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Letzte Meile am Stadtrand: Was ein EU-Projekt über Lastenräder und Mikro-Hubs jenseits der Innenstadt gelernt hat

Lastenräder und Mikro-Hubs gelten als Innenstadt-Lösung. Das EU-Projekt SuCoLo hat sie dorthin gebracht, wo Lieferlogistik wirklich schwierig ist: an den Stadtrand. Die Ergebnisse aus Salzburg, Leipzig und Meran zeigen Potenzial – und klare Grenzen.

Von Anton · · 4 Min. Lesezeit

Wenn über klimafreundliche Stadtlogistik gesprochen wird, geht es fast immer um Innenstädte: dichte Bebauung, kurze Wege, viele Empfänger auf engem Raum – ideale Bedingungen für Lastenräder und Paketstationen. Die Ränder der Städte kommen in dieser Debatte selten vor. Dabei wächst der Lieferverkehr gerade dort spürbar, während Entfernungen größer, die Versorgungsdichte geringer und die Abhängigkeit vom Auto höher sind. Ein europäisches Forschungsprojekt hat sich nun genau diese unbequeme Zone vorgenommen – mit Ergebnissen, die für Kommunen und Logistiker gleichermaßen interessant sind.

Drei Städte, drei Experimente

Das Projekt „SuCoLo" (Sustainable Consumer Behaviour with Inclusive Bicycle Logistics Infrastructure in Urban Outskirts) lief von Anfang 2024 bis Mitte 2026, wurde von der Salzburg Research Forschungsgesellschaft koordiniert und unter anderem von der EU, der österreichischen FFG und dem deutschen Bundesforschungsministerium finanziert. Getestet wurde in drei Pilotstädten: Salzburg, Leipzig und Meran.

In Salzburg untersuchte das Team mit gut 1.100 Teilnehmenden in einem simulierten Online-Shop, ob digitale Entscheidungshilfen Kundinnen und Kunden zu nachhaltigeren Lieferoptionen bewegen können. In Leipzig kam in einem weniger dicht besiedelten Randgebiet ein mobiler Mikro-Hub zum Einsatz, von dem aus knapp 290 Lastenrad-Lieferungen abgewickelt wurden – ergänzt um eine Mietoption für Lastenräder. In Meran wurde Lastenrad-Sharing mit einem lokalen Kurierdienst für den Einzelhandel kombiniert; bis April 2026 kamen dort nach Projektangaben rund 620 Lieferungen, 120 registrierte Nutzerinnen und Nutzer sowie elf Partnergeschäfte zusammen. Bemerkenswert: Eines der sechs eingesetzten Fahrzeuge war gezielt auf Barrierefreiheit ausgelegt.

Nudging funktioniert – aber nicht mit Zeitdruck

Aufschlussreich sind vor allem die Salzburger Erkenntnisse zum sogenannten Digital Nudging, also kleinen Gestaltungshinweisen im Online-Shop, die nachhaltige Lieferoptionen attraktiver machen sollen. Laut den Projektergebnissen wirken transparente Kennzeichnungen wie ein grünes Blatt-Symbol, Treuepunkte oder eine voreingestellte nachhaltige Lieferoption durchaus. Elemente, die Zeitdruck erzeugen, erwiesen sich dagegen als kontraproduktiv – sie trieben Nutzerinnen und Nutzer eher zurück zur gewohnten Standardzustellung. Für Online-Händler ist das ein bemerkenswert konkreter Befund: Wer die Wahlarchitektur klug gestaltet, kann Verhalten lenken, ohne die Wahlfreiheit einzuschränken.

Die Ökonomie der Randlagen bleibt heikel

Zugleich zeigen die Piloten die Grenzen des Modells. Mobile Mikro-Hubs können Randgebiete grundsätzlich erschließen – aber nur, wenn ausreichend Sendungsvolumen zusammenkommt, verlässliche Partnerschaften bestehen und die Betriebsmodelle flexibel genug sind. Knapp 290 Lieferungen in einem Pilotzeitraum sind ein Anfang, kein Geschäftsmodell. Projektkoordinator Michael Thelen von Salzburg Research betont zudem, dass sich erfolgreiche Ansätze nicht einfach von Stadt zu Stadt kopieren lassen: Unterschiedliche Regeln, knapper Raum und lokales Kaufverhalten erfordern jeweils eigene Anpassungen.

Interessant ist auch der Inklusionsbefund aus Leipzig: Ältere Menschen brauchen kurze, sichere Wege und barrierefreie Zugänge, Berufstätige verlässliche Angebote entlang ihrer Alltagsrouten, Jüngere schnelle Abholung und einfache digitale Nutzung. Wer Stadtrand-Logistik plant, plant also nicht für „den Kunden", sondern für sehr unterschiedliche Lebenslagen.

Ein Werkzeugkasten für Nachahmer

Damit die Erkenntnisse nicht in Projektberichten verschwinden, hat das Konsortium ein frei zugängliches Online-Toolkit veröffentlicht – mit Planungs- und Entscheidungshilfen, Ansätzen zum Nachfragemanagement und Empfehlungen für kommunale Fahrradlogistik-Strategien. Für deutsche Kommunen, die über Mikro-Depots und Lastenradlogistik nachdenken, dürfte das eine der praktischeren Hinterlassenschaften des Projekts sein: keine Blaupause, aber ein realistischer Erfahrungsschatz darüber, was am Stadtrand funktioniert – und woran es scheitern kann.


Redaktionelle Einordnung auf Basis einer Pressemitteilung des Informationsdienstes Wissenschaft (idw) bzw. der Salzburg Research Forschungsgesellschaft, veröffentlicht über openPR.de. Projektangaben laut Konsortium.

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