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Leere Werkbänke, volle Wartelisten: Der widersprüchliche Ausbildungsmarkt 2025

Ein neues Buch fragt, warum sich so viele junge Menschen gegen eine Ausbildung entscheiden. Dahinter steht ein paradoxer Markt: Zehntausende Lehrstellen bleiben unbesetzt – und zugleich gehen immer mehr Bewerber leer aus.

Von Redaktion · · 3 Min. Lesezeit

Ein Buch als Anlass, eine Zahl als Kern

Warum entscheiden sich Jahr für Jahr so viele junge Menschen gegen eine Ausbildung? Diese Frage stellt ein aktuell erscheinendes Buch aus einem norddeutschen Verlag in den Mittelpunkt und führt die Gründe auf ein Bündel aus Lustlosigkeit, fehlender Orientierung und dem Wunsch nach schneller wirtschaftlicher Selbstständigkeit zurück. Der Buchtitel ist dabei nur der Anlass. Die eigentliche Geschichte erzählen die nüchternen Zahlen des Ausbildungsmarkts – und die sind widersprüchlicher, als es die verbreitete Klage über „ausbildungsunwillige Jugend" vermuten lässt.

Zwei Zahlen, die nicht zusammenpassen

Nach den Erhebungen des Bundesinstituts für Berufsbildung blieben 2025 rund 54.400 betriebliche Ausbildungsstellen unbesetzt. Das war zwar ein deutlicher Rückgang gegenüber den etwa 69.400 offenen Plätzen des Vorjahres, entspricht aber immer noch mehr als jedem zehnten angebotenen Ausbildungsplatz. Zugleich waren zum Stichtag Ende September rund 84.400 junge Menschen weiter auf der Suche nach einer Lehrstelle – der zweithöchste Wert seit 2009 und ein Anstieg von fast 20 Prozent gegenüber dem Jahr davor.

Beide Zahlen nebeneinander ergeben ein Bild, das der einfachen Erzählung widerspricht: Es fehlt weder grundsätzlich an Lehrstellen noch grundsätzlich an Bewerbern. Was fehlt, ist die Passung. Fachleute sprechen von einem Passungsproblem, das sich in zwei Richtungen zeigt. Beruflich, weil offene Stellen und Bewerberwünsche in unterschiedlichen Branchen liegen: Während manche Betriebe im Handwerk, in der Gastronomie oder im Lebensmittelbereich kaum noch Nachwuchs finden, drängen sich in beliebteren Berufen mehr Interessierte, als es Plätze gibt. Und regional, weil freie Stellen und suchende Jugendliche oft schlicht nicht am selben Ort sind.

Warum die Kluft so hartnäckig ist

Dass die beiden Gruppen nicht zueinanderfinden, hat mehrere Ursachen. Mobilität ist eine davon: Nicht jeder 16- oder 17-Jährige kann oder will für eine Lehrstelle in eine andere Region ziehen, zumal bezahlbarer Wohnraum in wirtschaftsstarken Gegenden knapp ist. Hinzu kommen Erwartungen auf beiden Seiten. Manche Betriebe halten an Anforderungsprofilen fest, die einen Teil der Bewerber von vornherein aussortieren; manche Jugendliche wiederum meiden Berufe, die als anstrengend, schlecht bezahlt oder wenig angesehen gelten. Die Zahl der neu abgeschlossenen dualen Ausbildungsverträge sank 2025 um gut zwei Prozent auf rund 476.000 – wobei das Angebot stärker schrumpfte als die Nachfrage.

Für die Wirtschaft ist die Kluft mehr als eine statistische Fußnote. Jeder unbesetzte Ausbildungsplatz von heute ist eine potenzielle Fachkräftelücke von morgen. In vielen mittelständischen Betrieben, die ihren Nachwuchs traditionell selbst ausbilden, verschärft der Trend einen ohnehin spürbaren Personalmangel. Gleichzeitig droht einer wachsenden Gruppe junger Menschen der Einstieg ins Berufsleben zu misslingen, obwohl sie ausdrücklich eine Ausbildung suchen.

Zwischen Klischee und Wirklichkeit

Die Debatte über die „Generation ohne Bock" greift damit zu kurz. Sie übersieht, dass ein erheblicher Teil der jungen Menschen sehr wohl eine Lehre beginnen möchte – nur eben nicht überall und nicht in jedem Beruf. Ansätze, die Kluft zu verkleinern, reichen von besserer Berufsorientierung an Schulen über Unterstützung bei Umzug und Mobilität bis zu Betrieben, die ihre Auswahlkriterien lockern und stärker in die Begleitung von Auszubildenden investieren. Ob das Buch, das die Frage neu aufwirft, Antworten liefert, wird sich zeigen. Die Zahlen dahinter legen aber nahe, dass das Problem weniger im Unwillen der Jugend liegt als in einem System, das Angebot und Nachfrage immer schwerer zusammenbringt.


Dieser Beitrag ist eine redaktionelle Einordnung auf Basis öffentlich verfügbarer Daten zum Ausbildungsmarkt und keine Berufs- oder Rechtsberatung.