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Netzwerk statt Alleingang: Warum Gründerinnen zunehmend auf gemeinsame Strukturen setzen

Frauen gründen seltener im Vollerwerb und stoßen auf engere Netzwerke als Männer. Immer mehr Initiativen wollen genau hier ansetzen – mit Beratung, Vorbildern und gemeinsamen Strukturen.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wenn Verbände, Kammern und private Initiativen zu Veranstaltungen rund um weibliche Selbstständigkeit einladen, steht selten das einzelne Geschäftsmodell im Mittelpunkt. Es geht um etwas Grundsätzlicheres: um die Frage, warum Frauen in Deutschland seltener ein Unternehmen gründen als Männer – und was sich daran ändern lässt. Netzwerke gelten dabei zunehmend als Hebel. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, warum das Thema mehr ist als ein Veranstaltungsformat.

Ein Anteil, der sich hartnäckig hält

Der Frauenanteil im deutschen Gründungsgeschehen bewegt sich seit Jahren in einem engen Korridor. Laut KfW-Gründungsmonitor lag er 2024 bei rund 36 Prozent und rutschte 2025 leicht darunter – unter den langjährigen Durchschnitt von etwa 39 Prozent. Besonders auffällig ist der Unterschied nach Gründungstyp: Im Vollerwerb, also bei Gründungen als hauptberufliche Existenz, fiel der Frauenanteil auf rund 27 Prozent. Getragen wird der Gesamtwert vor allem von Gründungen im Nebenerwerb.

Noch deutlicher ist das Bild im Start-up-Ökosystem. Dort lag der Gründerinnenanteil 2025 nach dem Female Founders Monitor bei knapp 19 Prozent – und war erstmals seit Jahren wieder rückläufig. Auch in der Gesamtbetrachtung der Selbstständigen bleibt das Verhältnis schief: Nach Daten des Mikrozensus waren 2024 etwa ein Drittel aller Selbstständigen Frauen. Die Schlagzeile vom stetigen Aufstieg der Gründerinnen trifft also nur einen Teil der Wirklichkeit.

Warum die Zahlen stagnieren

Die Gründe sind vielschichtig und lassen sich nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren. In der Forschung und in den Berichten der Förderinstitutionen tauchen immer wieder drei Punkte auf: ein schwierigerer Zugang zu Kapital, im Schnitt kleinere und weniger dicht geknüpfte Netzwerke sowie die Frage, wie sich unternehmerische Selbstständigkeit mit Sorgearbeit vereinbaren lässt. Gerade Letzteres erklärt teilweise, warum viele Frauen den Schritt zunächst im Nebenerwerb wagen, statt sofort in Vollzeit zu gründen.

Netzwerke setzen an mehreren dieser Punkte gleichzeitig an. Sie vermitteln Kontakte zu Kapitalgebern, machen Vorbilder sichtbar und schaffen Räume, in denen Erfahrungswissen weitergegeben wird – von der ersten Kalkulation bis zur Frage, wie man ein Team führt. Der Wert liegt weniger in einem einzelnen Ratschlag als in der Summe: Wer früh mit anderen Gründerinnen und mit erfahrenen Beraterinnen in Kontakt kommt, trifft Entscheidungen auf einer breiteren Grundlage.

Von der bundesweiten Agentur bis zur regionalen Runde

Die Angebotslandschaft ist dabei überraschend dicht, aber auch unübersichtlich. Als zentrale Anlaufstelle gilt die bundesweite gründerinnenagentur, die als deutschlandweites Kompetenz- und Servicezentrum für die unternehmerische Selbstständigkeit von Frauen auftritt und in allen Bundesländern mit regionalen Ansprechpartnerinnen vertreten ist. Daneben existieren Programme von Wirtschaftskammern, Verbänden, Hochschulen und privaten Initiativen – häufig branchenübergreifend, teils spezialisiert auf einzelne Phasen von der Idee bis zur Skalierung.

Gerade in der sehr frühen Phase, noch vor der formalen Gründung, kann eine solche Orientierung entscheidend sein. Wer weiß, welche Förderung existiert, welche Beratungsstelle zuständig ist und welche anderen Gründerinnen in der Region an ähnlichen Themen arbeiten, spart Zeit und vermeidet Fehler. Die Kehrseite: Die Vielfalt der Angebote bedeutet auch, dass man sich zunächst zurechtfinden muss.

Kein Selbstläufer

Ob Netzwerke die Zahlen tatsächlich bewegen, lässt sich nicht seriös in eine einfache Kausalität pressen. Sie sind ein Baustein neben Rahmenbedingungen wie Finanzierung, Steuerrecht und der Verteilung von Sorgearbeit. Klar ist aber, dass der Alleingang für viele die höhere Hürde darstellt. Solange strukturelle Nachteile bestehen, dürfte der Ruf nach gemeinsamen Strukturen eher lauter werden – und die Frage, wie gut die vorhandenen Angebote ineinandergreifen, an Bedeutung gewinnen.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung eines aktuellen Branchentrends und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Genannte Zahlen beruhen auf öffentlich verfügbaren Erhebungen und können je nach Quelle und Definition abweichen.

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