeber nutzen besondere Events auch als Signal an Bestehende und Bewerbende: Hier wird in die Belegschaft investiert.

Gleichzeitig warnen Personalfachleute regelmäßig davor, Teambuilding als Allheilmittel zu betrachten. Ein spektakulärer Tag im Eis ersetzt keine funktionierende Führung, keine faire Arbeitsverteilung und kein gutes Betriebsklima im Alltag. Wo grundlegende Konflikte schwelen, kann ein verordnetes Gemeinschaftserlebnis sogar als aufgesetzt empfunden werden.

Zwischen Erlebnis und Erwartungsdruck

Auch aus Sicht der Beschäftigten ist der Trend nicht ungeteilt positiv. Nicht jede und jeder empfindet Kälte, Höhe oder körperliche Herausforderungen als Belohnung. Wer Teamevents plant, tut deshalb gut daran, Freiwilligkeit und Alternativen mitzudenken – sonst wird aus dem Motivationsinstrument schnell eine Pflichtveranstaltung mit gegenteiligem Effekt.

Der Gletscher als Konferenzraum bleibt damit vor allem eines: ein Symptom dafür, wie stark der Wettbewerb um Aufmerksamkeit – die der eigenen Mitarbeitenden eingeschlossen – inzwischen geworden ist. Ob im Eis, im Wald oder am Kochtopf: Entscheidend ist am Ende weniger der Ort als die Frage, ob das Erlebnis zur Kultur des Unternehmens passt.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines Branchentrends auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen, unter anderem einer Pressemitteilung auf openPR.de.

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