Lobby bündelt Lobby: Was der FidAR-Beitritt zum Deutschen Frauenrat über den Stand der Parität verrät
FidAR ist dem Deutschen Frauenrat beigetreten – ausgerechnet in einer Phase, in der der Frauenanteil in Vorständen wieder sinkt. Eine Einordnung zu Quote, Stagnation und Verbandsstrategie.
Es ist eine Meldung, die auf den ersten Blick nach Verbandsroutine klingt: Der Verein FidAR – Frauen in die Aufsichtssräte e. V. ist zum 1. Juli dem Deutschen Frauenrat beigetreten, wie die Initiative per Pressemitteilung bekannt gab. Wer jedoch auf die aktuellen Zahlen zur Besetzung deutscher Führungsgremien schaut, erkennt: Der Zusammenschluss fällt in eine Phase, in der die Fortschritte bei der Gleichstellung in Chefetagen ins Stocken geraten sind.
Zwei Organisationen, ein Ziel
FidAR wurde 2006 gegründet und hat sich seither als überparteiliche Initiative für mehr Frauen in Aufsichtsräten und Vorständen etabliert. Bekannt ist der Verein vor allem durch den regelmäßig erhobenen Women-on-Board-Index, der die Besetzung der Führungsgremien börsennotierter Unternehmen dokumentiert. Der Deutsche Frauenrat wiederum ist der größte frauenpolitische Dachverband des Landes und vereint Dutzende Mitgliedsorganisationen unter einem Dach. Mit der Aufnahme, die laut Vereinsangaben durch Beschluss der Mitgliedsorganisationen erfolgte, erhält das Thema Führungspositionen dort nun eine spezialisierte Stimme.
Die Zahlen: Stillstand statt Aufbruch
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Nach dem aktuellen Women-on-Board-Index stagniert der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der im DAX, MDAX und SDAX notierten sowie paritätisch mitbestimmten Unternehmen bei rund 37 Prozent. In den Vorständen ist der Anteil zuletzt sogar gesunken – auf gut 19 Prozent, nachdem er Anfang 2025 noch bei über 20 Prozent gelegen hatte. Auffällig ist der Unterschied zwischen Unternehmen, die der festen Geschlechterquote unterliegen, und solchen ohne Quotenpflicht: Bei den quotenpflichtigen Firmen liegt der Aufsichtsratsanteil bei etwa 39 Prozent, bei den übrigen deutlich darunter – mit fallender Tendenz.
Was der Gesetzgeber vorgibt
Seit 2015 gilt für börsennotierte und zugleich paritätisch mitbestimmte Unternehmen eine feste Quote von 30 Prozent für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten. Das zweite Führungspositionen-Gesetz von 2021 ergänzte eine Mindestbeteiligung für Vorstände: Bei betroffenen Unternehmen mit mehr als drei Vorstandsmitgliedern muss mindestens eine Frau vertreten sein. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt ein wiederkehrendes Muster: Dort, wo harte Vorgaben greifen, bewegen sich die Zahlen – dort, wo lediglich Selbstverpflichtungen und Zielgrößen gelten, kaum. Kritiker der Quote wenden ein, starre Vorgaben griffen in die unternehmerische Freiheit ein und könnten qualifikationsfremde Kriterien in Personalentscheidungen tragen; Befürworter halten dagegen, dass sich informelle Netzwerke und eingefahrene Besetzungsroutinen ohne Druck von außen kaum aufbrechen ließen.
Bündelung als strategische Antwort
Vor diesem Hintergrund lässt sich der Beitritt als strategischer Schritt lesen: Wenn das Momentum der Gesetzgebung nachlässt, gewinnt klassische Verbandsarbeit wieder an Gewicht. Ein Dachverband mit breiter gesellschaftlicher Basis verschafft einem vergleichsweise kleinen Fachverein Zugang zu politischen Konsultationen, Anhörungen und Bündnissen – umgekehrt bringt FidAR belastbares Zahlenmaterial und wirtschaftsnahe Expertise ein. Ob daraus neue Dynamik entsteht, etwa bei der Umsetzung der EU-Führungspositionen-Richtlinie, die weitere Vorgaben für Börsenunternehmen bringt, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Die Debatte um Parität in deutschen Chefetagen ist nicht abgeschlossen – sie hat sich nur verlagert, von der großen Gesetzgebungsbühne zurück in die Mühen der Gremien- und Lobbyarbeit.
Redaktionelle Einordnung auf Basis einer Pressemitteilung von FidAR e. V. (openPR.de) sowie öffentlich zugänglicher Daten des Women-on-Board-Index. Dieser Beitrag gibt keine Empfehlung ab und stellt keine Rechtsberatung dar.
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