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Rekord mit Lücken: Warum die Beschäftigung von Zugewanderten in der EU auf einem Hoch steht

Ein Bericht des Forschungszentrums CReAM meldet für die EU die höchste Beschäftigungsquote unter Zugewanderten seit Beginn der Erhebung. Hinter der Rekordzahl stecken große Unterschiede – zwischen Ländern, Herkunft und Geschlecht.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Zahlen zur Zuwanderung geraten schnell in den Sog politischer Debatten. Ein aktueller Bericht des Centre for Research and Analysis of Migration (CReAM) an der ROCKWOOL Foundation Berlin versucht, dem eine nüchterne Datengrundlage entgegenzusetzen. Auf Basis von Eurostat-Zahlen kommt die Auswertung zu einem Befund, der in der Debatte oft untergeht: Die Beschäftigung von Zugewanderten in der Europäischen Union steht so hoch wie nie seit Beginn der Erhebung.

Ein Rekord, genauer betrachtet

Nach Angaben des Forschungszentrums stieg die Beschäftigungsquote unter Zugewanderten in der EU zuletzt auf 68,2 Prozent und erreichte damit den höchsten Wert im Beobachtungszeitraum. Zugleich legte auch die Quote der einheimischen Bevölkerung zu und liegt den Angaben zufolge bei rund 71,6 Prozent – ebenfalls ein Höchststand. Der vielzitierte Abstand zwischen beiden Gruppen ist damit kleiner, als viele annehmen, aber er besteht fort.

Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei Menschen aus Nicht-EU-Staaten aus. Ihre Beschäftigungsquote kletterte laut Bericht von 59,4 Prozent im Jahr 2017 auf zuletzt rund 66 Prozent. Das ist bemerkenswert, weil gerade diese Gruppe in der öffentlichen Wahrnehmung häufig mit dem Bild des dauerhaft schwer integrierbaren Zuwanderers verknüpft wird – ein Bild, dem die Entwicklung der vergangenen Jahre zumindest teilweise widerspricht.

Wo die Lücken bleiben

Ein Rekord im Durchschnitt verdeckt allerdings erhebliche Unterschiede. Zwischen den Mitgliedstaaten klaffen die Werte weit auseinander: Spitzenreiter sind dem Bericht zufolge Malta mit 83,7 Prozent, Tschechien mit 77,3 Prozent und Irland mit 76,1 Prozent. In anderen Ländern liegen die Quoten deutlich niedriger – abhängig von der Wirtschaftslage, der Zusammensetzung der Zuwanderung und den Wegen in den Arbeitsmarkt.

Am hartnäckigsten zeigt sich die Lücke bei Frauen, die aus Ländern außerhalb der EU zugewandert sind. Ihre Erwerbsbeteiligung bleibt nach den Daten spürbar hinter der anderer Gruppen zurück. Fachleute führen das auf ein Bündel von Faktoren zurück: Sprachbarrieren, fehlende Anerkennung von Abschlüssen, familiäre Sorgearbeit und in manchen Fällen auch auf rechtliche Hürden beim Zugang zu Arbeit. Genau hier verorten die Autorinnen und Autoren ein „ungenutztes Potenzial", das der Titel ihres Berichts benennt.

Was die Zahlen nicht sagen

So aufschlussreich die Statistik ist, so wichtig ist ihre vorsichtige Deutung. Eine Beschäftigungsquote misst, wie viele Menschen einer Gruppe überhaupt erwerbstätig sind – nicht, ob die Arbeit gut bezahlt, sicher oder der Qualifikation angemessen ist. Ein hoher Wert kann ebenso auf gelungene Teilhabe wie auf die schlichte Notwendigkeit hindeuten, jede verfügbare Stelle anzunehmen. Auch sagt der EU-Durchschnitt wenig über einzelne Regionen oder Branchen aus.

Hinzu kommt, dass Vergleiche über die Zeit von der Zusammensetzung der Zuwanderung abhängen. Wer zuwandert, aus welchen Gründen und mit welcher Ausbildung, verändert sich von Jahr zu Jahr – und damit auch die Werte, ohne dass sich an der Integrationsfähigkeit einzelner Gruppen zwingend etwas geändert haben muss. Der Bericht selbst mahnt denn auch, Fortschritt und fortbestehende Lücken zusammen zu lesen.

Zwischen Momentaufnahme und Trend

Für die wirtschaftspolitische Diskussion liefert die Auswertung damit weniger eine fertige Antwort als eine präzisere Frage: Wie lässt sich die vorhandene Erwerbsbeteiligung in bessere, der Qualifikation entsprechende Beschäftigung überführen – und wie erreicht man jene Gruppen, die bislang am Rand des Arbeitsmarkts bleiben? Die Rekordzahl ist in diesem Sinne kein Schlusspunkt, sondern eine Zwischenbilanz in einer Entwicklung, die weiter in Bewegung ist.


Dieser Beitrag ordnet eine aktuelle Studie redaktionell und neutral ein. Er gibt die Ergebnisse und Einschätzungen des genannten Forschungszentrums wieder und stellt keine politische Wertung dar.