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Nominal teurer, real günstiger: Wie die Elektroauto-Studie den Preis neu vermisst

Eine gemeinsame Auswertung von ICCT und Fraunhofer ISI kommt zu einem paradoxen Ergebnis: Elektroautos in Deutschland sind zwischen 2020 und 2025 im Schnitt teurer geworden – und trotzdem rund 18 Prozent billiger. Der Widerspruch löst sich auf, sobald man genauer hinschaut, was da eigentlich verglichen wird.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Die Schlagzeile klingt zunächst nach einem Rechenfehler: Die durchschnittlichen Verkaufspreise für Elektroautos sind gestiegen, und dennoch sollen die Fahrzeuge deutlich günstiger geworden sein. Eine Auswertung des International Council on Clean Transportation (ICCT) gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, über die derzeit mehrere Fachmedien berichten, kommt laut den beteiligten Instituten auf einen realen Preisrückgang von etwa 18 Prozent im Zeitraum 2020 bis 2025. Der scheinbare Widerspruch ist der eigentliche Kern der Studie – und ein Lehrstück darüber, wie irreführend ein simpler Durchschnittspreis sein kann.

Warum der Durchschnitt in die Irre führt

Ein Durchschnittspreis addiert alles, was verkauft wird, und teilt durch die Stückzahl. Verschiebt sich das Angebot – etwa weil mehr größere, stärkere oder besser ausgestattete Modelle auf den Markt kommen –, steigt dieser Wert, ohne dass ein einzelnes Auto teurer geworden sein muss. Genau das ist laut Auswertung passiert. Die Institute vergleichen deshalb nicht die nackten Durchschnittspreise, sondern Fahrzeuge mit vergleichbaren Eigenschaften über die Zeit. Erst diese Bereinigung legt frei, was Käuferinnen und Käufer für die gleiche Leistung heute zahlen – und dieser Betrag ist gesunken.

Hinzu kommt die Inflation. Die Untersuchung rechnet die Preise real, also kaufkraftbereinigt. Ein nominal gleichbleibender Preis bedeutet in einer Phase steigender Verbraucherpreise faktisch eine Verbilligung. Beide Effekte zusammen – die veränderte Modellstruktur und die Teuerung an anderer Stelle – erklären, wie aus einem optisch steigenden Preisschild ein realer Preisrückgang wird.

Mehr Modelle, mehr Reichweite

Untermauert wird der Befund von zwei weiteren Entwicklungen. Zum einen hat sich die Zahl der auf dem deutschen Markt verfügbaren Elektromodelle laut Studie mehr als vervierfacht. Wo vor wenigen Jahren nur eine Handvoll Fahrzeuge zur Wahl stand, decken heute mehrere Segmente vom Kleinwagen bis zur Luxusklasse ein breites Feld ab. Zum anderen ist die durchschnittliche Reichweite den Angaben zufolge um rund ein Drittel gewachsen. Wer heute ein E-Auto kauft, bekommt für sein Geld also tendenziell mehr Nutzwert als 2020 – ein Aspekt, den ein reiner Preisvergleich vollständig unterschlägt.

Als treibende Kraft im Hintergrund benennen die Institute die Batterie. Deren globale Preise gingen im Betrachtungszeitraum nominal um 21 bis 24 Prozent zurück; inflationsbereinigt liegt der Rückgang laut Auswertung sogar bei 35 bis 37 Prozent. Da die Batterie einen erheblichen Teil der Herstellungskosten eines Elektroautos ausmacht, schlägt dieser Rückgang unmittelbar auf die Fahrzeugkalkulation durch. Datenbasis ist nach Angaben der Beteiligten eine Auswertung von mehr als 100.000 Einzelangaben aus einer ADAC-Datenbank über sechs Fahrzeugsegmente.

Was die Zahl nicht sagt

So aufschlussreich der bereinigte Blick ist – er ersetzt nicht die Erfahrung an der Preisliste. Ein realer Rückgang um 18 Prozent bei vergleichbaren Modellen bedeutet nicht, dass günstige Einstiegsfahrzeuge in gleichem Maß verfügbar sind. Mehrere Berichte weisen darauf hin, dass sich parallel eine Lücke aufgetan hat: zwischen einem wachsenden, aber tendenziell höherpreisigen Angebot und der Nachfrage nach wirklich preiswerten Kleinwagen. Der Durchschnitt steigt eben auch deshalb, weil das preisgünstige Segment vergleichsweise dünn besetzt bleibt.

Für die Einordnung heißt das: Elektromobilität ist über die vergangenen fünf Jahre in der Substanz günstiger geworden, gemessen an dem, was ein Fahrzeug leistet. Ob sie sich für den einzelnen Haushalt rechnet, hängt weiter von Segment, Nutzung und Strompreis ab. Die Studie liefert kein Kaufargument, sondern eine Methode – und die Erinnerung, dass ein einzelner Durchschnittswert selten die ganze Geschichte erzählt.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich berichteter Studienergebnisse und ersetzt keine individuelle Kauf- oder Finanzberatung.